Götz Aly und die Pädophilie

 

Die dem Bundestagswahlkampf 2013 geschuldete Auseinandersetzung über die Haltung der Partei Die Grünen und ihrer Gruppierungen und Sympathisanten seit der Gründung dieser ökologisch-politischen Bewegung treibt eigentümliche Blüten. Zwei von ihnen hat der Historiker Götz Aly zu verantworten. Seine beiden Kolumnen Zeitgeschichtliches zur Pädophilie I und II in der Berliner Zeitung vom 27.5. bzw. 3.6.2013 sind in ihrer Undifferenziertheit, ihrer Polemik, in ihrem Hinweggehen über Forschungsergebnisse und in ihrer Tendenz, Homosexualität und Pädophilie in einen Topf zu werfen, erschreckend. Aly verzichtet überdies darauf zu definieren, was er unter Pädophilie versteht. So waren seit 1969 zwar gleichgeschlechtliche Handlungen unter volljährigen Männern straffrei – aber der sexuelle Verkehr eines Mannes über 21 Jahre mit einem Zwanzig- oder Achtzehnjährigen strafbar. Ein Fall von Pädophilie?

Wurde Alys Onkel Otto während der NS-Zeit wegen sexueller Handlungen mit erwachsenen Männern bestraft, ist er ein Opfer der Homosexuellenverfolgung – ohne Wenn und Aber. Hatte er sich nach 1945 an Kindern vergriffen, handelte es sich um einen anderen Sachverhalt und Straftatbestand, wobei ich es für  recht unwahrscheinlich halte, dass ein Mann, der bis 1945 nur mit erwachsenen Männern gleichgeschlechtliche Handlungen vorgenommen hatte, nach dem Krieg auf Sex mit kleinen Kindern aus gewesen sein soll. Ist der von Aly erwähnte Onkel Otto etwa nur eine fiktive Gestalt, um einen Aufhänger für seine Kolumnen zu haben?

 

Wer sich mit dem von Aly angeschnittenen Thema ernsthaft auseinandersetzen möchte, sei

u. a. auf die Erwiderung von Sven Felix Kellerhoff (Die katholische Kirche ein „Sexualsumpf“?) in der Zeitung Die Welt vom 8. Juni 2013 und auf Nina Apins Artikel Kuscheln mit Indianern, erschienen am 22. April 2010 in der taz, verwiesen.

 

                                                                                                                                    (23.6.2013)