Michael Fisch

 

                                                                      KHAMSA

 

                                                       oder Das Wasser des Lebens

 

                                                    Erschienen in der Edition Milo

                                       des slowenisch - österreichischen Verlages Drava

 

                                                                Klagenfurt 2010

 

 

 

 

 

„Mir geht es darum, die Trennung von Literatur und Wissenschaft aufzuheben…Poesie ist Wissenschaft. Wissenschaft wird Poesie“ (S. 75).

 

Michael Fisch hätte diesen Satz als Motto seinem Buch KHAMSA oder Das Wasser des Lebens voranstellen können. Sein Text, den der Verfasser Roman nennt, setzt sich mit  einer Fülle philosophischer, ethnographischer, historischer, politischer, literaturtheoretischer und literarischer Fragen auseinander. Bisweilen ist er ein Essay, dann wieder ein Reisebericht, eine faktenverliebte Landeskunde, eine Aneinanderreihung von Aphorismen oder auch ein „traditioneller“ Roman. Erzähl-, Reflexions- und Faktenebene lösen einander ab, gehen ineinander über, ergänzen sich.

Präzise datiert sind Aufenthalte eines Ich-Erzählers in Agadir (13. bis 19. Januar) und in Marrakesch (18. September bis 2. Oktober 2005).

Neunzehn von fünfzig Kapiteln stellt der Fisch Sätze von Roland Barthes, Elias Canetti, Hubert Fichte, Stefan George, Juan  Goytisolo, Michel Houellebecq, Jean-Paul Sartre und aus dem Koran als Motto voran.

 

Eines der zentralen Themen des Romans ist Homosexualität: das homosexuelle Leben in Marokko, insbesondere in Marrakesch, die einheimischen Schwulen und die ausländischen, die das Land besuchen, Tanger als Zufluchtsort homosexueller Schriftsteller aus Frankreich und England während der 40er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, die mann-männliche Prostitutionsszene des Landes.

Der Roman enthält eindeutige und eindringliche Schilderungen erotischer Lust – z. B. das Essen auf einem nackten Jungen. Omars Treiben in San Francisco und seine Kastration durch eigene Hand, die Wechselbeziehung von Schwanz und Pistole, der Mord an einem Strichjungen nach der Penetrierung durch einen Pistolenlauf und einen im Anus  abgegebenen Schuss. Unverkennbar sind Fischs literarische Vorbilder Genet, Lautréamont und Hubert Fichte, mit dem sich der Autor im Buch wie in seiner wissenschaftlichen Arbeit intensiv beschäftigt.

 

Keine leichte, aber eine lohnende Lektüre und im Jahre 2010 eine Huldigung zum 75. Geburtstag des Hamburger Schriftstellers Hubert Fichte.