Ein Museumsdirektor als „Sexualverbrecher“

 

                                                              im Räderwerk

       

                                               von Kriminalpolizei und Justiz

 

 

 

Auf den Justizfall Dr. Heinrich Mock bin ich durch Zufall gestoßen: Im Rahmen ausgedehnter Recherchen im Staatsarchiv Hamburg zu Männern, die in Hamburg Opfer der Homosexuellenverfolgung der NS-Zeit, aber auch der Nachkriegszeit, geworden waren, begegnete ich in der Strafakte des Schauspielers Heinz Kreutz dem Namen Heinrich Mock. Beide Männer hatten sich während des kurzen Engagements von Kreutz am Landestheater Altenburg kennengelernt. Da mir Altenburg in Thüringen weniger durch die Spielkartenfabrik und das Skat-Spiel als durch das Lindenau-Museum bekannt war, interessierte mich der Fall des Museumsdirektors Dr. Mock, passte doch dessen Verfolgung und Verurteilung nach § 175 StGB zu einem geplanten Vortragsprojekt, in dem es um die Verfolgung homosexueller Männer des Kulturbetriebs der NS-Zeit geht, wenn auch der Schwerpunkt meines Interesses auf Hamburg liegt.

 

Dr. Heinrich Mock war 34 Jahre alt, als sich sein Leben grundlegend änderte: 1936 starb sein Vater, und zu Weihnachten desselben Jahres geriet Mock in das Räderwerk von Kriminalpolizei und Justiz.

Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte Heinrich Mock zu den prägenden Personen des Altenburger Kulturlebens – agil, vielseitig interessiert, umtriebig, ein guter Organisator, spielte er im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine Rolle. Er scheint etwas von einem „Hans Dampf in allen Gassen“ gehabt zu haben.

 

Heinrich Mock stammte aus einer bekannten und allem Anschein nach wohlhabenden Altenburger Familie: Sein Vater Max Mock war Inhaber der Apparaturen-Firma und MetallgießereiMock & Krumsiek. Die Eltern wohnten in der repräsentativen Wittelsbacher Straße, im Haus Nr. 25. Heinrichs Bruder Gustav (*1906) war Diplom-Ingenieur und lebte mit seiner Frau Susanne unweit der elterlichen Wohnung in der Fabrikstraße 12-13. Heinrich und Gustav Mocks Schwester Dorothea liebte das Theater, spielte bei Heimatstücken als Laiendarstellerin mit, trat als Rezitatorin auf.

Ob die Familie Mock in Altenburg angesehen war, lässt sich schwer beantworten. Während Dr. Heinrich Mock weder der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen angehörte, waren seine Mutter Anna, seine Schwester Dorothea und der Bruder Gustav Mitglieder der NSDAP bzw. nationalsozialistischer Organisationen schon vor der NS-Zeit. Mocks Schwester behauptete später in einem Brief an Frau Göring und an die Gnadenabteilung der „Kanzlei des Führers“, dass die Familie Mock in  Altenburg als „alte Nazis“ verschrien sei. In beiden Briefen polemisierte sie gegen den Einfluss der Loge (d. h. der Freimaurer) in Altenburg, die ihrem Vater das Leben schwer gemacht habe, wodurch ihr Bruder Heinrich zum „Logenhasser“ geworden sei. Daraus lässt sich schließen, dass die Familie Mock nicht zur wirklich „feinen“ Altenburger Gesellschaft gehört hatte.

 

Geboren wurde Heinrich Mock am 31. August 1904 in Altenburg. Schon als Schüler interessierte er sich für bildende Kunst und begann, Graphik zu sammeln. Nach dem Abitur am Altenburger Herzogl. Ernst-Realgymnasium studierte Mock in München, Berlin und Frankfurt am Main Nationalökonomie (Volkswirtschaft) und hörte Vorlesungen bei den bekannten Kunsthistorikern Heinrich Woelfflin, August Liebmann Mayer und Hugo Kehrer sowie bei dem Theaterwissenschaftler Artur Kutscher. Doch ist Mock in künstlerischer Hinsicht wohl nie mehr als ein kenntnisreicher, ambitionierter Laie gewesen. 1928 wurde Mock von der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität zum Dr. rer. pol. promoviert. Mock wurde einer der Geschäftsführer der väterlichen Firma. Sein Hauptinteresse aber galt der Kunst – nicht im Sinne eigener künstlerischer Betätigung, sondern der Vermittlung von Kunst und der Organisation von Veranstaltungen im städtischen Kunstbetrieb. Mock engagierte sich seit 1929 im Altenburger Kunstverein; und vom 19. September 1933 an war er – gleichsam in Personalunion – ehrenamtlich Direktor des renommierten Lindenau-Museums, in dem er den „Grundstock für eine Graphische Sammlung unter Einbeziehung der Köhler- und Hermann-Anders-Krüger-Stiftung“ (1) legte. Die Mitgliederzahl des Kunstvereins stieg unter Mocks Leitung erheblich an. Mocks Ausstellungstätigkeit, die von ihm initiierten Vorträge sowie die auf seine Initiative hin durchgeführten Veranstaltungen zwischen 1933 und 1936, über die eine Zusammenstellung des Altenburger Archivars und Bibliothekars Walter Grünert Auskunft gibt (2), sind imponierend. Mögen auch die „Olympische Feierstunde“ (1936), die Feierstunde „Kunst im Heim“ (1936), der Vortrag mit dem Titel „Wesenbedingendes nordischer Länder“ (1936), eine Veranstaltung mit Börries Freiherr von Münchhausen, Erika von Watzdorf-Bachoff, Ilse Drewes (1934) den ideologischen Vorgaben und dem Zeitgeschmack entsprechen – Ausstellungen über die Passion Christi (1933) oder solche mit Werken von Gabriele Münter (1935), Emil Nolde (1935) oder Hans Grundig (1934) sowie Ankäufe von Bildern von Gabriele Münter, Hans Grundig und Max Pechstein (1935) lagen eher an der Grenze des Erwünschten.

 

Mock interessierte sich darüber hinaus für das Berufs- und Laientheater, für Heimatspiele und für die Errichtung von Heimatmuseen. Er hatte Interesse am Tanz, veranstaltete Leseabende und Teestunden und nahm an den geselligen Abenden der Altenburger Gesellschaft teil. Seine Wohnung befand sich zunächst auf einem väterlichen Grundstück in Kauerndorf, später im Kastellangebäude des Schlosses.

 

All das – Mocks gesellschaftliches Leben und seine Arbeit für die Altenburger und darüber hinaus sächsische und thüringische Kunst- und Kulturszene endete abrupt Ende Dezember 1936. Hiervon handelt der Hauptteil dieses Aufsatzes.

 

Mock überlebte die Zeit zwischen Dezember 1936 und der deutschen Kapitulation im Mai 1945.

Nach dem Krieg und der Enteignung der väterlichen Fabrik gründete Mock 1946 in Altenburg einen Graphik-Verlag, der  - 1949 verkauft – als Abteilung „Graphik-Verlag Dr. Heinrich Mock im Thüringer Volksverlag“ Weimar und 1953 im Dresdener „Verlag der Kunst“ (jeweils unter Mocks Leitung) aufging. 1955 wechselte Mock als stellvertretender Direktor des Staatlichen Kunsthandels der DDR von Dresden nach (Ost)Berlin. 1959 verließ er die DDR, nachdem er einen großen Teil seiner eigenen Graphiksammlung nach West-Berlin hatte transferieren können.

Nach schwerer Anfangszeit gelang es Mock, sich in München eine Existenz aufzubauen. 1961 gründete er den „Verlag Graphikum“. Er wurde „Lehrer an der Deutschen Meisterschule für Mode“ und an der Volkshochschule; Mock organisierte Ausstellungen und hielt Vorträge. In seinem Todesjahr wurde die „Stiftung Dr. Heinrich Mock“ an der Ostdeutschen Galerie Regensburg gegründet.

Mock starb am 25. September 1984 – knapp vier Wochen nach seinem 80. Geburtstag (3).

 

Altenburg war 1936 ein übersichtlicher Ort. Die Menschen der Gesellschaftsschicht, zu der Dr. Mock gehörte, kannten sich, begegneten sich allenthalben, konnten sich kaum ausweichen. Das förderte Klatsch und Tratsch. In dieser Hinsicht bietet die Strafsache Mock geradezu ein Psychogramm der ehemaligen Residenzstadt Altenburg.

Abweichendes Verhalten von dem, was man für bürgerlich anständig hielt, wurde eifrig beredet. Die Gerüchteküche brodelte: die Frau eines Rechtsanwalts wurde von „angesehenen Bürgern“ (so Kriminalsekretär Beer) wegen angeblicher außerehelicher Eskapaden als „Vose“ und „größtes Schwein von Altenburg“ bezeichnet. Über einen Prokuristen hieß es, dass er seine Sekretärin nicht nur nackt gemalt habe (weswegen ihm gekündigt wurde), sondern dass er sich von ihr auch schlagen lasse, um sexuell erregt zu werden. Andere wollten wissen, dass er es war, der zuschlug. Ein unverheirateter Mann über 30 Jahre ohne Frauenaffären? – der konnte doch nur schwul sein! Und auf Grund eines Gerüchtes, dass in einer Wohnung zwei Gäste miteinander sexuell verkehrt hätten, wurde von der Kriminalpolizei flugs vermutet, der Gastgeber habe gegen den Kuppeleiparagraphen 180 StGB verstoßen, was langwierige Ermittlungen zur Folge hatte.

 

Was Mock anbelangt, galt er in Altenburg als „homosexuell“, als „schwul“, als „warmer Bruder“. Dass dies so sei, wurde von allen möglichen Leuten behauptet, die sich ihrerseits u. a. auf entferntere und engere Verwandte Mocks, z. B. auf seine Geschwister, beriefen. Den Ursprung dieser Gerüchte konnte trotz aller Bemühungen auch die Kriminalpolizei nicht ausfindig machen. Jeder hatte davon gehört – aber von wem, das wusste niemand zu sagen oder wollte niemand mitteilen. Tierarzt Dr. Hahne äußerte, dass er wegen Mocks Homosexualität die Veranstaltungen des Kunstvereins nicht besuche – andere Altenburger verhielten sich genau so, behauptete er.

Dennoch: Bis Ende Dezember 1936 hatten Altenburger Bürger nicht nur Dr. Mock, sondern auch andere stadtweit vermutete Homosexuelle wie den Arzt Dr. Erich Bonde, der seit einem Jahrzehnt mit einem Mann zusammenlebte, nicht wegen homosexueller Handlungen denunziert.

 

Es fällt auf, wie arg- und sorglos zu Beginn der NS-Zeit sich viele gleichgeschlechtlich begehrende Männer verhalten haben. So fanden bei Dr. Bonde nach wie vor Herrenabende statt, an denen Männer miteinander tanzten. In diesem Zusammenhang kann durchaus von der Existenz eines „Privatklubs“ gesprochen werden.

In dem 1931 gegründeten „Theater-Café“ gegenüber dem Landestheater scheinen sich mehr oder weniger offen schwule Männer mit Schauspielern getroffen zu haben.

Und auch eine Strichjungenszene gab es – oder zumindest junge Männer, die sich für sexuelle Leistungen bezahlen ließen.

So manche Altenburger fuhr darüber hinaus nach Leipzig, um einschlägige Kontakte zu suchen. Das dortige homosexuelle Leben scheint demjenigen in Berlin oder Hamburg nicht nachgestanden zu haben.

 

Was die strafrechtliche Relevanz gleichgeschlechtlicher Handlungen anbelangt, so glaubten zahlreiche junge Männer auch noch nach Inkrafttreten des neuen § 175 im Jahre 1935, dass nur beischlafähnliche Handlungen strafbar seien, und gaben bereitwillig wechselseitige Onanie zu. Andere waren der Ansicht, dass vor 1933 homosexuelle Kontakte weitgehend straffrei waren und gestanden Schenkel- oder Oralverkehr.

 

Anhand der Akten ist eine für heutige Forscher kaum nachvollziehbare und nicht zu verstehende Naivität bei vielen Betroffenen zu konstatieren – das gilt nach den Recherchen von Alexander Zinn insbesondere für den Meuselwitzer Kreis um Rudolf Brazda, aber ebenso für die Altenburger Szene, wenn auch Mock seit 1934 allem Anschein nach angefangen hatte, vorsichtiger zu agieren, und darauf achtete, dass junge Männer ihn nicht mehr alleine besuchten.

 

Der erste Schlag gegen Mock wurde nicht aus Altenburg geführt, sondern kam von außen und für Mock vermutlich von unerwarteter Seite: Am 21. Dezember 1936 war in Weimar der Oberregierungsrat Rudolf Herfurth (*1892 in Kahla) unter dem Vorwurf, gegen § 175a Ziffer 3 verstoßen zu haben, festgenommen worden. Woher die Weimarer Kriminalpolizei wusste, dass Herfurth und Mock befreundet waren, lässt sich nur aus der Akte Herfurth klären, die mir nicht zugänglich war. Vermutlich hatte die Kripo bei der Durchsuchung von Herfurths Wohnung Briefe Mocks gefunden, denn Herfurth hatte während seiner ersten Vernehmungen Mock nachweisbar nicht als Partner sexueller Handlungen genannt. Wie auch immer – die Weimarer Kriminalpolizei verdächtigte Herfurth, homosexuelle Beziehungen zu Mock unterhalten zu haben, und bat ihre Altenburger Kollegen, Mock im Rahmen der Amtshilfe zu vernehmen. Dies geschah schon am 29. Dezember 1936 durch Kriminalsekretär Beer. Mock gab in der Sache nichts zu; er leugnete, homosexuell zu sein oder sich homosexuell betätigt zu haben. Darüber hinaus entlastete er Herfurth, indem er von dessen Beziehungen zu Frauen berichtete. Beer Fazit lautete: „Obwohl ich Dr. Mock sowohl vor als während und nach der Vernehmung zur Aussage der Wahrheit ermahnte, blieb er dabei, weder homosexuell veranlagt zu sein, noch sich als solcher betätigt zu haben. Ein gegenteiliger Beweis konnte nicht erbracht werden“.

Doch Beer war ein erfahrener und hartnäckiger Ermittler. Ihm fiel auf, dass Mock bei der Vernehmung „sichtlich verlegen und innerlich erregt“ reagierte. Hatten sich zurzeit auch keine Beweise dafür erbringen lassen, dass „Dr. Mock hier Verkehr mit jungen Männern unterhalten hat“ – Beer war davon überzeugt, Mock überführen zu können. Dazu waren ihm alle Mittel recht. Er hielt Mock für einen Schwulen, wie Beers Charakteristik des Museumsdirektor belegt: „Auch das Benehmen des Dr. Mock, dessen Gang und Haltung lassen den Schluss zu, dass man es mit einer homosexuell veranlagten Person zu tun hat. Gang, Haltung und Gesichtsausdruck sind die eines Weibes“. Ein weiteres Indiz für Mocks Homosexualität war für den Kriminalbeamten, dass Mock ein „richtiggehendes Junggesellenleben“ in einer Zweizimmerwohnung führe, obwohl in der Wohnung seiner Mutter genügend Platz vorhanden sei. Das ist ein Argument, das in einer Zeit, in der Siebzehn- oder Achtzehnjährige von zu Hause ausziehen und sich eine eigene Wohnung nehmen, absurd erscheint, in der Lebenswirklichkeit der 1930er Jahre aber viele überzeugte, lebten doch damals unverheiratete Männer und Frauen schon wegen Wohnungsmangels oftmals bei ihren Eltern oder höchstens bei einer Zimmerwirtin zur Untermiete. Allerdings berücksichtigte Beer nicht, aus welcher Gesellschaftsschicht Mock stammte, und dass er sich bei einem monatlichen Einkommen von 320,- RM plus 50,- RM Aufwandsentschädigung als ehrenamtlicher Museumsleiter und der damaligen Einkommens- und Preisstruktur eine eigene Wohnung ohne Schwierigkeiten leisten konnte.

 

Während einer ersten Durchsuchung von Mocks Wohnung war nichts Belastendes gefunden worden. Deshalb bat die Oberstaatsanwaltschaft bei dem Landgericht Weimar die Altenburger Kriminalpolizei am 8. Januar 1937, auch Mocks Arbeitsräume im Lindenau-Museum, in der väterlichen Fabrik und im Elternhaus zu durchsuchen. Diesem Wunsch wurde am 18. und 19. Januar entsprochen. Während in Mocks Büro in der väterlichen Fabrik und in seinem Dienstzimmer im Lindenau-Museum nichts von Belang gefunden wurde, fiel der Altenburger Kriminalpolizei bei einer zweiten gründlicheren Visitation der Wohnung reichhaltiges Material in die Hände, das als kompromittierend interpretiert werden konnte: zahlreiche Briefe, Tagebücher, ein Notiz- und  (vor allem) ein Gästebuch.

Auf Grund des beschlagnahmten Materials wurden alle darin erwähnten Personen befragt, gleichgültig, ob sie mit Mock in dienstlicher, gesellschaftlicher oder persönlicher Verbindung gestanden hatten – es genügte, in  den Briefen genannt zu sein oder im Notiz- und Gästebuch erwähnt zu werden. So manche dieser „Kontaktpersonen“ kannte Mock nur oberflächlich und wusste über seine persönlichen Angelegenheiten oder gar seine sexuelle Orientierung nichts zu sagen. Andere, insbesondere diejenigen, die in Altenburg lebten, gaben die Gerüchte wieder, die über Mock im Umlauf waren. Niemand aber beschuldigte ihn konkreter homosexueller Handlungen. Dies gilt auch für den Oberhausmeister des Lindenau-Museums Ernst Hecker, der in der Literatur gemeinhin für die Verhaftung Mocks verantwortlich gemacht wird (4). Ursache der Altenburger Ermittlungen gegen Mock ist jedoch ausschließlich die Verhaftung des Weimarer Oberregierungsrates Herfurth und die Bitte der Weimarer Kriminalpolizei um Amtshilfe. Dass Mock über kurz oder lang wegen Verstoßes gegen § 175 StGB belangt worden wäre, ist wahrscheinlich, hat aber mit den Ereignissen des Dezembers 1936 ursächlich nichts zu tun.

 

Wenn die Vernehmungen Dutzender Männer zunächst nicht den von der Kripo gewünschten Erfolg hatten, so ergaben sie doch Teile eines Puzzles, das nach und nach zu einem Ganzen zusammengesetzt und für Mock  - und auch andere – gefährlich werden konnte. Hierzu gehörte die Mitteilung zweier junger Männer, die ins Visier des Kriminalsekretärs Beer geraten waren, dass Mock sie schon 1934 gebeten hatte, „sie möchten ihn nicht mehr allein in seiner Wohnung besuchen, da er in Verdacht stände homosexuellen Verkehr zu jungen Männern zu unterhalten“. Mock muss sich also bedroht gefühlt haben. Und das ist wenig erstaunlich, hatte er doch vermutlich (trotz aller Naivität und Illusionen) durchaus  die Zeichen der Zeit verstanden und die zunehmende Verfolgung der Homosexuellen wahrgenommen.

 

Die Befragung des Oberhausmeisters Hecker am 3. Januar 1937 ergab keine konkreten Hinweise auf gleichgeschlechtliche Handlungen Mocks, lieferte Beer aber weitere und letzten Endes zielführende Puzzlesteine: „Ob Dr. Mock homosexuell veranlagt ist und er homosexuellen Verkehr mit jungen Männern unterhalten hat, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass immer viel junge Männer schon seit Jahren zu Dr. Mock in dessen Dienstzimmer nach dem Museum gekommen sind. Was in dem Dienstzimmer des Dr. Mock vor sich gegangen ist, weiß ich nicht“, heißt es im Vernehmungsprotokoll. Doch nannte Hecker sechs Namen und berichtete, dass einer dieser jungen Männer von einem Dritten als „warmer Bruder“ bezeichnet worden sei. Hecker betonte, „das Gerücht, dass Dr. Mock verdächtig sei, homosexuellen Verkehr mit jungen Männern zu unterhalten, stammt nicht von mir. Ich streite jedoch nicht ab, dass ich diesem und jenem gegenüber geäußert habe, dass es auffallend sei, dass immer viele junge Männer zu Dr. Mock ins Museum nach dessem [!] Dienstzimmer kommen“. In diesem Zusammenhang weist er auf einen Arzt und einen Tierarzt hin, mit denen er über dieses Thema gesprochen habe.

Ohne von Beer vorgeladen worden zu sein, erschien Hecker fünf Tage später erneut bei der Kripo und berichtete von Altenburger Klatsch über Mock, wobei er die Namen zweier Jugendlicher nannte, die auffällig oft bei Mock im Lindenau-Museum gewesen seien. Wieder nichts Konkretes im Sinne der Ermittlungen, aber wieder zwei Puzzleelemente mehr. Am selben Tag, dem 8. Januar 1937, wurde auch Heckers Frau von Kriminalsekretär Beer befragt. Sie gab ähnliche Auskünfte wie ihr Mann und nannte weitere Namen.

 

Deutlich ist, dass das Hausmeister-Ehepaar Mock anschwärzen und schaden wollte, ohne aber handfeste Beweise zu besitzen. Was die Ursachen der Missgunst der Heckers anbelangt, gibt einerseits ein Brief des Bildhauers, Malers und Graphikers Erich Dietz (1903-1990) zu Mocks 70. Geburtstag Auskunft. In ihm heißt es: „Altenburg hatte einen hochherzigen Stifter, Bernhard August von Lindenau, welcher seine Kunstsammlung im vorigen Jahrhundert Altenburg übergab…Als Leitwort hatte Lindenau: 'Die Jugend zu belehren, das Alter zu erfreuen'. Aber nach seinem Tod wurde Ruhe in den Sälen; für den Hausmeister zur Freude und zur Belehrung reichte es bei vielen in Altenburg lebenden und bestimmenden Geistern nicht weit. Der gute Wille des sehr energischen Hausmeisters bestimmte die Besichtigungszeiten des Hauses und der Staubwedel liess auf den Abgüssen unerwünschte 'Schatten' spielen. Das ganze Museum wirkte wie erstarrt…“ (5). Kein Wunder also, wenn es zwischen dem umtriebigen Dr. Mock und  diesem Hausmeister zu Konflikten gekommen ist. Und andererseits vermerkte Ruth Gleisberg in der Chronik des Lindenau-Museums zum Jahr 1935: Hausmeister E. Hecker bezichtigt W. Grünert der 'nicht nationalsozialistischen Zuverlässigkeit'“. Mock habe daraufhin beim Minister für Volksbildung in Weimar die Beurlaubung Heckers erreicht. Diese scheint aber wieder aufgehoben worden zu sein, denn die Strafakte Mock spricht nur vom Oberhausmeister Hecker. Seine Beurlaubung aber wird ihn zu Mocks Intimfeind gemacht haben.

 

Andererseits: Die Äußerungen mehrerer Altenburger Frauen und Männer – inklusive Verwandter – über Mock unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von denen des Ehepaars Hecker. Mock wurde als „schwules Paket“, als „Schwuler Bruder“, als bekanntermaßen „schwul“ und „warm“ bezeichnet.

Auf welchem Niveau sich so manche Aussage bewegte, belegt diejenige eines 53 Jahre alten Steuerassistenten über einen der Jugendlichen, die Mock besucht hatten: Er habe von der Schwester dieses jungen Mannes erfahren, dass dieser einem Orden beitreten wolle. Da nun „neuerdings allgemein bekannt geworden ist, wie es in solchen Ordensbündnissen zugegangen ist, vermute ich [,] dass K[…] ebenfalls homosexuell veranlagt ist und er nur deshalb einem Ordensbruder hat beitreten wollen, um sich mit den Ordensbrüdern homosexuell betätigen zu können“.

Doch gab es auch sachliche Einlassungen und solche, die Mock bewusst schützen oder die ihm zumindest nicht eins auswischen wollten.

 

Obwohl Mocks Mutter gegen ihn Räumungsklage geführt hatte und er auf die Familie Mock nicht gut zu sprechen war, vermied der Tischler und ehemalige Hausmeister auf dem Mock’schen Grundstück in Kauerndorf Walter Adam jede belastende Äußerung. Dass es in Mocks Wohnung immer liederlich ausgesehen habe, ist schon seine unfreundlichste Bemerkung - sie steht im Zusammenhang mit der Beobachtung, dass er „unzüchtige Bilder, Schriften und dergleichen…bei Dr. Mock nicht gesehen“ habe.

Albin Lindig, Geschäftsführer der Firma Mock, sagte, er habe erstmals von dem Gerücht über Mock gehört, „als seinerzeit der S. A. Führer Röhm erschossen wurde“. Diese Datierung des Gerüchts über Mock entspricht derjenigen in der Aussage, die der Maler Ernst Müller-Gräfe (1879-1954), der während der NS-Zeit als entarteter Künstler galt, am 8. Januar 1938 gegenüber Kriminalsekretär Beer machte. Darin heißt es: „Kurz nachdem Dr. Mock Museumsdirektor vom hiesigen Lindenau-Museum geworden war, ist mir zu Ohren gekommen, dass das Gerücht in der Stadt verbreitet sei, Dr. Mock unterhalte unerlaubten Verkehr mit jungen Männern. Durch wen ich dies erfahren habe, weiß ich heute nicht mehr, da dies schon 3 Jahre her ist. Ich habe Dr. Mock damals hierüber zur Rede gestellt und ihn gewarnt. Er hat mir versichert, dass er keinen unerlaubten Verkehr mit jungen Männern pflege. Ob an dem Gerücht wirklich etwas Wahres ist, weiß ich nicht. Ich kann mir dies bald gar nicht denken“.

Mock und Müler-Gräfe müssen sich häufig begegnet sein, waren sie doch Nachbarn mit ihren Wohnungen im Kastellanhaus des Schlosses bzw. im Schlossgarten.

 

Aufgrund des Faktums, dass in Dr. Mocks Kauerndorfer Wohnung auch ein Mann und eine Frau der Altenburger Gesellschaft zu Besuch gewesen waren, die in einem ehebrecherischen sadomasochistischen Verhältnis zueinander standen, verdächtigte Beer am 15. Januar Mock nicht nur, ebenfalls an sadomasochistischen Handlungen beteiligt gewesen zu sein, sondern unterstellte ihm auch, sich möglicherweise als Kuppler betätigt zu haben – und Kuppelei war nach den Paragraphen 180 und 181 des Strafgesetzbuches strafbar.

 

Bis zum 15. Januar waren die Ermittlungen gegen Mock mit immer denselben Verdächtigungen und Vermutungen nicht von der Stelle gekommen. Am 17. 1. aber kam ein neues Puzzleelement hinzu, das Mock gefährlich werden sollte. Es sei bekannt geworden, notierte Beer, „dass Dr. Mock auch mit einem homosexuell veranlagten Herrn vom hiesigen Landestheater verkehrt sein soll. Hierzu wird folgendes bemerkt: Über alle diejenigen Personen, die sich homosexuell betätigt haben und die in Verdacht stehen, homosexuell veranlagt zu sein, wird hier namentliche Liste geführt, die in der hier ergangenen Akte 'Päderasten' enthalten ist“. Diese Liste enthält u. a. einen Opernsänger, einen Schauspieler, einen Kapellmeister und einen ehemaligen Sänger. Ob es zwischen diesen Personen und Mock sexuelle Kontakte gegeben hat, könne „zur Zeit noch nicht gesagt werden“.  - Die weiteren Ermittlungen sollten zeigen, dass es zwischen dem auf der Liste unter Nr. 23 aufgeführten Schauspieler, dem aus Hamburg stammenden Heinz Kreutz, und Mock tatsächlich eine kurze Affäre gegeben hatte, von der Beer allerdings noch nichts wusste.

 

Beer riss der Geduldsfaden: Am 18. Januar 1937 ließ er Mock um 7.00 Uhr morgens „von seiner Wohnung weg durch einen Beamten des II. Polizeireviers der Kriminalabteilung“ zuführen, wo er ihn erneut verhörte. Mocks Erklärung, weder homosexuell veranlagt zu sein, noch sich gleichgeschlechtlich oder als Masochist bzw. Sadist betätigt zu haben, beeindruckte Beer nicht, der das Verhör folgendermaßen zusammenfasste: „Dr. Mock war zu einem Geständnis nicht zu bewegen. Da er nach wie vor dringend verdächtig ist, sich nach §§ 175, 175a und 180 StGB strafbar gemacht zu haben und da zurzeit noch Verdunklungsgefahr besteht, wird Dr. Mock dem Amtsgericht zugeführt. Es empfiehlt sich gegen Dr. Mock Haftbefehl zu erlassen“.

Doch dazu war der zuständige Amtsgerichtsrat Jacobs nicht bereit, sondern entließ Dr. Mock abends um 19.30 Uhr mit folgender Begründung: „Soweit dem Beschuldigten Verbrechen nach § 175a  R. Str. G.B und Vergehen nach § 180 R. Str. G. B. vorgeworfen werden, besteht kein dringender Tatverdacht. Wenn wegen des Vergehens nach § 175 R. Str. G. B.  auch dringender Tatverdacht vorläge, fehlte es doch an einem Haftgrund. Verdunklungsgefahr scheidet schon deshalb aus, weil der Beschuldigte bereits seit dem 29. Dezember 1936 weiß, was ihm zur Last gelegt wird und deshalb ausreichend Zeit gehabt hat, zu verdunkeln, wenn er das wollte. Fluchtverdacht liegt nicht vor. Deshalb ist kein Haftbefehl erlassen worden“.

 

Beer und der „Staatsanwaltsrat“ Semm ließen nicht locker. Die Briefe, die bei der Hausdurchsuchung gefunden worden waren, ließen Beers Ansicht nach „klar erkennen…, dass Dr. Mock schon seit Jahren homosexuell veranlagt ist und er sich auch als solcher [sic] betätigt hat.“. Wenn auch zugegebenermaßen nur wenige dieser Briefe in der Zwischenzeit hatten ausgewertet werden können, erteilte Semm am 20. Januar Kriminalsekretär Beer den „mündlichen Befehl“, Mock erneut zu vernehmen und Amtsgerichtsrat Jacobs zuzuführen, damit dieser nach § 112 StPO Haftbefehl erlasse. Dies sollte am folgenden Tag, dem 21. Januar, geschehen.

Da Jacobs sich präzise nach den Vorgaben des § 12 der Strafprozessordnung richtete, soll der erste Absatz dieses Paragraphen in der Fassung vom 28. Juni 1935 zitiert werden: „Der Angeschuldigte darf nur dann in Untersuchungshaft genommen werden, wenn dringende Verdachtsgründe gegen ihn vorhanden sind und entweder er der Flucht verdächtig ist oder Tatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß er Spuren der Rat vernichten oder daß er Zeugen oder Mitschuldige zu einer falschen Aussage oder Zeugen dazu verleiten werde, sich der Zeugnispflicht zu entziehen, oder daß er die Freiheit zu neuen strafbaren Handlungen mißbrauchen werde oder wenn es mit Rücksicht auf die Schwere der Tat und die durch sie hervorgerufene Erregung in der Öffentlichkeit nicht erträglich wäre, den Angeschuldigten in Freiheit zu lassen. Diese Tatsachen sind aktenkundig zu machen“.

Jacobs berief sich bei seiner Entscheidung am 21. Januar, dem Wunsch von Kripo und Staatsanwaltschaft nicht zu folgen, auf seine Begründung der Haftentlassung Mocks am 18. 1. 1937 und fügte hinzu: „Was…als Haftgründe angeführt ist, schlägt nicht durch. Die 'Erregung der Öffentlichkeit' ist weder gerichtsbekannt, noch aktenkundig gemacht. Es ist auch nicht anzunehmen, daß der Beschuldigte unter dem Eindruck des gegen ihn anhängigen Verfahrens weitere Straftaten nach § 175 R. Str. G. B. begehen wird“, Um 13,28 Uhr wurde Mock nach Hause entlassen.

 

Aus Hamburger Perspektive ist diese zweimalige Verweigerung eines von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft für notwendig gehaltenen und geforderten Haftbefehls erstaunlich. Unter Hunderten Hamburger Fällen ist dies ein einziges Mal durch den Altonaer Amtsgerichtsrat Freiherr von Seydlitz-Kurzbach im Fall Hellwig geschehen, dessen Ablehnung eines Haftbefehls kurz darauf von einem willfährigen Richter rückgängig gemacht wurde. Doch auch in Altenburg gaben die Ermittlungsinstanzen nicht klein bei. Bis Mitte Februar 1937 aber ist Mock nicht noch einmal verhört worden. Allerdings war dies nichts anderes als die Ruhe vor dem Sturm, der sein Leben völlig umkrempeln sollte, denn inzwischen hatte sich Mocks Situation entscheidend verschlechtert – und zwar nicht durch Beers Ermittlungen in Altenburg, sondern durch  die Weiterentwicklung des Weimarer Falles Herfurth. Hatte Oberregierungsrat Herfurth noch am 28. Januar sexuelle Handlungen mit Mock entschieden bestritten, gab er sie während seiner Vernehmung am 8. Februar zu, nachdem ihm dies von seinem Anwalt geraten worden war.

 

Mock bestätigte Herfurths Angaben am 13. Februar vor Amtsgerichtsrat Jacobs, der daraufhin Haftbefehl erließ. Mocks Beschwerde dagegen wurde am selben Tag von der 2. Strafkammer des Landgerichts Altenburg kostenpflichtig abgewiesen.

 

Unabhängig davon, was Dr. Mock zugab oder bestritt – die Ermittlungen gegen ihn liefen während der folgenden Wochen und Monate auf Hochtouren und beschränkten sich nicht auf Altenburg. Als Ergebnis der zahlreichen Befragungen tauchten im Schneeballsystem immer weitere Namen von tatsächlichen oder auch angeblichen Kontaktpersonen auf. Im Rahmen der Amtshilfe wurden auf Bitten der Altenburger Kripo Vernehmungen in Bautzen, Berlin, Bielefeld, Cottbus, Dresden, Erfurt, Hamburg, Jena, Karlsruhe, Kohren-Salis, Leipzig, Oberhof, Zittau und von unterschiedlichen Dienststellen der Wehrmachtsjustiz vorgenommen.

 

Die befragten Personen waren entweder junge Männer, die als Schüler Mock begegnet und nun Studenten, Lehrlinge oder Soldaten waren, oder aber Angehörige des Bildungsbürgertums, freier Berufe oder des Adels. Namentlich genannt seien hier nur einige dieser befragten oder verhörten Personen:

 

Der Altenburger Arzt Dr. Erich Bonde (*1895), gegen den wie gegen Mock ein Schauprozess geführt werden sollte.

 

Schriftleiter Rudolf Brendemühl (*1906) mit dem recht hohen Monatseinkommen von 425,- RM.

 

Kammerherr Hanns von Einsiedel auf Gnandstein (1878-1958). Über v. Einsiedel waren ähnliche Gerüchte im Umlauf wie über Dr. Bonde und Mock. In einer Vernehmung am 5. August gab er gleichgeschlechtliche Kontakte vor Inkrafttreten des verschärften § 175 StGB zu. Hanns von Einsiedel wurde verhaftet und in Leipzig verurteilt.

 

Der in Altenburg als Bildhauer und Schöpfer des „Grünen Wenzel“ bekannte Bildhauer Johannes Dietze (*1903), der - wie Müller-Gräfe – Dr. Mock wegen der umlaufenden Gerüchte angesprochen bzw. zur Rede gestellt hatte.

 

Der Optiker Rudolf Hofmann (1907-1986). Hofmann wurde 1936 in Leipzig wegen homosexueller Handlungen zu 18 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Hofmann war Mitbegründer der Heimatbühne Kohren, deren erfolgreicher Spielleiter er bis 1934 sowie von 1946 bis 1953 gewesen ist. Hofmann und seine Frau trugen eine volkskundliche Sammlung zusammen, die sie zusammen mit ihrem Wohnhaus noch zu Lebzeiten der Stadt Kohren-Salis vermachten. Mock und Hofmann hatten sich 1934 getroffen, um über Heimatspiele auf Burg Gnandstein und über die Errichtung eines Heimatmuseums zu beraten.

 

Werner Köhler, der am 31. 12. 1936 und am 14.3.1937 im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Mock verhört und von dem Steuerassistenten Franz Kaufmann als „warmer Bruder“ denunziert worden war. Köhler gratulierte Mock als seinem Lehrer 1984 herzlich zum 80. Geburtstag. In dem Band Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde wird Köhler als Angestellter, Sammler und Maler aus Leipzig vorgestellt (6).

 

Der Dramaturg und Schauspieler Albin Oestreich (* 1908 in Neisse), der von Kreutz in der Hamburger Vernehmung als homosexuell bezeichnet wurde.

 

Der Hauptmann a. D. Helmuth Otto Walrat von Wangenheim (*1889 Altona), der als Homosexueller – im damaligen Sprachgebrauch: Päderast – der Kriminalpolizei und Justiz bekannt war.

 

Niemand von ihnen belastete Mock; einige versuchten, ihn zu entlasten. So erklärte der Bildhauer Dietze, „in der letzten Zeit glaubte ich, dass er nicht homosexuell veranlagt ist, da er regen Verkehr“ mit einer geschiedenen Frau „pflegte“.

Und eine Altenburger Gymnastik- und Tanzlehrerin sagte gegenüber Beer, sie sei erstaunt gewesen, „als ich hörte, dass Dr. Mock wegen anormaler Geschlechtsbetätigung verhaftet worden ist. Eine abnorme Veranlagung habe ich…nicht wahrnehmen können“.

 

Einem Verkehrsdirektor langte es. Er wies nach einer Notiz des Kriminalsekretärs Beer „die Unterstellung, dass ich zu Dr. Mock unerlaubte Beziehungen gehabt haben soll, …als unerhörte Beleidigung zurück. Für sie fehlt jede Grundlage…Wenn ich gewusst hätte, dass Dr. Mock homosexuell veranlagt ist, hätte ich keine Verbindung zu ihm aufgenommen…Ich werde gegen die Art und Weise, wie man hier Untersuchungen zu führen beliebt, Beschwerde erheben“. Ob er dies getan hat, ließ sich nicht feststellen, doch zeigt diese Bemerkung, auf welche impertinente und wohl auch unhöfliche oder brutale Art und Weise Beer seine Vermittlungen führte.

 

Während die Altenburger Kriminalpolizei alle Personen, die Kontakt zu Mock hatten, befragte oder anderenorts vernehmen ließ, entschieden die Staatsanwaltschaften in Weimar und Altenburg am 23. und 25. Februar, die gleichgeschlechtlichen Handlung en zwischen Mock und Herfurth in Weimar, alle anderen Fälle, die Mock betrafen, in Altenburg zu verfolgen. Da das Verfahren gegen Herfurth und Mock durch deren Geständnis spruchreif waren, fand der Prozess gegen die beiden Männer am 25. März 1937 statt. Das Urteil der 1. Strafkammer des Landgerichts Weimar lautete für Mock 8 Monate Gefängnis.

Mock stellte daraufhin den Antrag, die Weimarer Strafe während der vom Amtsgericht Altenburg verhängten Untersuchungshaft verbüßen zu können. Hierüber informierte am 15. April die Staatsanwaltschaft Weimar die Altenburger Kollegen und bat um Auskunft, ob dies zweckmäßig sei. Oberstaatsanwalt Dr. Leupold stimmte dem recht ungewöhnlichen Verlangen und Verfahren zu und antwortete am 19. April: „Ich bin damit einverstanden, daß die gegen den Museumsdirektor Dr. Mock durch Urteil vom 25. März 1937 rechtskräftig verhängte Strafe von 8 Monaten Gefängnis vollstreckt wird, während gegen Dr. Mock hier die Untersuchungen laufen. Die Ermittlungen gegen Dr. Mock sind  noch nicht abgeschlossen und werden vermutlich auch noch längere Zeit andauern, da Mock nur das zugibt, dessen er einwandfrei überführt werden kann. Das sind bisher 2 weitere Fälle. Dagegen liegt in verschiedenen anderen Fällen das Ermittlungsergebnis noch nicht eindeutig vor. Darum halte ich es für zweckmäßig, die Strafe im hiesigen Bezirksgefängnis zu vollstrecken“, was ab 27. April 1937, 10.50 Uhr geschah. Leupolds Schreiben ist in zweierlei Hinsicht interessant – einerseits erwähnt es, dass sich die Ermittlungen schwierig gestalteten, weil Mock nicht kooperationsbereit sei, andererseits wird von zwei weiteren Fällen (über den Weimarer Vorgang Herfurth hinaus) gesprochen.

Was war in der Zwischenzeit geschehen?

Am 18. Februar 1937 hatte die Staatspolizeileitstelle für den Landesbezirk Berlin die Gestapo der Staatspolizeileitstelle Hamburg gebeten, den Schauspieler Heinz Kreutz zu vernehmen „und den Vorgang direkt an den Herrn Oberstaatsanwalt in Altenburg weiter zu leiten“.

Daraufhin wurde Kreutz, der sich auf Genesungsurlaub in Hamburg aufhielt, am 25. Februar 1937 festgenommen und am folgenden Tag verhört. Dabei ging es um zahlreiche gleichgeschlechtliche Vorgänge in Altenburg, wo Kreutz 1933 am Landestheater engagiert war, in Elbing, wo er anschließend ein Engagement hatte, und nicht zuletzt in Hamburg. Bei Kreutz’ Befragung spielte Mock zunächst keine Rolle. Doch bezeichnete ihn Kreutz am 26. Februar 1937 als einen seiner  zahlreichen Partner. Mock habe seine Bekanntschaft gesucht, nachdem er ihm im Schauspiel Schlageter (7) positiv aufgefallen sei. Mit Mock habe es nur eine einzige sexuelle Begegnung gegeben. Diese schilderte Kreutz ausführlich. Seine Darstellung ist für den Museumsdirektor recht despektierlich, lässt aber den Menschen Mock plastischer hervortreten: „Den Museumsdirektor Mock kenne ich auch. Die Bekanntschaft machte ich im Jahre 1933 [,] und zwar durch einen Kollegen, der in einer Probe zu mir sagte, Dr. Mock habe mich im 'Schlageter' auf der Bühne gesehen. Ich war ihm in künstlerischer Hinsicht aufgefallen. Der Kollege bestellte mir eine Einladung von Dr. Mock. Zu diesem Zwecke ging ich dann am kommenden Sonntag (es muß Nov. 33 gewesen sein) ins Museum zu Dir. Mock. Es geschah an diesem Tage nichts. Später lud mich Dr. Mock ins Kaffee [!]. Er bezahlte die Zeche. Danach bin ich einige Zeit später bei Dr. Mock auf dessen Einladung in seiner Wohnung gewesen. Wir tranken Rotwein zusammen, assen auch etwas dazu und kamen etwas in animierte Stimmung“. Man kam sich näher, obwohl Mock dem Schauspieler nicht sympathisch war – er sei nicht sein Typ gewesen. „Plötzlich erhob sich Dr. Mock, stand auf, um in ein anderes Zimmer zu gehen. Er kam nach kurzer Zeit wieder und hatte sich ein Kleid mit einer Schleppe (Ballkleid) angezogen. Er drehte den [!] Grammophon auf, tanzte nach der Musik vor mir und umarmte mich unter Küssen. Er kam mir lächerlich vor[,] und so war ich dicht davor, durch diese merkwürdige Szene angewidert, zu gehen. Dr. Mock hielt mich zurück. Er tat mir leid, ich blieb daher“. Daraufhin kam es zu sexuellen Handlungen. „Dr. Mock hat mich eingeladen, ihn wieder zu besuchen, doch habe ich davon niemals Gebrauch gemacht…Dr. Mock sagte mir gesprächsweise, daß er ab und zu einmal nach Leipzig fahre, um sich dort zu amüsieren“.

 

Und am 23. Februar, also zwei Tage vor Kreutz, hatte der Leipziger Bankangestellte Adolf Crone (*1912in  Berlin) gestanden, mit Mock in den Jahren 1932 und 1933 sexuelle Kontakte gehabt zu haben.

 

Am 2. April wurde Mock im Altenburger Bezirksgefängnis in Gegenwart eines Gerichtsassessors erneut von Kriminalsekretär Beer verhört. Mock gab dabei sexuelle Handlungen mit einem ihm namentlich nicht bekannten Mann im Jahr 1931, mit Crone 1932 und 1933 sowie eine Kontaktanzeige in einer Leipziger Zeitung zu. Was Kreutz anbelangt, antwortete Mock, dass ich einmal mit dem Schauspieler Kreutz zusammen gekommen bin. Wie haben uns erkannt[,] und er hat mich einmal in meiner Kauerndorfer Wohnung besucht. Einzelheiten weiß ich nicht mehr. Wir haben zusammen 1 Glas Wein getrunken und haben uns über die Sache ausgesprochen. Ob etwas passiert ist, weiss ich nicht mehr. Soweit ich mich erinnern kann, ist nichts passiert“. Hierzu heißt es in einer handschriftlichen Marginalie mit grünem Stift „Dreiste Lüge“.

Erst am 10. Mai, konfrontiert mit Kreutz’ Geständnis, wurde Mock konkreter: „Heinz Kreutz habe ich persönlich erst im Herbst 1933 im Museum kennen gelernt. Daraufhin habe ich ihn in meine Kauerndorfer Wohnung eingeladen. Wir haben uns bald beide als homosexuell veranlagt erkannt…eine innere Harmonie kam jedoch nicht zustande…Wir hatten wohl beide das Gefühl, dass es zu einer Freundschaft nicht kommen wird, weil vermutlich wir beide gleicherweise aktiv veranlagt sind. Es kam nicht einmal zu einer Dutzfreundschaft [!] (8)[,] und es blieb bei dem einen Besuch“. Mock fuhr fort: „Heinz Kreutz irrt, wenn er sagt, dass ich ihm in einem Ballkleid vorgetanzt hätte. Es handelt sich dabei um ein Gewand im Schnitt eines Kosackenmantels [!], das ich mir für meine Ausdrucksgymnastik anschaffte. Wahrscheinlich habe ich Kreutz nach Grammophonmusik einige Übungen vorgezeigt“. Nachdem Mock sich zu den sexuellen Handlungen mit Kreutz geäußert hatte, fügte er hinzu: „Mir ist es rätselhaft, dass Kreutz so genaue Angaben machen kann, obwohl wir uns, wie er selbst angibt, in ziemlich animierter Stimmung befanden. Wir hatten 1 bis 2 Flaschen Rot- oder Süßwein getrunken“. Nun, Kreutz war Schauspieler mit vermutlich gut trainiertem Gedächtnis – und das von Mock wird nicht weniger gut gewesen sein: aber das, woran er sich nicht erinnern wollte, behielt er für sich.

Interessant ist Beers zusammenfassender Kommentar zu Mocks Verhalten während des Verhörs am 2. April: Mock habe deutlich gemacht, dass er nicht daran denke, durch seine Aussage an anderen „zum Verräter“ zu werden. „Nie und nimmer“ habe er sich vorstellen können, von Herfurth verraten zu werden. Auf Beers Einwand, dass sich Mock damit in zusätzliche Schwierigkeiten bringe und beispielsweise nicht mit mildernden Umständen rechnen könne, habe der Beschuldigte erwidert, dass er dies lieber auf sich nähme, als andere zu verraten. Sooft und zu wem Mock auch immer befragt wurde, er blieb dieser eingeschlagenen Linie und Überzeugung treu. So antwortete Mock am 8. und 10. Mai 1937, als er von Beer zu rund zwanzig Personen befragt wurde, immer wieder, dass mit der Ausnahme Heinz Kreutz in sexueller Hinsicht nichts vorgefallen sei.

Und auch Mock ist sehr viel weniger von Bekannten belastet worden, als dies beispielsweise in Hamburg in vergleichbaren Fällen üblich war.

 

Weder die Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei noch Mock gaben klein bei. Das zeigte sich erneut in einem Verhör am 10. Juni 1937, diesmal von dem Kriminalbeamten Pfeifer in Anwesenheit Dr. Griebels geführt. Wiederum bestritt Mock, zu 18 namentlich aufgeführten Männern sexuelle Kontakte gehabt oder gar unterhalten zu haben. Allerdings bestätigte er einschlägige Gerüchte über seinen Hausarzt  Dr. Bonde und dessen Lebenspartner, gab Gespräche mit einem jungen homosexuellen Mann über „unsere Veranlagung“ zu, erklärte, dass von Einsiedel seinem äußeren Erscheinungsbild nach  (sein Gang, seine breiten Hüften, sein „nicht alltäglicher Gesichtsausdruck“) bisexuell sei, sprach davon, dass zwei der erwähnten Männer sein Typ gewesen seien – aber nie sei es zwischen ihnen zu sexuellen Handlungen gekommen. Mock blieb dabei, lediglich mit Herfurth, Crone und Kreutz sowie – 1931 – mit einem unbekannten Mann gleichgeschlechtlich verkehrt zu haben. Und erneut betonte Mock, kein Verräter zu sein, wobei er sich auf Hitler berief: „Ich richte mich nach dem, was der Führer in seinem 'Kampf' auf Seite 460/61 über Verrat niedergeschrieben hat… Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, dass ich meine Partner nicht verrate. Ich will keine Namen nennen, gebe aber zu, dass ich von 1930 bis 1935, als ich dann mit Herfurth Freundschaft schloss, versucht habe, gleichgeschlechtliche Freundschaften zu finden. Mehr kann ich nicht zugeben. Man wird es mir im guten Sinne nachrühmen, dass ich meine…Partner nicht verraten habe. Dies gilt besonders für meine Verwandten und Bekannten aus Künstlerkreisen. Einer hat mir z. B. in einem Brief geschrieben: 'Mag kommen was will, wir stehen treu zu Dir'…Solche Beweise der Treue könnte ich noch zahlreich anführen. Ich glaube also nicht, dass ich durch mein Leugnen draußen an meinem Rufe eingebüßt habe“.

Und Mock legte nach: in einem Handschreiben an Dr. Griebel vom 15. Juli kam Mock erneut auf Hitlers Buch „Mein Kampf“ S. 460f. der Ausgabe von 1931 zurück, „worin zum Ausdruck gebracht wird, daß 'Verschwiegenheit eine männlich wertvolle Tugend' ist, dann heißt es weiter 'Ein Junge, der seinen Kameraden angibt, übt Verrat und betätigt damit eine Gesinnung, die schroff ausgedrückt und ins Große übertragen, die des Landesverräters genau entspricht. Schon mehr als einmal ist aus einem kleinen Angeber ein großer Schuft geworden!' 'Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit sind Tugenden, die ein großes Volk braucht'“. Mocks Schlussfolgerung: er werde sich „an diese maßgebenden Worte halten“ und könne „nicht davon abweichen“. Zwischen der Position des ehemaligen Museumsdirektors, die in diesen Sätzen deutlich wird, und derjenigen der Staatsanwaltschaft bzw. der Kriminalpolizei gab es keine Brücke. Völlig ausgeschlossen, dass die Justiz Mock mildernde Umstände zubilligte.

War es Charakterstärke, die Mock antrieb? Machte er sich Illusionen über den Einfluss seiner gesellschaftlichen Stellung? War er voller Ingrimm, dass er nicht daran dachte, zu taktieren und sich „diplomatisch“ zu verhalten?

 

Ohne dass die Ermittlungen gegen Mock zu weiteren belastenden Ergebnisse geführt hatten, fertigte Oberstaatsanwalt Dr. Leupold am 19. Juli die Anklageschrift gegen Dr. Mock und Crone und beantragte die Eröffnung des Hauptverfahrens.

Am selben Tag verfügte Leupold u. a. die Verfahrenseinstellung gegen Mock wegen Kuppelei, da es keine greifbaren Beweise gebe, und gegen Heinz Kreutz, weil das Verfahren gegen ihn beim Landgericht Hamburg geführt werde. Überdies sollte dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste in Berlin W 35 geschrieben werden, dass gegen Mock Anklage erhoben worden sei, was das endgültige Aus für Mocks Amt als Museumsdirektors bedeutete. Und die Oberstaatsanwaltschaft bei dem Landgericht in Leipzig war zu informieren, dass das Verfahren gegen Crone zusammen mit dem gegen Mock in Altenburg geführt werde.

Am 30. Juli wechselte Mock seinen Rechtsanwalt, da dessen Sohn wegen gesellschaftlicher Kontakte zu Mock von Beer vernommen worden war. Jetzt schien alles nur noch auf den Prozess zuzugehen, als das gesamte Verfahren am 3. August eine unerwartete und für Mock schlimme Wendung nahm.

Auslöser war ein formloser handgeschriebener Zettel, unterzeichnet von Hauptwachtmeister Kröber, überschrieben mit „Meldung!“, die nur zwei Sätze enthält: „Der hier einsitzende Strafgefangene Heinrich Mock, hat dem als Aufwärter beschäftigten Strafgefangenen Brazda, einen in einer leeren Zahnpastatube untergebrachten Kassiber mit der Aufforderung zugesteckt, denselben dem am 31. 7. 37 zur Entlassung kommenden Strafgefangenen Eberhardt zu übergeben. Eberhardt sollte den Kassiber Mock's Mutter übermitteln“.

Kröbers Meldung legt nahe, dass ihm Brazda den Kassiber ausgehändigt hatte. In der Ergänzung zur Anklageschrift vom 17. August 1937 aber heißt es: „Bei einer Durchsuchung am 31.7.1937 wurde ein Kassiber gefunden, den Mock in einer leeren Zahnpastatube dem Strafgefangenen Brazda zugesteckt hatte“ – und dies lässt vermuten, dass der Kassiber bei einer der im Gefangenenalltag üblichen Visitationen gefunden wurde. Alexander Zinn teilte mir am 23. Februar 2012 mündlich mit, dass er Rudolf Brazda nicht mehr über diesen Vorgang habe befragen können.

 

Mocks Kassiber hatte katastrophale Folgen für mehrere Männer – am wenigsten für sich selbst.

Der Kassibertext lautet:

                                                                 „Ihr Lieben!

Februar wog ich 146 Pfund, Juni 1937, jetzt 135 Pfund. Oft werde ich schwindlig. 9x gibt es trockenes Brot von 21 Mahlzeiten. Muß denn der Mensch auch gesundheitlich ruiniert werden? Sprecht mal mit Med. Rat Beyer. In den großen Anstalten gibt es mehr zu essen! – Von diesem Zettel sprecht niemals zu jemand, damit Ihr Euch nicht strafbar macht. – Ich bin nur wegen Crone – Lpz [Leipzig] - und Heinz Kreutz überführt. Außerdem habe ich ohne Namen zu verraten 5 Fälle (davon 3 strafbar) gestanden, offenbar erfolgt hierfür keine Bestrafung, weil der Teilnehmer fehlt [hierin irrt Mock]. – Gebt bitte in größter Eile den betr. Teilnehmern bekannt: A. Sie sollen bei ihren bisherigen Aussagen bleiben, ich lese dieselben in den Akten und sage dasselbe. B. Auch wenn mit Vereidigung gedroht wird, sollen sie sich nicht irre machen lassen, denn sie können als Teilnehmer nicht zum Zeugeneid gezwungen werden nach § 56,3 der Strafprozessordnung St.P.[O]) – Sollten sie wider Erwarten zum Geständnis neigen (da ev.[entuell] mit Amnestie gelockt wird, aber ins Strafregister kommt es doch!), so müssen sich meine Aussagen mit den ihren decken:

1.)  v. E. in Gn. [von Einsiedel auf Gnandstein] (ev. in Haft, dann nichts tun) 5-6x gegens.[eitige] Onanie 1930-1931 i[n] Leipzig u. Altenburg,

2.)  Rich.[ard] Vilda (Oberkellner in Oberhof (Parkvilla ?)) 2x gegenseitige Onanie 1932-33 i.[n] Altenburg (2 Besuche),

3.)  E. W. 4-5x gegens. Onanie 1932-33 Jena, (2x), Altenburg (2-3x), in Altenburg 2x nur einseitig, wobei nur bei mir von ihm gerieben wurde und Samenerguß bei mir eintrat. 1932 ein Treffen in Leipzig (wo Schwester wohnte) ohne Geschlechtsakt. Es ist bekannt, daß sich W. einmal mit Herrn Hans Gerhardt (aus Lpz ?) treffen wollte, auf Grund meiner Empfehlung.

[handschriftliche Marginalie: Erich Weber]

4.)  'Radames' [Marginalie: Pilling] Nachricht über Marti [ Martha Voth, Untermieterin von Anna Mock] und Köhler. 4-5x geg.[enseitige] Onanie Ostern 1934 bis Ostern 1935 in Kauerndorf u. i. [und im] Schloß. Er ist wenig verdächtig; hatte sich dumm ausgedrückt, weil ich ihm untersagt, allein ab Ostern 1935 zu mir zu kommen. Er wusste also nur gerüchteweise von meiner Veranlagung, aber ausgesprochen hatten wir uns nicht. Erledigung eilt. –

Vergeßt nie die obigen Notizen A. und B. – Eventuell teilt auch Heint [z] Beyerlein (Vater Spielkartenfabrik) die Notizen A. und B. mit, damit er in seinen Fällen Bescheid weiß. (Falls in Haft, dann nichts unternehmen!)-

Die Behandlung ist streng und gut, nur das Essen zu geringwertig. Erledigt bitte alles eiligst und exakt. – Es weiß nur davon Mutter, Gustav [Mocks jüngerer Bruder], Sus. [Susanne, , Ehefrau von Gustav Mock], bei 4) Marti  u.[nd] K.[öhler]. Hoffentlich steigt der Prozeß bald. Die Strafen sind derart, daß dem Volk der Maßstab verloren geht; was erhält denn ein Betrüger, der viele Menschen finanz.[iell] schädigt? Ein Devisenschieber? – Bei den Hexenprozessen glaubten wenigstens Volk und Richter an den Teufel… aber der aufgeklärte Mensch von heute weiß, daß wir sex.[uell] krank sind und dann derartige Prozesse. – Beobachtet auch die Freimaurer und Heckers-Clique. Stellt mal fest, wer vom Gericht und Staatsanwaltschaft früher Freimaurer war? Aber vorsichtig! Hans Rudolf, Oststraße wird helfen können. – Hoffentlich trifft Euch der Zettel wohl an, ich tue es ohne Gewissensbisse, denn das Verfahren auf Seiten der Gegner ist auch nicht fair. In herzlicher Umarmung Euer H.

Als Zeichen des Empfangs dieses Zettels schreibt im nächsten Brief: 'Dorle studiert jetzt Iphigenie'. Dem Boten gib 2,- und etwas Ordentliches zu essen“.

 

Was nun passierte, kann sich jeder vorstellen: Beer, Dr. Griebel und Dr. Leupold triumphierten. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen, die im Kassiber genannten Personen verhört und verhaftet. Die bisher durchaus erfolgreiche Strategie Mocks, so wenig Partner wie nur möglich zu belasten, war durch die Entdeckung des Kassibers gründlich konterkariert worden.

 

Die Vernehmung durch Dr. Griebel am 3. August verlief zunächst wie üblich: Mock leugnete sexuelle Kotakte mit anderen als den bisher genannten vier Männern, doch dann zündete Griebel die Bombe und informierte Mock über den Fund des Kassibers. Was blieb Mock anderes übrig, als zuzugeben, „den beschlagnahmten Kassiber  dem Strafgefangenen Brazda zugesteckt [zu] habe[n], damit er ihn durch den Strafgefangenen Eberhardt, der zur Entlassung gekommen ist, an meine Familie weiter leiten sollte“? Mock versuchte zwar immer noch, Bekannte und Verdächtigte zu schützen, z. B. Rudolf Brendemühl (*1906 Blasewitz bei Dresden)), Johannes Dietze (*1903 Altenburg), Werner Köhler, Otto Friedrich Lindner (*1911), Kurt Ziegler (*1912 Coburg). Doch konnte er nicht umhin, einige von ihnen zu belasten – zu eindeutig hatte er sich im Kassiber geäußert. Als Partner bei sexuellen Handlungen bezeichnete Mock nun Heinz Beyerlein (* 1914 Altenburg), Hanns von Einsiedel, Max Pilling (* 1917 in Altenburg), Richard Vilda (* ~ 1906; sein Alter wurde im Jahr 1937 mit 31 Jahren angegeben), Erich Weber (* 1909 Poxdorf).

Am Ende der Vernehmung kam Mock auf sein Thema „Verrat an Freunden“ zu sprechen. Laut Vernehmungs“protokoll“ erklärte er: „Den Zettel an meine Familie habe ich in meiner Kopflosigkeit geschrieben. Ich habe dadurch aber keinesfalls die Gleichgeschlechtlichen draußen stützen und so die Volksgemeinschaft schädigen wollen. Es kam mir darauf an, meine Strafe auf mich zu nehmen, ohne dadurch Existenzen zu vernichten und andere hineinzuziehen. Ich sehe jetzt ein, daß ich nicht richtig gehandelt habe“.

Gegen den Strich gelesen, geben diese Sätze einen Hinweis, wie Mock während des Verhörs von Griebel behandelt, wie ihm zugesetzt und mit welchen Vorwürfen er konfrontiert worden war.

Am folgenden Tag, dem 4. August, wurde Dr. Mock von Griebel erneut verhört: wieder musste Mock sexuelle Handlungen zugeben, und zwar mit seinem Hausarzt Dr. Bonde im Winter 1930/31, die freilich 1937 verjährt waren, vor allem aber mit dem 1917 geborenen und damit noch jugendlichen Max Pilling. Dieser gab nach langem Leugnen schließlich ein intensives, länger andauerndes sexuelles Verhältnis mit Mock zu und stellte in seiner Verteidigung darauf ab, von diesem verführt worden zu sein. Mocks Verteidigung setzte erfolgreich dagegen, dass Pilling gewusst habe, was er tat, und nicht mehr verführt werden konnte bzw. musste.

Aber auch noch am zweiten Tag nach dem Kassiberfund bemühte sich Mock, andere zu schonen. Wie Dr. Bonde zu seinem Lebenspartner „gestanden hat“, habe er  „nicht erfahren“. Schon während einer Vernehmung am 31. Juli durch den Amtsgerichtsrat Jacobs in der Strafsache Dr. Bonde hatte Mock über dessen Herrenabende auf denen getanzt worden war, ausgeführt, nichts Erotisches oder gar sexuell Anzügliches gesehen zu haben. Doch hatte er hinzugefügt: „die ganze Luft aber war in dieser späten stunde schwul; wenigstens hatte ich das so empfunden“ – ob dies aber die anderen Herren auch so gesehen hätten, könne er nicht sagen.

Am 17. August aber belastete Mock seinen Hausarzt nicht unerheblich, indem er gegenüber Dr. Griebel vermutete, dass Pilling und Dr. Bonde miteinander geschlechtlich verkehrt hätten – womit Mock vermutlich den Vorwurf, Pilling verführt zu haben, entkräften wollte.

Außerdem berichtete Mock ohne ersichtlichen Grund, dass in der Winterspielzeit 1934/35 anlässlich eines Gastspiels der Opernsänger Julius Patzak mit einem jungen Altenburger sexuelle Kontakte gehabt habe. In diesem Zusammenhang nannte Mock die Namen dreier junger Männer, die als Partner Patzaks in Frage kämen. Gemessen an seiner bisherigen Haltung, mit Kripo und Justiz nicht zu kooperieren und alles zu bestreiten, was ihm nicht nachgewiesen werden konnte, wirkt die Aussage vom 17. August ausgesprochen geschwätzig. Und geradezu denunziatorisch verhält sich Mock am 20. August im Verhör durch Kriegsgerichtsrat Dr. Hülle. In dieser Vernehmung ging es um sexuelle Kontakte zwischen Mock und dem  1914 in Altenburg geborenen Heinz Beyerlein, der inzwischen Stabsgefreiter bei der 1. Panzerdivision in Weimar war. Beyerlein hatte bisher sexuelle Kontakte mit Männern energisch bestritten – und selbst die Ermittler der Weimarer Kriminalpolizei gingen davon aus, dass er die Wahrheit sage. Nun aber bezichtigte ihn Mock nicht nur gleichgeschlechtlicher Handlungen mit ihm, sondern beschrieb ihn darüber hinaus als einen „Edelstricher“: Beyerlein sei zu 70% Frauen zugeneigt und lasse sich mit Männern nur ein, wenn er auf diese Weise Karriere machen könne. Er habe den Eindruck, dass Beyerlein „sich seiner Wirkung auf Männer bewusst ist, deren Aufmerksamkeiten und Einladungen annimmt, sie dadurch reizt, aber im letzten Moment doch nicht nachgibt, weil seine Neigung zum anderen Geschlecht überwiegt“.

Wenn Mock auch niemanden als Beyerleins Partner bezeichnete, so führte seine Aussage dazu, dass Beyerlein nicht nur Mock, sondern noch sechs weitere Männer als Partner angab, unter ihnen Dr. Bonde,von Einsiedel, Fritz Eilers und Dr. Rolf Grashey.

Fritz Eilers war bis zum Winter 1936/37 Kritiker an der Weimarer Gauzeitung. Von ihm hatte Beyerlein die 1936 erschienenen Tendenz-Novelle Spiel in Flandern von Hans Willi Linker geschenkt bekommen.

Dem Germanisten, Theaterwissenschaftler und Schriftsteller Dr. Rolf Grashey (1903 München – 1937 im KZ Buchenwald) war Beyerlein anlässlich der Uraufführung des Schauspiels Parisina (9) von Hjalmar Bergman (1883-1931) in Grasheys Übersetzung am Deutschen Nationaltheater Weimar am 14. November 1936 begegnet. Grashey hatte Beyerlein ein Theaterheft zu Parisina geschenkt.

 

Nach dem Kassiber-Fund und den folgenden Verhören scheint Mock am Ende und ein gebrochener Mann gewesen zu sein.

 

Die Anklageschrift vom 19. Juli war durch die Ereignisse der Zwischenzeit zwar nicht  Makulatur geworden, musste aber um diejenigen Fälle ergänzt werden, die seit der Entdeckung des Kassibers und durch die sich anschließenden Verhöre Mocks hinzugekommen waren. Dies geschah in der von Staatsanwalt Semm ausgefertigten „Ergänzenden Anklage“ vom 17. August 1937, die statt vier nun zehn Personen als Mocks Sexualpartner nennt. Von diesen war Oberregierungsrat Herfurth schon verurteilt und verbüßte seine Strafe; fünf weitere (Dr. Bonde, Crone, von Einsiedel, Kreutz und Pilling) befanden sich in Untersuchungshaft, der Stabsgefreite Beyerlein wurde eine Tag später in Weimar in Haft genommen.

 

Nach dem Beschluss über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Crone und Mock vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Altenburg wurde der Prozesstermin auf den 27. August 1937 festgelegt. Geladen wurden acht Zeugen, von denen drei während des Prozesses ihre Aussage nach § 55 der Strafprozessordnung verweigerten. Den Vorsitz der Gerichtsverhandlung hatte der Altenburger Landgerichtsdirektor Bauch; die Staatsanwaltschaft war durch Assessor Dr. Griebel vertreten, der Mock mehrfach verhört hatte.

Zu  Beginn des Prozesses beantragte Mocks Verteidiger, die Öffentlichkeit auszuschließen. In Hamburg wäre ein solcher Antrag gar nicht notwendig gewesen, weil dort das Gericht in Prozessen nach §§ 175, 175 a StGB die Zuhörer nach den Präliminarien geradezu automatisch wegen „Gefährdung der Sittlichkeit“ ausschloss und sie erst zur Urteilverkündigung wieder zuließ. Nicht so in Altenburg: Dr Griebel widersprach der Forderung der Verteidigung, woraufhin das Gericht den Beschluss fasste, „z. Zt. von  der Ausschließung der Öffentlichkeit“ abzusehen, „sich das aber für einen späteren Zeitpunkt“ vorzubehalten. Damit war der Prozess gegen Mock zu einem Schauprozess geworden, in dem der Museumsdirektor vor breitem einheimischem Publikum gedemütigt wurde. Hierbei hatte sich nach Ansicht von Mocks Schwester insbesondere Dr. Griebel hervorgetan. Die homophobe Berichterstattung der linientreuen gleichgeschalteten Presse tat ein Übriges.

 

Das Gericht verurteilte schließlich Werner Adolf Crone zu 18 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Mock wurde wegen fortgesetzten Vergehens nach § 175 StGB mit neun Männern zwischen 1930 und 1936 zu 2 Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Unter Einbeziehung des Weimarer Urteils vom 25. März (8 Monate Gefängnis) wurde eine Gesamtstrafe von 3 Jahren Gefängnis ausgesprochen, und zwar ohne Anrechnung der Untersuchungshaft, der Mock zwischen dem 13. Februar und dem 27. April 1937, d. h. dem Beginn der Verbüßung der Strafe des Weimarer Urteils im Altenburger Bezirksgefängnis ausgesetzt war. Beide Angeklagte sind darüber hinaus zu den Kosten des Verfahrens verurteilt worden.

 

Hatte Mock resigniert? Oder zeigte er Charakterstärke und wollte nicht zu Kreuze kriechen? Auf jeden Fall legte er keine Rechtsmittel ein und nahm das Urteil vom 27. August an, das damit am 4. September rechtskräftig wurde. Am 23. Oktober brachte man Dr. Mock zur Vollstreckung seiner Strafe in das Strafgefängnis Ichtershausen bei Arnstadt.

Anders reagierte Crone, der sich noch auf freiem Fuß befand: Er legte am 3. September Revision ein, die seine Anwälte am 27. 9. 1937 ausführlich begründeten – vor allem was die juristische Problematik fortgesetzter Strafhandlungen und die Verjährung strafrechtlich relevanter Vorgänge anbelangt.

 

Das Urteil im Revisionsverfahren wurde am 6. Dezember 1937 vom 5. Strafsenat des Reichsgerichts Leipzig unter Vorsitz von dessen Vizepräsidenten Wilhelm Bruner (1875 – unbekannt, Vizepräsident von 1934 bis 1939) gefällt. Es war eine schallende Ohrfeige für die Altenburger Rechtsprechung. In den entscheidenden Passagen lautet es: „Das Urteil des Landgerichts in Altenburg vom 27. August 1937 wird – auch zugunsten des Angeklagten Mock – aufgehoben, soweit es sich nicht bei Mock um die Fälle Weber, Crone, Beyerlein, Kreutz und Pilling sowie bei Crone um den Fall Mock handelt. Das Verfahren gegen Mock wird in den Fällen von Einsiedel, Bonde und Unbekannt…auf Kosten der Reichskasse eingestellt. Soweit Mock im Falle Wilda [!] verurteilt worden ist, werden auch die Feststellungen aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückgewiesen. Das Urteil wird dahin berichtigt, daß Mock der widernatürlichen Unzucht nach § 175 StGB in sechs Fällen schuldig ist, und zwar in den Fällen Weber, Crone, Beyerlein je in fortgesetzter Handlung, im Falle Kreutz in einer einheitlichen Handlung sowie im Falle Pilling in zwei fortgesetzten Handlungen. In diesen sechs Fällen wird das Urteil im Strafausspruch nebst den insoweit zu Grunde liegenden Feststellung aufgehoben, die Sache wird in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückgewiesen.

Das Urteil wird ferner dahin berichtigt, daß Crone der widernatürlichen Unzucht nach 175 StGB in einem Fall (Mock) schuldig ist, und zwar in fortgesetzter Handlung. In diesem Falle wird es im Strafausspruch nebst den insoweit zu Grunde liegenden Feststellungen aufgehoben; die Sache wird in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückgewiesen.

Soweit Crone im übrigen verurteilt worden ist, werden auch die Feststellungen aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückgewiesen“.

 

Da Mock seine achtmonatige Weimarer Gefängnisstrafe vom 25. März 1937, die er seit dem 27. April verbüßte, am 27. Dezember abgesessen hatte, das Urteil vom 27. August aber vom Reichsgericht aufgehoben war, musste das Altenburger Landgericht über den ehemaligen Museumsdirektor eine Entscheidung fällen: es entschied sich am 20. Dezember 1937 für einen neuen Haftbefehl, um ihn am 27. 12. erneut in Untersuchungshaft zu nehmen.

 

Der erforderliche neue Prozess gegen Crone und Mock fand am 4. Februar 1938 vor derselben Altenburger Kammer und unter demselben Vorsitzenden statt wie im August 1937. Die Anklage vertrat diesmal Oberstaatsanwalt Dr. Leupold.

 

Was Crone anbelangt, der Revision eingelegt hatte, beantragte Leupold 16 Monate Gefängnis ohne Anrechnung der Untersuchungshaft sowie sofortigen Haftbefehl gegen den Angeklagten. Das Gericht entschied sich für eine Gesamtstrafe von 14 Monaten Gefängnis ohne Anrechnung  der Untersuchungshaft sowie für den sofortigen Strafvollzug. Damit hatte das zweite Altenburger Verfahren Werner Adolf Crone de facto nur unwesentlich besser gestellt gegenüber dem Urteil, gegen das er Revision eingelegt hatte.

Nachdem Crones Gnadengesuch vom 13. Februar und 13. März 1938 abgelehnt worden war, musste er seine Strafe vom 16. März an in Bautzen verbüßen. Am 16. Mai 1939 wurde Crone nach Sebnitz zum Blumenfabrikanten Hugo Werner entlassen. Ob der einst erfolgreiche Leipziger Bankangestellte, der nach der Verurteilung am 27.8.1937 als Zigarettenboy gearbeitet hatte, nun in der Verwaltung des Betriebes oder bei der Fertigung künstlicher Blumen eingesetzt werden sollte, ist nicht bekannt.

 

Für Dr. Mock „durfte die Strafe nicht schwerer ausfallen als beim Urteil vom 27. August 1937, weil er dieses Urteil nicht angefochten hatte. Die Weimarer Strafe von 8 Monaten hatte er inzwischen verbüßt. Seit dem 27. Dezember war er wieder in Untersuchungshaft“, heißt es in der Akte Mock. Für den ehemaligen Museumsdirektor forderte Oberstaatsanwalt Leupold eine Gesamtstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten Gefängnis; das Gericht entschied sich für 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft seit dem 27. 12. 1937 (also von insgesamt 40 Tagen). Mock – ein „Trittbrettfahrer“ wider Willen -  war der eigentliche Profiteur der von Crone eingelegten Revision.

Nach dem Urteilsspruch wurde Mock in das Strafgefängnis Ichtershausen zurückgebracht.

 

Einen zusätzlichen schweren Schlag bedeutete es für Dr. Mock, als ihm Mitte März 1938 die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main wegen seiner Verurteilung nach § 175 „rechtskräftig die Doktorwürde aberkannte“.

 

Trotz allem – Mock hatte Glück im Unglück, denn im Unterschied zu vielen seiner Leidensgenossen hatten sich seine Angehörigen nicht von ihm abgewendet. Wie der Kassiber an seine Familie belegt, wusste diese nicht nur über seine sexuellen Präferenzen gut Bescheid, sondern kannte auch einige seiner Partner. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass sich seine Familie mit Gnadengesuchen um Mocks vorzeitige Freilassung bemühte. Dabei wandte sie sich nicht an die Gnadenabteilung der Altenburger Justiz, sondern setzte viel höher an. So schrieb Mocks Schwester Dorothea, die zu dieser Zeit in Berlin-Lichterfelde-Süd lebte, am 6. Mai 1938 einen Brief an Frau Göring. „Wir 3 Kinder und meine Mutter besitzen eine väterliche Fabrik“, beginnt sie den Brief. Ihr ältester Bruder Heinrich Mock habe so sehr für die Kunst gelebt, dass  er die Arbeit in der väterlichen Firma vernachlässigte. Dafür habe er die Mitgliederzahl des Altenburger Kunstverein von 20 auf 180 erhöhen können, er habe Vorträge organisiert, Führungen und Exkursionen angeboten und im Sommer Veranstaltungen arrangiert, bei denen Bilder zu einem Thema wie „Glückliche Jugend“ oder „Die schönen Frauen des Lindenaumuseums“ gezeigt wurden, umrahmt von Gedichtvorträgen, „die unsere Heimatdichterin Erika von Watzdorf-Bachoff dichtete und ich rezitierte“.

Danach fährt Dorothea Mock fort: „Nun verstand sich aber mein Bruder nicht so recht mit den einheimischen Künstlern, die fast alle der Loge angehörten. Da mein Vater, der kein Logenbruder war, schon viele Verluste durch diese erlitten hatte, wurde mein Bruder ein ausgesprochener Logenhasser, was ihm später sehr schaden sollte, da man viele Verleumdungen gegen ihn aussprach“. Daraufhin beschuldigte sie den Kammerherrn von Einsiedel auf Gnandstein, ihren Bruder zur Homosexualität verführt zu haben. Anschließend ging sie auf den ihrer Ansicht nach unfair geführten Prozess ein: „Leider führte ein ganz junger Staatsanwalt Griebel die Verhandlung sehr krass[,] und unser guter Name wurde im Dreck herumgezerrt. Die sog.[enannte] gute Gesellschaft freute sich, denn wir waren als alte Nazis bekannt. Mutter und ich 1931 in die Frauenschaft, Bruder Gustav 1931 in die Motor-SA und Partei eingetreten“.

Ihr Bruder trage sein Schicksal mit Haltung. Da er niemanden geschädigt hat, bitte sie um Aussetzung seiner Strafe zur Bewährung.

Unterschrieben ist der der Brief mit: „Heil Hitler/Dorothea Mock/Pgn. Nr. 631039”.

 

Dorothea Mock stellte in ihrem Brief ganz auf die nationalsozialistische Überzeugung ihrer Familie ab. Dies ist für sie selbst, ihre Mutter und den jüngeren Bruder richtig, nicht aber für Dr. Mock. Was sie aber nicht begriffen zu haben scheint: ihr Bruder war Opfer der von ihrer Familie für wegweisend gehaltenen Ideologie geworden.

Dass sich Dr. Mock mit den einheimischen Künstlern nicht verstanden habe, ist insofern erstaunlich, als er sich für viele von ihnen eingesetzt und keiner der von der Kriminalpolizei befragten Künstler ihn denunziert hatte.

Was die Gegnerschaft zur Loge anbelangt, passt dies gut zur freimaurerfeindlichen Position des Nationalsozialismus. Beschworen wird sie ja auch von Mock selbst in seinem Kassiber. Was konkret dahinter steckt, verlangte weitere intensive Forschungen.

Dass der Prozess gegen Mock nicht fair geführt worden ist, wurde oben hervorgehoben. Die Entscheidung darüber, ob die Öffentlichkeit zugelassen oder ausgeschlossen werden sollte, hatte aber nicht Dr. Griebel, sondern Landgerichtsdirektor Bauch als Vorsitzender der Strafkammer.

 

Emmy Göring leitete Dorothea Mocks Brief an die zuständigen Stellen weiter, und so landete er schließlich formal korrekt bei der Staatsanwaltschaft Altenburg. Dr. Leupold holte daraufhin vorschriftsmäßig die Stellungnahme der Leitung des Strafgefängnisses Ichtershausen zum Gnadengesuch für Dr. Mock ein: sie fiel erwartungsgemäß negativ aus; Mocks Arbeitsleistung und Fleiß wurden als „noch ausreichend“ bezeichnet.

Nun war die Staatsanwaltschaft bei ihrer Entscheidung zwar nicht an das Gutachten der Strafanstalt gebunden, aber kurz nach Strafantritt hatte ein Gnadengesuch generell wenig Aussicht auf Erfolg. Und so teilte Dr. Leupold am 1. Juni 1938 Dorothea Mock mit, dass er ihr Gnadengesuch abgelehnt habe. Sie reagierte ungehalten: „Sehr geehrter Herr Doktor!“ schrieb sie an Leupold, „Höfl.[ich] bezugnehmend auf Ihre Zeilen vom 1. d. M., die mich Pfingsten erreichten, teile ich Ihnen mit, daß es nicht in meiner Absicht lag, Ihrerseits 'Gnade' für meinen Bruder zu erhalten, ich erhoffte höchste Gerechtigkeit seitens der Regierung“. Hierbei übersah sie, dass es die Altenburger Staatsanwaltschaft und nicht Frau Göring oder die Berliner Regierung war, die in Fällen wie dem ihres Bruders für Begnadigung zuständig war.

Am 28. Januar 1939 erfolgte eine gemeinsame Aktion aller drei Familienangehörigen Mocks: Mutter, Schwester und Bruder richteten am selben Tag getrennte Gnadengesuche an die „Kanzlei des Führers“ am Berliner Lützowplatz.

Die Mutter Anna Mock schrieb: „Ich vertraue auf Gottes Schutz[,] um meinem Kinde noch beistehen zu können“. Drei Jahre seien eine „lange Zeit der Buße! Daß ihm auch der Doktortitel entzogen wurde, ist meinem Sohn bitterhart angekommen, er hat sich i[h]n doch redlich erarbeitet und nicht als Prädikat umhängen lassen, damit er ihm wieder entzogen werden kann“. Sie unterschrieb ihr Gesuch mit „Anna verw. Mock./N.S. Frauenschaft 1931“.

 

Das Schreiben von Dorothea Mock entspricht zunächst weitgehend dem Wortlaut des Briefes an Frau Göring. Darüber hinaus heißt es: „Während seiner Untersuchungshaft wurde ihm nahegelegt[,] ein umfassendes Geständnis abzulegen[,] und Strafmilderung zugesagt. Daraufhin machte er ein Raumgeständnis [sic]. Plötzlich verlor er aber die Nerven und glaubte[,] durch sein Geständnis seine Mitschuldigen auch ins Unglück zu ziehen. Um sie zu warnen, verfertigte er ein Kassiber, welches aber abgefangen wurde. Mit einer Strafmilderung war es damit vorbei.

Wieder kam Dorothea Mock auf die ihrer Ansicht nach demütigende Prozessführung zu sprechen: „Leider führte der noch sehr junge Staatsanwalt Griebel die Verhandlung (damals in A[ltenburg] der 1. Fall seiner Art) sehr krass[,] und unser angesehener Name wurde im Dreck herumgezerrt. Die wildesten Gerüchte gingen in der Stadt herum. Trotz Bitten, meines Bruders, die Verhandlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit durchzuführen, geschah dies nicht. Die Leute rissen sich um die Plätze und die Zeitungen schmierten den Fall groß und breit aus. Mein Bruder erhielt 28 Monate, also eine Gesamtstrafe (Fall Herfuth dazu) von 3 Jahren Gefängnis, ohne Anrechnung der Untersuchungshaft. Die sog. 'gute Gesellschaft' freute sich, denn wir waren als alte Nazis bekannt“. Dorothea Mock bat um „Nachprüfung wegen des strengen Urteils, streng, weil ein volles Geständnis vorliegt“.

Gustav Mock unterstützte in seinem Schreiben die Gnadengesuche von Mutter und Schwester und verwies darauf, seit 1931 der NSDAP und der Motor-SA (nun NSKK) anzugehören; er „führe einen Sturm und wurde am 9.11.38 zum Sturmführer befördert“.

Bei so viel Rekurs auf nationalsozialistische Gesinnung erstaunt nicht, dass die NSDAP-Gauleitung-Thüringen in Weimar um eine Stellungnahme zu den Gnadengesuchen der Familie Mock gebeten wurde.“ Gauinspekteur Lamprecht“ ging in seiner Antwort, die das Datum 14. März 1939 trägt, ausführlich auf den Fall Heinrich Mock und die beiden Prozesse ein, maß insbesondere Mocks Kassiber hohes Gewicht bei und fasste den ersten Teil seiner Stellungnahme folgendermaßen zusammen: „Mock selbst gehörte der Partei oder einer Gliederung nie an, im Gegensatz zu den anderen Familienmitgliedern. Das Strafende fällt auf den 27.12.39“.

Lamprecht erkannte im Folgenden an, dass die lange Gefängnisstrafe und die Aberkennung des Doktortitels für Mock schwer seien – nur hätte er sich darüber vorher im Klaren sein müssen.

Die Begründung der Ablehnung des Gnadenaktes hat dann aber mit dem konkreten Fall Mock eher indirekt zu tun und bediente mit seiner auf Gleichheit vor dem Gesetz abhebenden Argumentation und Rhetorik vor allem Ressentiments gegen deviantes Verhalten von Künstlern und Intellektuellen. Lamprecht formulierte: „Wenn auch  geistig hochstehende Menschen oft ihre gleichgeschlechtliche Veranlagung mit hochtrabenden Worten zu bemänteln versuchen (seelische Übereinstimmung, gleichgerichtete künstler.[ische] Ansichten etc.) so sind sie eben nicht mehr wert für die Allgemeinheit als andere Homosexuelle. – Man kann nicht erwarten, dass die Partei sich für solche Leute einsetzt, die gegen unsere Grundgesetze [sic; gemeint ist: Grundsätze]  zur Erhaltung unseres Volkes verstoßen“.

Reichshauptstellenleiter Herrbach“ von dem für Gnadensachen zuständigen Amt III der „Kanzlei des Führers“ in der Berliner Friedrich Wilhelm Straße 13 schloss sich in seinem Schreiben vom 22. März 1939 an den Reichsminister der Justiz der Argumentation Lamprechts „aus grundsätzlichen Erwägungen“ an, „zumal sich Mock im vorliegenden Falle in weit schwererem Maße vergangen hat, als er im Verfahren zugab“.

Am Ende des Meinungsbildungsprozesses in Weimar, Berlin und Altenburg stand der Beschluss, die drei Gnadengesuche zugunsten Heinrich Mock abzulehnen, was Dr. Leupold am 5. April 1939 Familie Mock mitteilte. Diese erhob daraufhin am 12. April „Beschwerde und Aufsichtsbeschwerde gegen den abschlägigen Bescheid des Gnadengesuches für Heinrich Mock von Seiten der Oberstaatsanwaltschaft Altenburg, da wir von dieser Seite schon von vorneherein keine Hilfe erwartet hatten. Wir zweifeln stark daran, ob überhaupt im Strafgefängnis Ichtershausen Erkundigungen über die Führung des Gefangenen eingezogen worden sind“. Diese Beschwerde wurde von der Generalstaatsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht Jena als unberechtigt zurückgewiesen.

Formaljuristisch ist der Oberstaatsanwaltschaft Altenburg allem Anschein nach kein Vorwurf zu machen; ihre Entscheidung deckte sich mit der Position der „allerhöchsten Stelle“, an die sich die Angehörigen von Dr. Heinrich Mock gewandt hatten.

 

Erst als Gustav Mock mit der Altenburger Staatsanwaltschaft persönlich Kontakt aufnahm, entwickelten sich die Dinge rasch in die gewünschte Richtung: Ende August 1939 hatte der Diplomingenieur Mock seine Einberufung zur Wehrmacht erhalten, daraufhin persönlich bei Staatsanwalt Semm vorgesprochen, diesem die aus der Einberufung resultierenden wirtschaftlichen Sorgen der Familie vorgetragen und ihn darauf angesprochen, ob er „ein nochmaliges Gnadengesuch für völlig aussichtslos“ hielte. Folgt man dem von Semm nachträglich angefertigten Aktenvermerk, hatte er Gustav Mock geantwortet, dass „nachdem sein Bruder ¾ der Strafe verbüßt hätte, nunmehr immerhin mit einem bedingten Erlaß der letzten Monate gerechnet werden“ könne, woraufhin Gustav Mock am 26. August 1939 abermals ein Gnadengesuch, und zwar diesmal an Dr. Leupold, richtete. Die Antwort darauf möge man wegen der Einberufung an Gustav Mocks Ehefrau Susanne richten. Nun ging es sehr schnell. Am 31. Mai teilte Dr. Leupold dem Vorstand des Strafgefängnisses Ichtershausen mit, dass er beabsichtige, „Mock in Anbetracht der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Familie wegen des Restes von 3 Monaten Bewährungsfrist zu bewilligen, falls die dortige Stellungnahme dem nicht entgegensteht“ – was nach einem solchen Schreiben kaum zu erwarten war. Schon einen Tag später, am 1. September 1939, richtete Heinrich Mock aus dem Gefängnis Ichtershausen heraus ein Gnadengesuch an die Altenburger Oberstaatsanwaltschaft. Und am 7. September befürworteten sowohl der zuständige Strafkammervorsitzende Bauch als auch Oberstaatsanwalt Dr. Leupold das Gnadengesuch. Am nächsten Tag wurde für drei Monate ein bedingter Strafaufschub bis zum 1. Oktober 1942 beschlossen und dieser Beschluss am 12.9.1939 Frau Susanne Mock mitgeteilt.

 

Aus Hamburger Perspektive war das eine großzügige Lösung, denn in vergleichbaren Hamburger Fällen ging es in der Regel nur um die Strafaussetzung weniger Tage, höchstens von zwei Wochen zur Bewährung.

 

Am 27. September 1939 öffneten sich für Mock die Gefängnistore. „Der Heinrich Mock…ist heute nach Altenburg, Wettiner Str. 25 entlassen worden, nachdem die Vollstreckung des Restes der Strafe bedingt ausgesetzt worden ist“, heißt es in der Mitteilung der Entlassung Mocks an die Altenburger Staatsanwaltschaft.

 

Wie es Heinrich Mock, der seinen Doktortitel nicht mehr tragen durfte, nach der Entlassung ging und in Altenburg erging, ist schwer zu sagen. Einen Hinweis aber gibt das Gutachten, das der „Meister der Schutzpolizei“ Sehrt am 4.9.1942 im Auftrag der Altenburger Staatsanwaltschaft für deren Entscheidung über Mocks Reststrafe erstellte. Darin heißt es: „Mock war nach Entlassung aus der Strafhaft bis zur Einberufung zur Wehrmacht im  Juli 1940 bei der Firma Mock und Krumsiek, Armaturen und Metallgießerei, hier, Metzer Straße [heute wieder: Fabrikstraße] 12-13 als Geschäftsführer beschäftigt. Er hat regelmäßig und zur Zufriedenheit der Firma gearbeitet. Bei seinen Mitarbeitern und Gefolgschaftsmitgliedern stand er in einem guten Ruf. Im Juni 1940 hat er geheiratet. Kinder sind nicht vorhanden. Mock hat sich einwandfrei geführt, hat den ihm gesetzten Bedingungen voll und ganz entsprochen, so daß ein Erlaß der Strafe im Gnadenweg von hier aus empfohlen werden kann.

Seine jetzige Anschrift lautet: Gefr. Mock, Heinrich, Oranienbaum/Anhalt, Gaswerk der Luftwaffe“. An diese Adresse richtete Oberstaatsanwalt Dr. Leupold, der zuvor auf eine „Führungsanfrage beim derzeitigen Truppenteil“ taktvollerweise verzichtet hatte, ein Schreiben an Mock, in dem amtlich mitgeteilt wurde, dass ihm die Reststrafe von drei Monaten Gefängnis erlassen worden sei.

 

Trotz allem: Mock hatte Glück. Als Angehöriger der Luftwaffe blieb er in Deutschland stationiert. Das Kriegsende erlebte er als Beschäftigter bei Junkers Flugzeug- und Motorenwerken in Dessau. Anschließend verbrachte er vier Monate in sowjetischer Kriegsgefangenschaft in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski) und kehrte dann nach Altenburg zu seiner Ehefrau, der Pianistin Elisabeth Mock, Arzttochter aus Plauen, zurück.

 

Auch Mocks Bruder Gustav hat den Krieg überlebt. Er ging, nachdem die väterliche Fabrik enteignet worden war, nach Hamburg.

Anna und Dorothea Mock sind dagegen bei einem Luftangriff in ihrem Altenburger Haus ums Leben gekommen (10).

 

In dem Band Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde ist von dem hier dargestellten Lebensabschnitt Mocks als Opfer der Homosexuellenverfolgung keine Rede. Gustav Mock erwähnte in seinem Beitrag zum 70. Geburtstag seines Bruders den „Bombentod unserer Mutter, Schwester und Nichte“ eher beiläufig und fügte hinzu „Die letzten Jahre unserer Mutter und Schwester waren glücklos. Dies und andere Kapitel passen aber nicht zur Feier eines Siebzigjährigen“ (11).

Dr. Joseph E. Drexel, Herausgeber der Nürnberger Nachrichten, wurde in seiner Würdigung zu Mocks siebzigstem Geburtstag etwas deutlicher: „Ein Leben wie 'Hans im Glück' ist ihm nicht beschieden gewesen. Dafür aber durfte er, den ich niemals klagen hörte, vielen zum Beispiel werden, dafür wie dieses vertrackte Leben, das alles andere als ein Spaziergang im Juni ist, im Auf und Ab der Schwierigkeiten und Wechselfälle mit Anstand und Würde klaglos und tapfer zu bestehen ist“ (12).

Wer Bescheid wusste, verstand natürlich, was Drexel verklausuliert formuliert hatte. Mock schwieg – wie die Opfer zumeist schwiegen über das, was sie erlebt hatten. Es wären in der Nachkriegszeit auch nur wenige dagewesen, die zugehört hätten. Und als Homosexueller gebrandmarkt worden zu sein – das trat man ohnehin nicht breit.

 

Die von Ruth Gleisberg verfasste „Chronologie“ im Band Lindenau-Museum Altenburg 1848-1998 erwähnt Dr. Mocks Entlassung als Direktor des Museums im Januar 1937, verliert aber kein Wort über die Gründe. Unvermittelt taucht dann sein Name im Jahr 1947 wieder auf, und zwar im Zusammenhang mit der Ausstellung 25 Jahre Graphiksammlung Dr. Mock

 

 

Irritierend ist ein längerer Text, den Mock im Sommer 1937 im Gefängnis konzipiert und mit der „Bitte  um Weitergabe“ an den Generalstaatsanwalt in Jena und den Reichsjustizminister in Berlin dem Altenburger Oberstaatsanwalt Dr. Leupold geschickt hat (Eingangsvermerk: 2. September 1937). Thema ist die „Bekämpfung der Homosexualität“. Was Mock damit bezweckte, ist unbekannt. Für eine Anbiederung bei der Justiz oder gar bei der Staatsführung waren Mocks Vorschläge kaum geeignet, denn sie zeigen zu viel Verständnis für rein  homosexuelle Männer über 21 Jahre, indem sie für diese Gruppe einen „Lila Pass“ vorsehen, der sie zu mann-männlichen sexuellen Kontakten berechtigt hätte. Sogar von einem Adoptivrecht wird gesprochen.

Doch enthält Mocks Text eine Reihe ganz und gar nicht harmloser Begriffe wie „Sonderbehandlung“, „Besserungslager“, „Laster“ und darüber hinaus die gefährliche Einteilung von sich gleichgeschlechtlich betätigenden Männern in diejenigen, die von ihren homosexuellen Neigungen geheilt werden könnten, und in andere, die unheilbar homosexuell seien. All’ dies sollte nach Mocks Auffassung den Homosexuellen helfen, doch öffneten die von ihm verwendeten Begriffe und seine Einteilung in heilbare und unheilbare homosexuelle Männer einer nationalsozialistischen Interpretation Tor und Tür – und dann hieß das: KZ, Kastration, Eliminierung, Tötung.

 

Dieser Text eines Opfers der Homosexuellenverfolgung während der NS-Zeit, geschrieben im Gefängnis, soll hier mitgeteilt werden, weil er schwulenhistorisch interessant ist.

 

„Dr. Mock an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Altenburg mit der Bitte um Weitergabe an den Generalstaatsanwalt Jena bzw. Reichsjustizminister in Berlin. Altenburg, September 1937.

 

Betr.: Bekämpfung der Homosexuellen

 

Da wohl bei jedem Prozeß, in welchem gegen § 175 abgeurteilt wird, die Frage auftaucht: 'Was soll der Angeklagte nach Verbüßung der Strafe tun, um nicht rückfällig zu werden?' und da die ganze Materie in bisher nie dagewesenem Umfange in Angriff genommen wurde, möchte ich mir erlauben, sozusagen als 'Fachmann' einige Erklärungen, Anmerkungen und Vorschläge zu unterbreiten. Ich möchte nicht als 'stiller Arbeiter' (A. Hitler, 'Mein Kampf' 1931 S. 399) gelten, 'sondern vor aller Öffentlichkeit gegen das Übel auf- und für seine Heilung eintreten'.

 

1. Zunächst ist zu bemerken, daß wohl 95% aller wegen Vergehen gegen § 175 Verurteilten nicht zu denen zu rechnen sind, die man allgemein ins Gefängnis schickt. Es handelt sich doch zumeist um bescheidene, arbeitsame oft schüchterne und gutmütige Menschen, die von Jugend auf in steter Furcht vor Entdeckung ihres nicht selbst verschuldeten Lasters leben. † 

[ †: Als Marginalie hinzugefügter Text]: “Oft wird daran erinnert, daß bedeutende Menschen ebenso veranlagt sind und waren z. B. Sokrates und viele griechische Geistesgrößen, Kaiser Hadrian, Verrocchio, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Winckelmann, Heinr. Kleist, N. Lenau, v. Platen, Lord Byron, Ludwig II. u. Richard Wagner, Fürst Eulenburg, Fr. A. Krupp, O. Wilde, Eduard VIII., Sascha Schneider und viele lebende Männer von Ruf. Darf man sagen, daß ein gütiges Geschick mit Ausnahme von Eulenburg und Wilde, diese Männer beschützt hat” †.

 

Wie glücklich darf dagegen der normal veranlagte Mann (und auch die homosex. Frau) seine Tage verbringen! Das Vorgehen des Staates erscheint den meisten grausam, und sie fühlen sich als 'Märtyrer'. Hiergegen müssen unter allen Umständen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wenn man aus der Geschichte herauskommen will. Eine andere Gefahr sehe ich auch darin, daß die Verwandten und Bekannten etc. der Verurteilten gleicher Meinung sind, weil sie nicht verstehen, daß solch 'harmloser, guter Mensch' solche Schmach und Strafe zu dulden haben. Meist werden sie in ihrer Meinung noch dadurch bestärkt, daß

 

a. dem Verurteilten Vergehen, die vor Sommer 1935 geschehen sind, zur Last gelegt werden, obwohl die Rechtsprechung z. Zt. der Begehung der Tat hierfür keine Strafe auswarf [?], z. B. gegenseitige Onanie in den Jahren 1935 wird rückwirkend bestraft,

 

b.  teilweise 'fortgesetzte Handlungen' angenommen wurde, wobei verjährte Vergehen herangezogen werden oder wenn der Verurteilte (Bisexuelle) auch Verkehr mit Frauen ausübte.

 

c.  Polizei und Staatsanwaltschaften bis Ende 1936 keine Bekämpfungsmaßnahmen [trafen] und die Treffpunkte, die Lokale der Homosexuellen, sogar bis etwa Ende 1933 polizeilich erlaubt waren.

 

2.  Es sollte deshalb danach getrachtet werden, daß der Verurteilte doch zu der Einsicht kommt, dem Staat gegenüber ein Unrecht getan zu haben, wie es heißt in 'Mein Kampf' S. 278 'Es gibt keine Freiheit, auf Kosten der Nachwelt und damit der Rasse zu sündigen'. Obwohl der Homosexuelle einwenden wird: 'Ich habe nur mit Ebenso-Veranlagten mich abgegeben und damit die Volksgemeinschaft nicht geschädigt', so sollte er doch bedenken, daß Gefahr besteht, gesunde Menschen in den Strudel zu ziehen, deshalb ist [unleserlich] (Zölibat) geboten. Um dem Verurteilten aber bei der Haftentlassung jede Verbitterung gegenüber der Staatsgewalt zu nehmen und sie wieder als brauchbare Mitglieder ins Volksganze einzugliedern, möchte ich unter Einteilung der Homosexuellen in zwei Gruppen folgende gesonderte Behandlung anempfehlen.

 

3.  Am erfolgreichsten würde die Unterbringung in sogenannten 'Besserungslagern' sein, wobei schon zum Ausdruck kommt, daß weniger eine Vergeltung ausgeübt werden soll, sondern der Freiheitsentzug dazu dient, die Verurteilten vorläufig zu heilen oder zu entwöhnen. Besondere Bevorzugung des Sports, Vorträge über einschlägige medizinische und rasseforschende Fragen, Weltanschauungsunterricht, der Vorbild angemessene Arbeit und bei den 'Unheilbaren' Förderung von Ablenkungsbeschäftigung z. B. Gärtnerei, Kunsthandwerk, Schriftstellerei u. s. w. Richtige Beköstigung unter Vermeidung von sexuell anregenden Nahrungsmitteln u. Gewürzen ist erforderlich, um die Gesundheit zu erhalten. Durch derartige Sonderbehandlung der Homosexuellen, die doch anerkanntermaßen nicht voll für ihre aus einer angeborenen Leidenschaft heraus getanen Vergehen verantwortlich sind, wird in vielen Kreisen Beruhigung eintreten, dies gilt insbesondere auch für das Ausland u. f.[ür] die Länder, wo eine derartige strafrechtliche Verfolgung nicht vorgenommen wird (Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien < nur poliz. Einschränkung >, Balkanländer und die meisten außereuropäischen Staaten). Es ist doch klar, daß Diebstahl, Betrug, tätliche Beleidigung u. s. w. allgemein als Vergehen anerkannt sind, daß dagegen widernatürliche Unzucht, wo doch der Geschädigte eigentlich fehlt, von vielen Menschen eben als Krankheit und nicht als Vergehen gewertet wird; deshalb sollte beim Strafvollzug eine Zwischenlösung gefunden werden, die nachhaltig und für die Zukunft heilend wirkt, man sollte jedenfalls nicht verbitterte Menschen unbelehrt und nicht gebessert auf die Menschheit wieder loslassen, nachdem der Staat Vergeltung geübt hat.

 

4.  Erste Gruppe 'Heilbare'

 

Nach meinem Dafürhalten sind etwa 25 – 30 % der Verurteilten heilbar und zwar diejenigen, die eidesstattlich erklären können, bereits erfolgreich normalen Geschlechtsverkehr ausgeübt zu haben – d. h. es handelt sich dann um Bisexuelle, die durch eigene Energie und Charakterstärkung, durch Belehrung während der Haft (Schönheit der Ehe und Familie), durch Lossagung vom Mann (ev. durch Hypnose) sich dem normalen Geschlechtsverkehr zuwenden. Die Bisexuellen werden am ehesten zur Einsicht gelangen, daß sie im Interesse des Volkes zur Umstellung verpflichtet sind. Eingehende Beratung durch das Gesundheitsamt bzw. Rasseamt ist erforderlich, wenn die Gründung von Ehe und Familie beabsichtigt wird, denn erbkranker Nachwuchs würde ja noch schädlicher sein. Der Staat müsste Sorge tragen, diese Menschen auch rassemäßig vollwertig ins Volksganze einzugliedern.

 

5.  Zweite Gruppe 'Unheilbare'

 

Die weit größere Gruppe dürften die Unheilbaren bilden, das sind diejenigen, die sich selbst als 'Frau' fühlen, das Weib betr. Geschlechtsverkehr fliehen und, als 100% gleichgeschlechtlich veranlagt, dazu gezwungen sind, sich für alle Zeiten des Verkehrs mit dem Mann zu enthalten. Hierin sollten sie im weitgehendsten Maß unterstützt werden, z. B. körperliche Ausarbeitung bei der Arbeit, Förderung der Nebeninteressen (Sport, Kunst), geeignete Ernährung, vor allem Erwartung des Pflichtgefühls gegenüber dem Staatswohl (Adoption eines Kindes).

 

6.  'Der Lila-Pass'

 

Außerdem habe ich noch einen Vorschlag, bei dessen Durchführung der Staat nicht leidet und den Bedauernswerten nicht 'die Freude am Leben' genommen würde. Die Beurteilung der Durchführbarkeit steht jedoch bei den obersten Behörden:

 

a)  durch einen Nervenarzt oder Arzt für Rassehygiene beschafft sich der Homosexuelle ein Attest, worin bestätigt wird, daß der Patient gleichgeschlechtlich veranlagt ist.

 

b)  Auf Grund dieses Attestes stellt die Polizeibehörde dem Betreffenden einen sog.[enannten] 'Lila-Pass' (lila ist die Farbe der Schwulen!) aus. Der Besitzer des Passes darf mit anderen Männern, die ebenfalls einen derartigen Paß besitzen, geschlechtlich verkehren.

 

c)  Nur Personen über 21 Jahre erhalten den Paß, dadurch wird § 175a berücksichtigt.

 

d)  Bei auffälligem insb.[esondere] anstößigem Benehmen in der Öffentlichkeit wird der Paß auf Zeit entzogen.

 

7.  Die wegen Verbrechens gegen § 175a zu Zuchthaus Verurteilten wären erst nach Verbüßung von ⅓ der Strafe in solch ein Besserungslager zu überführen. –

 

Ich habe diese Zeilen in der guten Absicht geschrieben, sowohl dem Staat als auch den Verurteilten nützlich sein zu können. Den Behörden stehe ich zu objektiver Auskunft zur Verfügung“.

 

                                                                    Quellen  

 

Die vorstehenden Ausführungen beruhen auf der Akte Mock im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg: Bestand Staatsanwaltschaft, Staatsanwaltschaft Altenburg: „Strafsache gegen den Geschäftsführer Dr. Heinrich Mock aus Altenburg, daselbst wohnhaft, z. Zt. Hier in Unters. – haft wegen widernatürlicher Unzucht. Bd. 1 und 2.

 

Bestand Nr. 1-97-0300: Nachlass Karl Gabler Nr. 4.

 

Für die Genehmigung der Akteneinsicht danke ich der Archivleiterin, der Archivoberinspektorin  Frau Undine Puhl.

 

 

                                                                   Literatur

 

E. S.  s. unter Ernst Schremmer

 

Gleisberg, Ruth: Chronologie. In: Lindenau-Museum Altenburg 1848-1998. S. 74-84, hier S. 77f.

 

Lindenau-Museum Altenburg 1848 - 1998

 

Merker, Matthias: Der Verleger, Sammler und Graphikförderer Dr. Heinrich Mock. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. 182. Heft (2/2006). Harrassowitz Verlag. Wiesbaden 2006. S. 36-43

 

Mock, Heinrich: Heinrich Mock - Im Spiegel seiner Freunde. Aus Briefen anlässlich des 70. Geburtstags 1974 und des 8. Geburtstages am 31. August 1984. Durchgesehen und mit einem Vorwort von Carl-Heinz Kurz. Graphikum Verlag Dr. H. Mock, Nachf. J. M. Kurz. Bovenden 1984

 

Mock, Heinrich: Biographie einer Graphiksammlung. Verlag Graphikum Dr. H. Mock Nachf. J. M. Kurz. Bovenden 1979

 

Schremmer, Ernst: Kleiner Katalog der Ausstellung anlässlich Mocks 70. Geburtstag in der Ostdeutschen Galerie Regensburg vom 17. 1. bis 3.3.1974.

Dieser Katalog (ein sechsseitiges Faltblatt) verzeichnet 110 ausgestellte Werke von Künstlern, die im sächsisch-thüringischen Raum tätig gewesen waren, dort lebten oder daher stammten.

Eingeleitet wird dieser Katalog von dem Text Dr. Heinrich Mock und seine Sammlung von „E.S.“

Frau Dr. Agnes Matthias von der Ostdeutschen Galerie Regensburg danke ich für die freundliche Überlassung dieses Katalogs.

 

Schremmer, Ernst: Dr. Heinrich Mock und seine Sammlung. Sonderdruck 1974 (such enthalten in: Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde S. 110)

 

Timm, Werner: Ostdeutsche Galerie Regensburg: Stiftung Dr. Heinrich Mock. Katalog der Ausstellung vom 17. November 1984 bis 13. Januar 1985 aus Anlass von Mocks 80. Geburtstag.

Frau Dr. Agnes Matthias von der Ostdeutschen Galerie Regensburg danke ich für die freundliche Überlassung dieses Katalogs.

 

Zinn, Alexander: „Das Glück kam immer zu mir“: Rudolf Brazda – Das Überleben eines Homosexuellen im Dritten Reich. Campus Verlag. Frankfurt am Main 2011 ( zu Landgerichtsdirektor Bauch: S. 131; Hans Kreutz: S. 74, 108f., 145 Anm. 20f., 24; Oberstaatsanwalt Dr. Leupold: S. 138; Dr. Mock: S. 74, 107f., 138, 150, 150 Anm. 113f.; Albin Oestreich: S. 74; Helmuth Freiherr von Wangenheim: S. 311)

 

                                                                  Anmerkungen

 

 1  Vgl. Gleisberg, S. 77; Merker S. 36. Nach Gleisberg wurde Dr. Mock im Jahr 1933, nach Merker erst 1934 Direktor des Lindenau-Museums.

 

 2  Vgl. Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde: S. 41f.

 

 3  Vgl. zu den biographischen Notizen Merker S. 36-43, insbesondere S. 43.

 

 4  Vgl. Merker S. 36

 

 5  Vgl. Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde S. 24.

 

 6  Vgl. S. 71.

 

 7  Es handelt sich um ein am 20. April 1933 in Berlin uraufgeführtes und häufig nachgespieltes nationalsozialistisches Tendenzstück von Hanns Johst.

 

 8  Mit Duzfreundschaften scheint Mock üblicherweise rasch bei der Hand gewesen zu sein.

 

 9  Hjalmar Bergman: Parisina. Skådespel i tre akter. Albert Bonniers Förlag. Stockholm 1915.

Bergmans Schauspiel variiert das Thema des Epos’ Tristan und Isolde, transponiert es in die Markgrafschaft Ferrara des 15. Jahrhunderts. „Kärlek, herre, är trolldom – Liebe ist Zauber – heißt es dort. Und diesem Zauber erliegen Parisina, die junge zweite Ehefrau des Markgrafen, und dessen Sohn aus erster Ehe.

 

10  Vgl. Heinrich Mock – Im Spiegel seiner Freunde S. 78, 119f. Vgl. weiterhin Heinrich Mock: Biographie einer Graphiksammlung: Hierin heißt es: „Von 1941 bis 1944 diente ich als Landesschütze und Schreiber bei der Gasanstalt der Luftwaffe (Gas für Sperrballons) in Oranienbaum bei Dessau“ vgl. auch Timm, S. 5).

 

11  s. o.. S. 92.

 

12  s. o. S. 26.

 

 

©  Dr. Gottfried Lorenz

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     (29. März 2012)