Leif GW Persson

 

                                                      Der sterbende Detektiv

 

                                                   (btb Verlag München 2011)

 

                                Schwedischer Originaltitel: Den döende detektiven

 

Zu Beginn des Romans erleidet der schwergewichtige pensionierte Kriminaldirektor Johansson an einer Stockholmer Wurstbude einen Schlaganfall. Wieder zu Bewusstsein gelangt und stabilisiert, wird er mit einem seit 25 Jahren unaufgeklärten Mord an einem neunjährigen Mädchen konfrontiert, der gerade verjährt ist.

Johannson gelingt es während er rund acht Wochen, die er noch zu leben hat, den Mord restlos aufzuklären.

Soweit, so letzten Endes unwahrscheinlich, denn Johansson ist sterbenskrank, leidet an Schmerzen und Bewusstseinsstörungen, schläft ständig ein und untergräbt die letzten Chancen auf Genesung mit undiszipliniertem fettem Esse, reichlichem Alkoholkonsum und gewolltem Bewegungsmangel.

Johanssons Ermittlungen werden unterstützt von ehemaligen Kollegen und Hilfen im Haushalt. Dabei überschreiten Johansson und seine Kollegen viele rechtsstaatliche Grenzen. Wäre das schwedische Realität, müsste man sich um dieses Land sorgen machen und dessen Polizeiwesen ausgesprochen kritisch sehen.

 

Dass es sich bei der Ermordung der bildschönen Neunjährigen um ein abscheuliches Verbrechen handelt und dass der Täter nicht ungeschoren davonkommen sollte, ist das eine, dass aber trotz aller Empörung und Abscheu der Staat das Gewaltmonopol behalten sollte – und behalten muss – das andere. Letzteres aber wird nicht nur von hohen schwedischen Polizei- und Sicherheitsbeamten in Frage gestellt, sondern der Roman endet mit einem Auftragsmord an dem pädophilen Mörder und der generösen Belohnung dessen, der ihn auf bestialische Weise zu Tode gebracht hatte – und weil so etwas ein Schwede dann doch nicht tut, führte der Autor für diese Tat ein russisches Adoptivkind und als Auftraggeber des Mordes und Vater des ermordeten Mädchens einen persischstämmigen reichen Pharmaunternehmer, der seit der Tötung der Tochter in den USA lebt, ein.

 

Der Kriminalroman befriedigt durchaus verständliche und nachvollziehbare Rachegefühle – vielleicht ist er deshalb „Nummer 1 – Bestseller aus Schweden“, wie ein Aufkleber auf dem Einband des Buches mitteilt.

 

Pädophilie ist unbestritten das Hauptthema des Romans, freilich nur in der schlimmsten Erscheinungsform, dem Sexualmord.

Nicht weniger abschätzig und vorurteilsgeladen aber lässt der Autor Stockholmer führende Kriminalbeamte über Schwule urteilen (S. 69f, 539f.)!