Peter Wildeblood

Vom Gesetz geächtet


Franz Decker Verlag Nachf. Schmiden bei Stuttgart 1961

Originalausgabe unter dem Titel

"Against the Law"

Verlag Weidenfeld and Nicholson. London 1955



Auf dem Wege zur Aufhebung des Grundtatbestandes einvernehmlicher nichtöfentlicher gleichgeschlechtlicher Handlungen unter Erwachsenen in Großbritannien und Deutschland ist Peter Wildebloods Buch "Against the Law" ein wichtiger Meilenstein.


Vorausgegangen waren Kinsey Report und Interim Bericht der anglikanischen Kirche. Etwa gleichzeitig erschien der kirchliche Bericht "Sexual Offenders and Social Punishment" (November 1955) des protestantischen Bischofs von St. Albans.


Seit dem 24. 8. 1954 gab es den Britischen Regierungsausschuß, auch Wolfenden Committee genannt, zur Überprüfung der Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen. Er ist eine unmittelbare Folge der Prozesse gegen Lord Montagu, Major Pitt-Rivers und den Journalisten Peter Wildeblood, in dem die drei Männer am 24. März 1954 wegen angeblicher homosexueller Handlungen zu 12 bzw. 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden waren.
Bei der Verhaftung dieser Männer am 9. Januar 1954 und im Prozeß war massiv gegen geltendes Recht verstoßen worden. Dies hatte zu scharfen Kommentaren in der britischen Presse und zu parlamentarischen Interventionen im Unterhaus geführt.

Auf Initiative des späteren Lords Boothby wurde schließlich ein halbes Jahr später der Wolfenden-Aussschuß eingesetzt, der sich generell mit der Strafwürdigkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen beschäftigen sollte.


Die Ergebnisse der Arbeit dieses Ausschusses, die 1957 als "Wolfenden Report" veröffentlicht wurden, und der ein Jahr zuvor erschienene "Griffin Report" der englischen katholischen Kirche führte in Großbritannien und später in West-Deutschland zu einer Neubewertung der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller Handlungen, doch sollte es in England noch bis 1967 und in der Bundesrepublik Deutschland bis 1969 dauern, bis die Erkenntnisse dieser Berichte in der Gesetzgebung umgesetzt wurden.


Peter Wildeblood schildert seine Kindheit und Jugend, berichtet, wie er sich bewußt wurde, homosexuell zu sein, und wie er sich entschied, seine Veranlagung offen zu vertreten.


Zentrales Thema des Buches "Against the Law" ist Wildebloods Verhaftung im Zusammenhang mit den "Fall Montagu", die Verurteilung zu 18 Monaten Gefängnis und die Verbüßung von zwei Dritteln dieser Strafe in einem der heruntergekommensten Gefängnisse Englands.


Breit schildert der Verfasser die zahlreichen Rechtsverstöße bei seiner Verhaftung und im Verlaufe der Ermittlungen sowie die von Vorurteilen geprägte Belehrung der Schöffen durch den Richter.


Scharfer Kritik unterzieht Wildeblood das Gefängniswesen, wobei er die Gefängniswärter weitgehend freundlich, die Gefängnisleitung durchweg negativ beurteilt.
Abschließend berichtet Wildeblood, daß er als "sachverständiger Zeuge" im Wolfenden Committee mitarbeite, und er erwähnt die guten Erfahrungen mit der toleranteren Einstellung der englischen öffentlichen Meinung zu Homosexualität und Homosexuellen.

 

© Gottfried Lorenz.