Lebachprozeß



In der Nacht zum 20. Januar 1969 durchschneiden zwei Männer den Zaun zum Munitionsdepot der Bundeswehr bei Lebach im Saarland, dringen in die Wachbaracke ein, erschießen vier der fünf Wachsoldaten im Schlaf, verletzen die fünfte Person schwer.

Der Verdacht fällt in der damaligen explosiven politischen Atmosphäre wie von selbst auf die APO. Die größte, mehrere Monate dauernde Fahndungsaktion der Nachkriegszeit "ergab etwas anderes, viel Banaleres. Vier junge Bundeswehrsoldaten mußten sterben, weil drei andere junge Männer vom sorglosen Leben unter südlicher Sonne träumten. Das 'eigentliche' Verbrechen sollte erst folgen: Erpressung in großem Stil." (vgl. www.phoenix.de/old/dokus/122001/02662).


Die beiden Haupttäter wurden am 7. August 1970 von einem Saarbrücker Schwurgericht zu lebenslanger, der dritte Beteiligte wegen Beihilfe zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.


Eine besondere Note erhielten Tat und Prozeß dadurch, daß die drei Angeklagten in homosexueller Beziehung zueinander standen - und dies unmittelbar vor und nach der Reform des Sexualstrafrechts und der Modifizierung des § 175 StGB!


Die Rhein-Zeitung schreibt am 23. März 2000 über die Lebacher Morde: "Der Lebacher Soldatenmord war kein privates Drama. Die Tat der jungen Männer richtete sich gegen eine Gesellschaft, von der sie sich als Homosexuelle diskriminiert fühlten".


Und auf diese Diskriminierung weist das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 5. Juni 1973 wiederholt hin, das von dem dritten Tatbeteiligten gegen das ZDF erwirkt wurde, das einen Film über die Lebacher Soldatenmorde hatte ausstrahlen wollen. (vgl. www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv035202.htlm)


Das Bundesverfassungsgericht stellte u. a. fest, daß durch diesen Film die Resozialisierung des Täters nach seiner Entlassung gefährdet werde, da "in der Heimatstadt des Beschwerdeführers ein Mann mit homosexueller Veranlagung auf allgemeine Ablehnung und Verachtung der Bürger" stoße. "Werde der Beschwerdeführer auf Grund des Dokumentarspiels als Homosexueller abgestempelt, so werde dies zu seiner völligen gesellschaftlichen Isolierung führen". An anderer Stelle spricht das Gericht von der "überwiegend vorhandene allgemeine Ablehnung" homosexueller Personen.


Hans-Joachim Noack berichtet in der Frankfurter Rundschau am 6. Juli 1970 über den Lebachprozeß. In seinem Artikel heißt es u. a.: "Es gab zwei 'gemeinschaftliche Mörder' und einen, der Beihilfe leistete; dazu eine Homosexuellengeschichte, die irgendwie zu stimmen schien, obwohl sie in der Vernehmung des Gernot Wenzel nur dürftig ausgelotet wurde und der Vorsitzende unter schallendem Gelächter des Publikums das Resümee zog, er, Wenzel, habe seinen Freund, den Fuchs, 'doch von innen und außen' gekannt."

Der Bericht in der Wochenzeitung "Deutsche Zeitung/Christ und Welt" vom 10. 7. 1970 spricht von höflicher und ruhiger Verhandlungsführung und erwähnt nichts von den homosexuellen Beziehungen der Angeklagten.

 

© Gottfried Lorenz.