Eduard Rhein / Claude Borell
Homoerotische Belletristik



Eduard Rhein veröffentlichte unter dem Pseudonym Claude Borell im Hermann Goldmann Verlag (München 1979-1981) vier Bände mit Texten, die sich mit dem Leben und Problemen homosexueller Männer beschäftigen.

Vgl. hierzu das Buch Hamburg auf anderen Wegen von Bernhard Rosenkranz und Gottfried Lorenz (2. Auflage Hamburg 2007) S. 270ff.,316,338


Im Folgenden werden diese Texte in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt:

 


I.

Capriccio Italien

 
In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs

Geschichten aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 312-342



Vermutlich kannte Borell Klaus Manns Tschaikowski-Roman "Symphonie Pathètique". In dessen Nachfolge steht Rheins/Borells dreißig Seiten umfassende Geschichte "Capriccio Italien", die die Entstehung dieses Konzertstücks in Rom und dessen Uraufführung in Neapel zum Inhalt hat.

Angeregt wird die Komposition von allmorgendlichen Wecksignal eines Hornisten der Kaserne unweit Tschaikowskis Unterkunft und von einem Offizier, der Tschaikowski gefällt.

Im Verlauf der Geschichte erkennt der Komponist in diesem Mann einen eitlen Gockel und wendet seine Aufmerksamkeit und Sympathie dem ihn verehrenden Sohn seiner Gastgeberin zu, ohne daß Tschaikowskis Homosexualität mehr als äußerst dezent angedeutet wird.

 


II.

Cavalleria Siciliana

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen

aus der Welt der anderen. München 1979. S. 199-288



Das novellistische Ereignis, das Borell wiedergibt, ist die Rache, die nach Beschluß des Familienrates der Sizilianer Giacomo für die anale Schändung und den Selbstmord seines Bruders Pietro an dem deutschen Prostituierten Rolf T. vollzieht.

Dieser hatte Pietro kennengelernt und ihn mit einem wohlhabenden italienischen Grafen verkuppeln wollen, wofür Rolf reicher finanzieller Gewinn winkte. Doch Pietro hatte sich in Rolf verliebt und wollte ihn und nicht den Grafen. Als Rolf seine Pläne scheitern sieht, macht er sich Pietro mit Hilfe von Alkohol gefügig, vergewaltigt ihn und ruft den Grafen an, damit dieser seinen Lustknaben abhole. Als Pietro sich bewußt wird, was mit ihm geschehen war und was Rolf mit ihm vorhat, beschimpft er ihn als Lumpen und Schwein und stürzt sich aus dem sechsten Stock des Hauses, in dem Rolf wohnt.

Wenige Tage später ist auf Rolfs Tür ein schwarzes Kreuz gemalt. Rolf flieht aus Rom nach Deutschland, wo er schließlich in Köln - inzwischen als Stricher recht heruntergekommen - von dem jungen Mannheimer Klaus Wiegand, der in Köln einen Programmierkurs absolvieren will, für vier Wochen als Begleiter und Sexpartner engagiert wird.

Klaus Wiegand verfällt Rolf (der ihn während der Zeit ihrer Bekanntschaft mit Dutzenden Freiern hintergeht) immer mehr, gibt für ihn einen großen Teil seiner Ersparnisse aus, nimmt ihn nach Ablauf der vier Wochen mit nach Mannheim, hält ihn aus, verschuldet sich hoch, unterschlägt mit Hilfe des Computers eine hohe Summe, wird als Betrüger entlarvt und nimmt sich das Leben.

 

Für Rolf ist es selbstverständlich, daß seine Gönner alles für ihn tun, sich für ihn aufopfern. Klaus Wiegands Untergang berührt ihn nicht; Rolf interessiert allein, wie er seinen angehäuften Besitz rettet.

 

Nach Wiegands Tod setzt Rolf in Paris sein ertragreiches Leben als Prostituierter fort, bis ihn dort Pietros Bruder aufspürt und die Rache vollzieht, indem er Rolf in seinem Porsche, den er von Klaus Wiegand erhalten hatte, in die Luft sprengt.


Borells Text läßt sich gut lesen; literarisch ist er schwach, wirkt konstruiert.

Unwahrscheinlich ist in den 70er Jahren, daß ein achtundzwanzigjähriger junger aufstrebender Mann sich einen Prostituierten über vier Wochen als Begleiter finanziell leisten kann und daß er einen völligen Realitätsverlust erleidet.
Die novellistische Struktur wird nicht durchgehalten; das Rachemotiv verschwindet hinter der Geschichte von Klaus Wiegand und Rolf.


Zu erwähnen sind die üblichen Versatzstücke trivialer Literatur: reiche Leute, gutaussehende junge Stricher ohne Gewissen; auch der päderastische römische Graf in seiner Mischung aus kultiviertem Mann und Schwein gehört unter diese Rubrik.


Nach den Novellen "Verdammt noch mal - ich liebe dich" und "Klein Walterchen aus Groß-Berlin", in denen anständige, nach Borells Begriff "echte" Prostituierte eine wichtige Rolle spielen, steht in der "Cavalleria Siciliana" mit Rolf aus Euskirchen ein Egozentriker, ein gefühlloser Mensch und Kleinkrimineller, der von der Vertrauensseligkeit der Homosexuellen lebt, im Vordergrund. Die beste Charakterisierung dieses Rolf gibt Pietro kurz vor seinem Selbstmord: Rolf ist ein Lump.



III.

 

Doch die Hölle siegt

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten

aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 9-188


Der Titel des Romans läßt über dessen Schluß keinen Zweifel:Der bildschöne Waisenjunge aus Greenwich Village im Süden Manhattens, der als Vierzehnjähriger Modell für zahlreiche Skulpturen gestanden hatte, der von einem großzügigen Mäzen aufgenommen, gefördert und -vor allem- geliebt worden war und der dessen Liebe auch erwidert hatte, der als Assistent eines jungen, geliebten, erfolgreichen Zauberkünstlers erste Erfolge im Showgeschäft erzielt hatte, fällt als achtzehn- neunzehnjähriger Jugendlicher als "ein dreckiges, schmieriges Bündel Mensch", der anderen als "Ratte" erscheint, einem Gewaltverbrechen zum Opfer.

Zerstört haben Conny Erotomanie in Verbindung mit Drogen. Beides war stärker als die Liebe des Innenarchitekten Gregory Jansson, des Zauberkünstlers Ronny (Percusso II), des Spaniers Orlando in Brasilien und von Janssons Diener Pedro, stärker als die Bemühungen des Arztes Shimak und des Mädchens Eliza, das sich des Jungen seit dem Tode seiner Eltern angenommen hatte.

Wie die Lemminge - so das von Conny gewählte Bild - treibt er seinem Untergang entgegen.


Literarisch ist der Roman problematisch. Sieht man von Ungenauigkeiten ab (ein und dasselbe Ereignis ist einmal in Wien, ein andermal in München angesiedelt), wird das Verhalten der einzelnen Personen wenig überzeugend oder gar nicht motiviert. Vieles ist einfach "so", wird behauptet, nicht begründet. Die Handlung wirkt allzu konstruiert, wobei die Thematik nicht uninteressant, aber weit hergeholt wirkt.


Deutlich wird -wie in anderen Texten des Verfassers- dessen Abneigung gegen Tunten.

 


IV.

 

Der dunkle Ruf

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten

aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 263-277



Der nur vierzehn Seiten umfassende Text greift eine Situation auf, die vor allem bis zur Strafrechtsreform von 1969 bestand - die Angst vor der Entdeckung der homosexuellen Veranlagung, die Furcht vor dem damit zusammenhängenden Ende einer Karriere, die Panik, die entstand, wenn mit der Anzeige bei der Polizei gedroht wurde.

Nach dem Drohanruf von Jumbo, dem Bruder seines Freundes Jochen, mitten in der Nacht hatte der Chirurg Dr. Linke fluchtartig das Hotelzimmer verlassen, in dem Jochen und er übernachteten.

Jochens Suche nach dem Arzt bleibt erfolglos; Dr. Linkes Flucht hinterläßt bei Jochen Enttäuschung und Zorn auf den "Freund".
Fast vier Jahre später sehen sich beide wieder: Jochen ist von Dr. Linke operiert worden und wartet darauf, von ihm im Krankenzimmer aufgesucht zu werden. Dr. Linke tut dies nur widerwillig und nach dringender Aufforderung durch die Oberschwester. Die Aussprache, die Jochens Verbitterung über das Verhalten des Freundes, Dr. Linkes Feigheit, aber auch die Gründe für Jumbos Verhalten offenbart, führt zu einem neuen Verständnis der beiden Männer - unter nun günstigeren Umständen.

 


V.

Einmal - und nie wieder

In: Lockruf. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. München 1979. S. 224-246



"Es gibt Schwule, denen sieht man es selbst bei dichtestem Nebel schon auf hundert Meter an. Und es gibt Schwule, denen merkt man es erst an, wenn man sie im Bett hat. Das sind die besten. Und so einer war Paul."


So beginnt die Novelle, deren Thema der Sadomasochismus ist.


Paul ist ein tüchtiger Maurer in Frankfurt am Main - grundsolide und homosexuell. Eines Abends lernt er in einer Frankfurter Sauna Max, einen wohlhabenden Innenarchitekten kennen. Dieser entpuppt sich als Masochist. Paul ist -zögernd- bereit, ihm seine Wünsche zu erfüllen. Beide verabreden sich zu einem Treffen im Haus von Max. Dort kommt es zu sadomasochistischen Begegnungen harter Art: Paul schlägt Max blutig. Nachdem Max einen Orgasmus hatte, wechselt er die Position, ohne daß dies Paul zunächst begreift. Max ist nun Sadist und quält Paul psychisch und allem Anschein nach auch physisch so sehr, daß dieser zu sterben meint. De facto ist ihm aber kaum etwas geschehen.
Ein Wiedersehen, das Paul durchaus möchte, gibt es nicht, da Paul ja nun wisse, "wo der Ernst aufhört und die Illusion beginnt. Du würdest dich nicht mehr in wahrer Todesangst winden...Das Spiel kann ich mit jedem nur einmal spielen... Keiner ist darüber unglücklicher als ich."



VI.

 

Elf Flaschen - elf Jahre

In: Lockruf. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. München 1979. S. 150-176


Im Mittelpunkt dieser Novelle bzw. Erzählung stehen der zu Beginn der Handlung zweiunddreißigjährige Roger sowie Marcel, Marseiller Wirt einer Homosexuellenkneipe, und dessen treuer Freund Gisbert, der ein guter, tüchtiger und freundlicher Mensch ist und den zudem ein Riesenpenis auszeichnet, den er für Wetten zur Schau stellt, ohne daß sich Gisbert mit den Gästen der Kneipe sexuell einließe (S. 153f., 161f.).


Roger ermordet den als Stricher tätigen Transvestiten Bernard Dunja (S. 163f.), der ihn liebt, der ihm aber auch auf die Schliche gekommen ist - oder besser: gekommen zu sein scheint (S. 157-159).

Roger verkehrt in der Kneipe von Marcel, der sich zum Spieler entwickelt (S. 160, 162, 164) und der Roger vor Dunjas Schnüffeleien gewarnt hatte.


Bei der Fahndung nach Rauschgifthändlern werden u. a. zwei Polizisten erschossen.


Marcel verliert gegen Roger eine Riesensumme (S. 166f.), die er nie hätte bezahlen können. Marcel stellt nun eine Verbindung zwischen Dunjas Tod und der Rauschgiftaffäre her (S. 168) und verpfeift Roger an die Polizei (S. 169) - womit er sich gleichzeitig seiner Schuldenlast entledigt.


"11 Jahre später" (S. 169) zertrümmert der haftentlassene Roger elf Flaschen auf Marcels Schädel - ein Verbrechen, das von einem jungen Kriminologen entschlüsselt wird, ohne daß man Rogers hätte habhaft werden können.


Gisbert hatte sich bald nach Rogers Verhaftung von Marcel getrennt und einen neuen festen Freund gefunden - den Inhaber einer gutgehenden Autowerkstatt.



VII.

 

Flucht in den Dschungel

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. München 1979. S. 121-153.



Det Titel der Erzählung gibt für deren Inhalt keinen Anhaltspunkt und bleibt letztlich dunkel: In den/einen Dschungel flieht keine der handelnden Personen - weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinne, denn die vierwöchige Reise der beiden Liebenden Peter und Franz war vielleicht unüberlegt, ist aber doch auf Einladung eines Dritten, des Rechtsanwalts Armand, unternommen worden. Und Peters Flucht aus Paris führt über ein paar Erholungstage auf Mallorca zurück nach Bonn und wenig später an den neuen Wirkungsort Nürnberg.


Der Bonner Progammierer bei IBM hat einen großen Schritt auf der Karriereleiter getan - er soll in drei Monaten eine gut bezahlte Stelle in Nürnberg antreten. Gerade zu diesem Zeitpunkt lernt er den Studenten Franz kennen und lieben. Mit ihm verbringt er seinen Jahresurlaub, ohne ihm etwas von dem bevorstehenden Stellenwechsel und Umzug zu sagen.


Die gemeinsame Urlaubszeit, die Peter und Franz auf Armands Einladung in Paris verleben, bringt dann den Pariser Anwalt und Franz näher. Franz gefällt Paris, er bliebe gerne in dieser Stadt, mag Armand und schläft nach anfänglichem Zögern mit ihm, will aber Peter, den er liebt, nicht aufgeben. Dieser aber sieht keine Zukunft für die Beziehung mit Franz: Peter will Karriere machen - und dies kann er nur in Nürnberg; Franz dorthin mitzunehmen, bedeutete Peters Ansicht nach das Ende von dessen Studium (zwar hatte Nürnberg Ende der 70er Jahre noch keine Universität, doch befand sich eine solche ganz in der Nähe, nur wenige Kilometer entfernt, nämlich in Erlangen!!), und dafür will Peter nicht die Verantwortung übernehmen. So flieht Peter aus Paris, ohne Abschied von Franz zu nehmen, und läßt den Freund bei Armand zurück. Die Gründe für die Flucht teilt Peter seinem Freund Franz in einem Abschiedsbrief mit.


Summa summarum handelt es sich um eine triviale Dreiecksgeschichte, um das Ende einer großen Liebe.


Interessant macht den Text der Bericht, den Franz über sein Martyrium als Homosexueller in dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist, gibt: Außenseiterposition, Beschimpfung, Prügel, Unverständnis der Umgebung, der Wunsch des Vaters, lieber einen toten als einen schwulen Sohn zu haben. All das war Realität zur Zeit der Entstehung der Erzählung - und ist es wohl vielerorts auch heute.



VIII.

 

Happy Birthday...

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten

aus der Welt der anderen. München 1981. S. 343-379.



Borells Text greift die Problematik behinderter, verwachsener, abstoßend häßlicher homosexueller Männer und deren Sehnsucht nach Liebe und Sexualität auf, die sie, wenn sie wohlhabend sind, sich erkaufen können oder müssen.
Von ihren Sexpartnern werden diese Menschen verachtet, verspottet, allein gelassen.


So ergeht es Etienne Loubet, einem reichen Privatbankier, dessen "Geliebter", Paolo, ihn betrügt, verachtet und haßt und der ihn schließlich verläßt - an Loubets sechzigstem Geburtstag.


Loubet erfährt davon durch das amerikanische Pornomodell Erron, das Etienne im Auftrag von Etiennes amerikanischem Freund Gary besucht. Während Garys Geburtstagsanruf stirbt Etienne an Enttäuschung und an seiner Angst vor einem einsamen und freudlosen Alter.



IX.

 

Ikarus

In: Lockruf. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. Müchen 1979. S. 305-351.



Borells Novelle "Ikarus" greift mit einem wirklichen Novellenstoff auf die Zeit der Homosexuellenverfolgungen in Deutschland während der NS-Zeit zurück; ihre Handlung ereignet sich aber in Westdeutschland oder West-Berlin nach der Reform des § 175 StGB und vor Ausbruch der Krankheit Aids.

Die jungen Homosexuellen des Textes genießen die neue Freizügigkeit durch promiskuitives Verhalten. Erpressung von Homosexuellen ist immer noch möglich. Rauschgifthandel bemächtigt sich der Szene.Doch laufen diese Motive und das der männlichen Prostitution weitgehend ins Leere.


Das zentrale unerhörte Ereignis besteht darin, daß ein Unbekannter, der sich Ikarus nennt, bei einem Maler russischer Herkunft, der als Kriegsgefangener nach Deutschland gekommen war und nach dem Kriege in diesem Lande geblieben ist, zwölf Porträts schöner junger Männer, die in einer Schwulenbar verkehren, bestellt und diese Bilder großzügig bezahlt. Dem zuletzt Portätierten -Hans- gelingt es, in näheren Kontakt zu Ikarus zu kommen, und erfährt dessen Schicksal, ohne ihn allerdings je zu Gesicht zu bekommen: Ikarus ist Ritterkreuzträger und Fliegeroffizier. Er ist homosexuell und war im Krieg mit seinem jungen Mechaniker befreundet. Das Verhältnis zwischen den beiden Männern blieb nicht unbekannt: der Mechaniker wird wird zum Tode verurteilt und vor Ikarus' Augen standrechtlich hingerichtet. Des Ritterkreuzers wollte sich die Wehrmacht anders entledigen: man installierte in seiner Kampfmaschine einen Sprengsatz, der während des nächsten Einsatzes explodieren sollte - und dies auch tat. Schwer verletzt wird Ikarus von amerikanischen Soldaten gerettet und von amerikanischen Ärzten zusammengeflickt. Als reicher Mann kann er mit Hilfe eines treuen Dieners existieren. Die Jungenporträts gibt er in Auftrag, um sich an ihnen zu erfreuen.


Hans ist vom Schicksal des Mannes bewegt. Beim zweiten Besuch im Hause des Fliegers zieht er sich vor ihm, der sich vor Hans verborgen hält, ihn aber sehen kann, nackt aus, um Ikarus eine Freude zu machen.

Zu einem dritten Besuch kommt es nicht - Ikarus stirbt nach einer weiteren schweren Operation, kurze Zeit nachdem er Hans von seinem Schicksal berichtet hatte.



X.

 

Josef und seine Freunde

In: Lockruf. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. München 1979. S. 96-149.



Die Erzählung "Josef und seine Freunde" hat mehrere Handlungsstränge:

1.      Die Freundschaft des omnisexuellen Josef (Joe) mit drei Schwulen bei gleichzeitig glücklicher Ehe;

2.      die Schwierigkeiten für einen homosexuellen Jugendlichen, eine Lehrstelle zu finden - was nur mit viel Diplomatie gelingt. Dieses Motiv verschwindet in der zweiten Hälfte des Textes.

3.      Das Unverständnis eines Elternpaares gegenüber ihrem homosexuellen Sohn, den es aus dem Hause treibt und verstößt, als es von seiner Veranlagung erfährt (durch den Fund schwuler Pornos und eindeutiger Fotos des Jungen).
Gerettet wird dieser junge Mann durch Joes Fürsorge und dadurch, daß ihn die Mutter seines Freundes aufnimmt.

4.                       Die Gefährdung junger, unerfahrener Homosexueller durch Menschen, die sie ausnutzen (Prostitution).




XI.

Klein Walterchen aus Groß Berlin

In: Verdammt noch mal ich liebe dich. Erotische Novellen

aus der Welt der anderen. München 1979. S. 154-198.



Der homosexuelle Eric und der heterosexuelle Alain, zwei junge Männer aus Paris, die miteinander befreundet sind, machen in Cannes Urlaub. Alain weist seinen Freund darauf hin, daß ein Deutscher, Dr. Bley, sich seit Tagen bemühe, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Durch Alains Vermittlung kommt es zu einer ersten Begegnung.
Der homosexuelle Dr. Bley ist mit einer lesbischen Opernsängerin verheiratet; beide sind den jungen Männern sympathisch - und dies beruht auf Gegenseitigkeit.

Dr. Bley möchte Eric an sich ziehen und adoptieren.

Bevor dies aber geschieht, begegnet Eric einem jungen Mann, den er in Paris drei Jahren zuvor auf dem Strich als Strichjungen kennengelernt hatte: Walter aus Berlin. Beide hatten sich trotz ihrer Beschäftigung ineinander verliebt.

Walter arbeitet nun in Cannes als Edelstricher, nimmt Eric mit in seine Hotelsuite und verwöhnt ihn. Seine ehrliche Liebe wird von Eric herzlich erwidert. Als ein paar Tage später Walters Gönner erscheint (der über Erics Existent Bescheid weiß), ist Eric nicht bereit, Walter, der gewissenhaft seine beruflichen Verpflichtungen erfüllt, mit dessen Verehrer zu teilen. Eric verläßt Walter, kehrt zu Alain zurück, der wiederum ein Treffen mit Dr. Bley arrangiert, das dann den Durchbruch zum Zusammenleben der beiden bedeutet.


So trivial die Handlung der Novelle ist, so interessant sind zwei Aspekte:


1. Walter wird als liebenswürdiger, ehrlicher, fairer Prostitutierter dargestellt, der zu echter Liebe fähig ist.


2. Dr. Bleys Ehe ist das Resultat der Schwulenverfolgung der NS-Zeit. Als Besatzungssoldat in Paris hatte er seine spätere Frau kennnegelernt; geheiratet hatte man, als Bley von einem Kameraden wegen Homosexualität angezeigt worden war. So heißt es in der Novelle (S. 162): "Die Sache wurde niedergeschlagen...Zu meiner größten Überraschung schickte der Kommandant den Denunzianten schon drei Tage später an die Front. Um ein Haar wäre ich in einem Konzentrationslager gelandet."



XII.

 

Korsische Tragödie

In: Romeo und Julius. Erotische Novellen aus

der Welt der anderen. München 1979. S. 256-337.



Borells Erzählung "Korsische Tragödie" hat -wie der Verfasser versichert- einen realen Hintergrund: Auf Korsika werden Männer allein deswegen ermordet, weil sie schwul sind und dadurch die Ehre der eigenen Familie und die ihrer Partner so schwer verletzen, daß die Familienehre nur durch den Tod der Homosexuellen wiederhergestellt werden kann.

Das Todesurteil fällen die Familien; diese bestimmen auch denjenigen, der die Hinrichtung zu vollstrecken hat.

Polizeiliche Ermittlungen pflegen in derlei Fällen entweder im Sande zu verlaufen, oder sie gefährden die ermittelnden Beamten in höchstem Maße, wenn diese der Wahrheit zu nahe kommen.

Borells Erzählung beginnt damit, daß eine Mutter ihren neunzehnjährigen Sohn Pacecoi tot in seinem Bett findet - durch zahlreiche Stiche ermordet; seine Genitalien sind abgetrennt worden.

Pacecois Freund Tino wird als Mordverdächtiger verhaftet; die polizeilichen Untersuchungen ergeben, daß zwischen Pacecoi und Tino eine homosexuelle Beziehung bestanden habe. Dies kann Tinos Familie nicht akzeptieren, zumal Tino und Pacecois Mutter ein derartiges Verhältnis bestreiten.

Auf Initiative von Tinos Familie werden die Ermittlungen fortgesetzt. Monate später gesteht ein angesehener vierzigjähriger Korse die Tat, ohne etwas über deren Motiv zu sagen. Dies aber ahnt Tino: der Sohn des Mörders (der im Folgenden nur wegen Totschlags verurteilt wird) war vor Tino über längere Zeit Pacecois Intimfreund.

Tino wird zwar aus der Untersuchungshaft entlassen, doch fühlt er sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Er kennt das Schicksal seines älteren Bruders, der wegen homosexueller Beziehungen auf Befehl der Großmutter ermordet worden war. Dieses Schicksal sieht Tino auf sich zukommen, doch rettet ihn ein Onkel väterlicherseits, der Tino unter seinen Schutz stellt und seine Mutter warnt, ihren Enkel umbringen zu lassen. Der Onkel liebt Tino, will ihn adoptieren und damit zu seinem Erben machen - und legt ihm nahe zu heiraten. Während eines längeren Aufenthaltes in Nizza lernt Tino durch Initiative des Onkels und seiner Geschäftsfreunde in Frankreich eine kluge und intelligente korsische Studentin kennen. Verlobung und Eheschließung auf Korsika folgen; neun Monate später wird dem Paar der Sohn Gilles geboren. Tino erhält zur Hochzeit von seiner Großmutter eine gutgehende Bar und ein reich ausgestattetes Wohnhaus, von seinem Schwiegervater ein Sommerhaus geschenkt.

All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich Tino in seiner Ehe nicht wohlfühlt. So sehr er seine Frau mag und liebt - Sexualität hat es zwischen ihnen nur in der Hochzeitsnacht gegeben.

Als Enrico, der bekannteste Sportler Kosikas, der in Nizza lebt und dort mit einer lesbischen Frau verheiratet ist, Tinos Bar besucht, verlieben sich die beiden Männer ineinander und haben bald in Tinos abgelegenem Sommerhaus Sex miteinander.

Nach einem schweren Attentat gegen französische Einrichtungen auf Korsika, an dem Tinos Schwager Paolo maßgeblich beteiligt war, muß sich dieser verborgen halten - und zwar in einem Versteck in Tinos Sommerhaus, das weder ihm noch seiner Frau bekannt ist. In diesem Versteck wird Paolo Zeuge einer intensiven sexuellen Begegnung seines Schwagers mit einem Mann, den er nicht kennt. Paolo will beide erschießen, doch kommt er wegen der Dunkelheit in seinem Versteck nicht dazu, so daß Enrico und Tino das Haus nichts Böses ahnend verlassen können. Paolo informiert seinen Vater sofort über das Vorgefallene, was er bald bereut, da er Tino mag; aber es ist zu spät. Kurz darauf verurteilt ein Familiengericht Tino zum Tode; auch Tinos Onkel, sein bisheriger Gönner, hatte zugestimmt. von Tinos Großmutter wird Paolo zum Vollstrecker des Urteils bestimmt.

Nach erneuten Attentaten auf französische Einrichtungen kommt es zur Aussprache zwischen Tino und seiner Frau, die Tinos Veranlagung kennt und akzeptiert und bereit ist, mit ihm die Insel zu verlassen und nach Frankreich zu gehen. Tino ist glücklich, erzählt es seinem Freund Enrico, dessen Freude groß ist.

Als Tino eines Nachts seine Bar abschließt, um nach Hause zu gehen, wird er von Paolo erschossen.

Tino macht in seinem Gespräch mit Enrico vor allem die katholische Kirche verantwortlich für die Verfolgung der Homosexuellen auf Korsika: "Hier herrschen die mittelalterlichen Gesetze einer unbarmherzigen Kirche, deren höchste Priester selbst nicht alle frei sind von dem, was sie laut verdammen" (S. 325). - Dies wird am Ende der Erzählung behauptet. An keiner anderen Stelle des 81 Seiten umfassenden Berichts war bis dahin auf die Religion, auf die Kirche und deren Einfluß auf die Sexualmoral der Korsen hingewiesen oder auch nur angespielt worden, ausgenommen die 15 Zeilen umfassende Einleitung des Verfassers, in der es heißt: Die im Folgenden geschilderte Tragödie habe sich "in unsern Tagen abgespielt. Sie hätte aber ebenso gut fünfzig Jahre früher dort passieren können und wird auf Korsika auch noch fünfzig Jahre spätermöglich sein, denn auch dann noch werden die Menschen dieser Insel...unter dem unseligen und fluchwürdigen Moraldiktat ihrer Kirche stehen, an dem nicht nur Tino...zerbrach" (S. 256). Aus der Erzählung selbst ergibt sich diese Schlußfolgerung nicht. Danach ist es vielmehr die Struktur der Gesellschaft, die zum Haß gegen die Homosexuellen führt.In ihrem Mittelpunkt stehen die Sippenmutter und der "ganze Mann", der sich in der Ehe wie ein Hengst gegenüber seiner Frau benimmt - selbst während deren Schwangerschaften (S. 299).(Erwähnenswert ist, daß Tinos Ehebruch mit Enrico niemanden zu interessieren scheint.) Die Struktur der korsischen Gesellschaft läßt es in der Tat wahrscheinlich erscheinen, daß der Haß auf Homosexuelle bestehen bleibt, daß weiterhin gelten wird: "Es gibt auf der Insel genau so viele Homos wie überall auf der Welt. Ob nun 8 oder 10 auf hundert. Aber sie kuschten unter dem uralten Bannfluch. Sie fühlten sich selber als Verworfene, und viele wanderten rechtzeitig aus. Abertausende junger Männer haben in den letzten zehn Jahren die Insel verlassen...Dutzende hat man als Leichen gefunden. Erstochen. Erschossen. Erwürgt. Ertränkt mit einem Stein um den Hals..." (S. 331).


XIII.

Lockruf

In: Lockruf. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 7-95.



Die Novelle "Lockruf" behandelt das Problem des alternden Homosexuellen, dessen junger, von ihm geförderter Freund sich für einen jüngeren Mann entscheidet. Im konkreten Fall heißt der zwanzigjährige Freund Anton (Toni), der dem fast fünfzigjährigen Sprachlehrer Walter Bildung und Ausbildung verdankt und nun -während eines Parisaufenthalts- einem etwa gleichaltrigen Mann, dem Popstar Claude, begegnet. Zwischen beiden entwickelt sich Liebe, die zur Trennung von Walter führt. Dieser sieht darin den Lauf der Welt und verzichtet voller Wehmut, aber doch bewußt und ohne Selbstmitleid.

Der Text ist glatt; alle Schwierigkeiten lösen sich zu einfach. Dennoch bleiben als Kernprobleme: Altern und Verzicht.


XIV.

Der Mörder kommt an Bord

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 56-90.



Über achtundzwanzig der 34 Seiten scheint es sich bei Borells Erzählung um eine Kriminalgeschichte zu handeln: Der einundzwanzig Jahre alte Schiffstischler André Steputin in Cannes, der auch auf den Strich geht, ist dabei, einen gut durchdachten Coup zu landen. Bei seiner Arbeit auf der Yacht eines reichen Franco-Amerikaners ist er einerseits durch Zufall in den Besitz eines der drei Hauptschlüssel der Yacht gelangt und hat zum anderen festgestellt, daß er dem Sohn des Schiffseigners wie ein Zwillingsbruder gleiche. Sein Plan beruht darauf, sich als dieser Sohn auszugeben und das Interesse und Vertrauen des Mannes zu gewinnen, der seine Yacht neben der "seines Vaters" liegen hat. Dieser Mann, Robert Gabin, ist nicht nur ein reicher Brauereibesitzer, sondern er ist auch homosexuell und besitzt eine exquisite Sammlung hervorragender alter Edelsteine, um die sich jeweils schaurige Geschichten ranken.

André präsentiert sich dem Nachbarn in erotisch aufreizender Pose und hat damit Erfolg, ohne daß Gabin ihm aufdringlich zu nahe tritt. André gewinnt als Rudy Kennedy Gabins Vertrauen, was dazu führt, daß Gabin ihm seine umfangreiche überaus wertvolle Edelsteinsammlung zeigt.

André scheint am Ziel: Gabin niederschlagen, die Edelsteine rauben, mit Gabins Wagen weit weg fliehen und reich sein.

Doch vermag André sein Verbrechen nicht auszuführen. Der menschliche Anstand seines Opfers läßt André nicht zum Täter -zum Räuber oder gar Mörder- werden. Er verläßt die Yacht, beseitigt alle Spuren, bittet Gabin um ein Gespräch, in dem er ihm sein Vorhaben offenbart. Gabin reagiert mit einer Liebeserklärung. Fünf Jahre später adoptiert er Gabin.

Im Sande verläuft das Eingangsmotiv der Erzählung: das Verschwinden des Schiffstischlers André Steputin, das von einer 62jährigen Frau bei der Polizei gemeldet wird. Ein Foto des Verschwundenen zeigt ihn mit äußerst üppigem Bart und langen Haaren. Beides aber hatte André beseitigt, um seinen Coup in Cannes durchführen zu können. Zu einer Aufklärung von Steputins Verschwinden kommt es in Borells Erzählung nicht.



XV.

Nichts als Schwindeleien

In: Romeo und Julis. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 224-255



Der hannoversche Theaterintendant Richard Bornhom lernt in Paris den zwanzigjährigen Laurent kennen; beide verlieben sich ineinander.

Laurent ist Schauspieler, war als Heranwachsender Strichjunge, lebt mit einem 45jährigen Jugslawen zusammen, der äußerst eifersüchtig ist, Laurent prügelt und schließlich mit einem Stilett lebensgefährlich verletzt, als er merkt, daß er sich von ihm trennen und R. Bornholm folgen wolle.
All das ermittelt ein Freund Bornholms, der Elsässer Walter, denn Laurent hatte Richard über seine persönlichen Verhältnisse beschwindelt.
In einem langen Brief legt Walter den Schauspieler seinem Freund ans Herz: "Er ist nicht haltlos, aber ohne festen Halt. Er braucht ...ein Zuhause. Die nötige Führung könnte keiner ihm besser geben als du...Er hat Talent. Und er hat Zukunft - wenn du ihn jetzt nicht fallen läßt...hol ihn dir, ehe es zu spät ist!" (S. 254) Wenig später holt R. Bornhom den genesenden Laurent zu sich nach Hannover.

Von Interesse ist der pädagogische Eros im platonischen Sinne, an den Walter in seinem Brief appelliert.

Im übrigen ist die Geschichte trivial: Ein armer, begabter, attraktiver junger Mann wird von einem erfolgreichen älteren Mann aus der Misere gezogen und gerettet.

 

XVI.

Ob er nun Knecht oder König wär!

In: Lockruf. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 270-304.



Die vorliegende Novelle zeigt die Vorzüge, aber auch die Mängel von Rheins/Borells Texten: Angerissen werden interessante und für Homosexuelle gravierende Probleme (der alternde Homosexuelle, die Bedrohung der Homosexuellen durch die Hitlerbewegung, Prostitution aus sozialen Gründen).

Auf der anderen Seite wirkt vieles im Text konstruiert (der geniale Musikstudent als Waisenjunge und Stricher, der sechzigjährige erfolgreiche Strafverteidiger, der aus Vereinsamung an seinem 60. Geburtstag Selbstmord verübt).

Motive bleiben stumpf, versanden oder versickern: den edlen Stricher Bruno erschüttert der Selbstmord seines Verehrers und Gönners nicht, obwohl er nur wenige Wochen zuvor von einem möglichen Tschaikowski-Schicksal dieses Mannes gesprochen hatte und deshalb - gegen den Willen seines neuen Verehrers- darauf bestand, eine Verabredung mit ihm einzuhalten.

Der amerikanische Botschafter in Berlin -Tom- verkehrt in einem Stricherlokal im Osten Berlins. Dort hatte er bislang einen Favoriten: Jakob, einen Berliner Proletarier, der stark berlinert, das Herz auf dem rechten Fleck hat und als "echt" gilt. Auf den Strich geht er aus sozialen Gründen, um seine Mutter und seinen jüngeren Bruder zu unterstützen; er hat einen festen Kundenstamm.
Jakob wird von Tom "abgelegt", als dieser den hervorragend Klavier spielenden Stricher Bruno kennenlernt, der seinerseits seit Wochen als Verehrer einen erfolgreichen Strafverteidiger -Dr. Ader- hat, der ihn als festen Freund haben möchte, was Bruno aber ablehnt. Dr. Ader verübt an seinem 60. Geburtstag Selbstmord -aus Vereinsamung und aus Angst vor der bevorstehenden Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Tom und Bruno verlieben sich ineinander, finden nach ein paar Wochen voll von Verärgerung (Tom hatte in Bruno einen willigeren Stricher erwartet) und Sehnsucht zueinander. Eine Party in der Botschaft der USA bringt Brunos Durchbruch als Pianist - am selben Abend, an dem Dr. Ader, der in einem Brief Bruno um ein letztes Treffen gebeten hatte, Selbstmord verübt. Bruno hatte den Brief nicht erhalten, ist an Aders Enttäuschung also nicht schuld, doch erschüttert ihn dessen Tod auch nicht sonderlich.

Tom vermittelt seinen bisherigen Favoriten Jakob an einen anderen gutgestellten Freier.

Brunos Lebensgeschichte: Tod seiner Familie durch einen Autounfall. Mit 16 Jahren ist er als Schwuler in seinem Wohnort Dortmund äußerst aktiv, mit 18 Jahren ruft er einen Skandal hervor durch seine Verbindung mit einem Musikprofessor und muß die Stadt verlassen; er geht zum Musikstudium nach Berlin, wo er sich mit wenig Geld durchschlagen muß und deshalb auf den Strich geht. Bruno spricht Englisch, da seine Mutter Amerikanerin gewesen war.

Das Zusammenleben mit Tom hat Bestand. Beiden gelingt "in letzter Stunde", Deutschland zu verlassen. In New York setzt Bruno sein Musikstudium fort und schreibt ein erfolgreiches Musical.



XVII.

Die Stunde der Wahrheit

In: Lockruf. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 199-223.



Im Zentrum der Erzählung stehen ein verheirateter Homosexueller und seine um ein gutes Jahrzehnt jüngere Frau. Beide verbindet Wohlhabenheit und durchaus Zuneigung, nicht aber Sexualität.

Der Mann (Alexander, Deckname: Rolf) unterhält eine Liebesbeziehung zu einem männlichen Fotomodell, das -was Alexander/Rolf nicht weiß- überdies als Callboy für Männer und Frauen tätig ist.

Die Ehefrau hat wechselnde Affären -während der erzählten Zeit vor allem mit dem Fahrer ihres Mannes, mit dem sie zusammenleben und demzufolge sich von ihrem Mann scheiden lassen möchte, wozu dieser prinzipiell auch bereit ist. Doch bewahrt er seine Frau vor diesem Schritt, indem er sie über das Vorleben ihres Liebhabers, der nur an ihr Geld heran will, aufklärt: Er ist Dieb, Zuhälter, Erpresser, Strichjunge und mit einer Prostituierten verheiratet, mit der er ein Kind hat.

Die entsetzte Ehefrau packt ihrerseits nicht aus über den Freund ihres Mannes, als sie merkt, daß der ihn wirklich liebt. Sie hatte den Freund als Callboy/Gigolo kennengelernt, als sie ihn bei den von ihrem Geliebten initiierten Nachforschungen über homosexuelle Beziehungen ihres Mannes besucht hatte.


XVIII.

Sturm der Gefühle

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 278-311.



Die Geschichte berichtet von einem rauschhaften homosexuellen Liebesakt, nach dem einer der beiden Beteiligten den Bolustod erleidet.

Robert ist mit Resi verheiratet, die aber keinen Sex mit ihm haben möchte, woran vor allem Roberts Macho-Gehabe schuld ist.

Ludwig, Resis Bruder, ist schwul und begehrt seinen Schwager schon lange. Nach einem Streit zwischen Robert und Resi kommt es zu einer kurzen sexuellen Begegnung zwischen den beiden Männern, die für Ludwig aber wegen Roberts unsensibler Art unbefriedigend verläuft. Ludwig bringt im folgenden seinem Schwager bei, was unter Liebe und erfüllter Sexualität zu verstehen ist: Beide finden in ihrer "Hochzeitsnacht" (oder auch in ihrem "Schlachtfest") beglückend zueinander - erotisch, sexuell, in Liebe. Für Ludwig aber bedeutet der rauschhafte Akt den plötzlichen Tod, der auch Roberts Leben zerstört und ihn nach Australien auswandern läßt.



XIX.

Der süße Harry und der Menschenkenner

In: Lockruf. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 247-269.



In dieser Novelle/Erzählung beschäftigt sich Borell mit dem Thema Erpressung von Homosexuellen.
Im vorliegenden Fall geht es um die Erpressung eines wohlhabenden Möbelhändlers, der verheiratet ist und vier Kinder hat.
Der Erpresser ist der minderjährige hübsche Junge Harry, der in der vorliegenden Erzählung überdies einen anderen Freier bestiehlt.
Harry ist mit allen Wassern gewaschen und geschickt; er kann sich herausreden, da die Geschädigten keine Interesse haben, daß ihr Umgang mit Strichjungen und ihre Homosexualität publik werden.


XX.

Tätowiert

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 189-243.



Vidal, ein zwanzigjähriger Mann, ist nach dreijähriger Haft aus dem Jugendgefängnis entlassen worden. Sein Bruder und dessen Freund nehmen ihn nicht in ihre gemeinsame Wohnung auf.

Vidal lernt den reichen Fabrikanten Erwin Winter kennen, der sich in ihn verliebt und Vidal als Freund haben möchte, obwohl er über dessen Vergangenheit genaue Erkundigungen eingezogen hatte und über Vidals Verbrecherkarriere informiert ist.

Vidal läßt sich von Winter zunächst aushalten, entwickelt aber zunehmend zu ihm und dessen Frau Isabelle freundschaftliche Beziehungen und Vertrauen.
Als ein Mithäftling, der Vidal im Gefängnis beschützt und mit dem er regelmäßig geschlafen hatte, aus der Haft entlassen wird und -da er über viel Geld ungeklärter Herkunft verfügt- Vidal dazu überreden will, mit ihm nach Brasilien zu gehen, lehnt Vidal ab und festigt sein Ziusammenleben mit Winter und dessen Frau.

Der Titel des Textes bezieht sich darauf, daß Vidal sich im Gefängnis am ganzen Körper hatte tätowieren lassen, diesen "Schmuck" nicht mehr los wird, darunter leidet, weil er dadurch als Knastbruder entlarvt und deswegen kaum eine Frau finden werde.

Vidals Leiden an den Tätowierungen wirkt aufgesetzt und wenig überzeugend. Und dies gilt auch dafür, daß Winter diesen Menschen trotz dessen Vergangenheit zu sich ins Haus nimmt und ihn als ständigen Freund -nicht als einmaligen Sexpartner- haben will. Eine allzu triviale Geschichte!


XXI.

Telegramm aus dem Jenseits

In: Lockruf. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 177-198.



Die Novelle "Telegramm aus dem Jenseits" beschäftigt sich mit dem Schicksal der deutschen Homosexuellen in der NS-Zeit.

Der Architekt Elmar Warner wird wegen Verstoßes gegen § 175a StGB verhaftet und in ein KZ eingewiesen. Ein "Lockvogel" -Hartmut Linz- hatte ihn "überführt". Durch die Recherchen der Kriminalpolizei in diesem Fall werden etwa 200 Männer verhaftet. Warner überlebt die Lager psychisch schwer gestört und stirbt in einer Pflegeanstalt.

Warners Freund, der Chemiker Dr. Klaus Schellenberg, konnte sich im letzten Augenblick in die USA retten, machte dort Karriere und lebt in New York mit einem Lebenspartner zusammen.
Eines Tages -lange nach Kriegsende- erhält Schellenberg ein Lebenszeichen von Elmar Warner, das sich schließlich als Nachricht eines Schizophrenen herausstellt, der in der Heil- und Pflegeanstalt Warner und dessen Schicksal kennengelernt hatte und nach Warners Tod in dessen Rolle geschlüpft war. Dieser Kranke sucht und findet den Lockvogel, der Warner und andere ins Unglück gestürzt hatte, und will an ihm Rache nehmen. Der ehemalige Lockvogel ist mittlerweile Pastor, der seine Denunziationen weder leugnet noch verteidigt, der im Krieg einem russischen Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen hatte und schließlich feststellen mußte, selbst homosexuell zu sein. Daraufhin vollzieht der Rächer seine Rache nicht und fällt schließlich der Hartmut Linz zugedachten Bombe selbst zum Opfer.

Der Text überzeugt in den Passagen, in denen die Verfolgung der Homosexuellen in der NS-Zeit geschildert wird.
Ärgerlich sind Ungenauigkeiten: Die Verhaftung Warners durch die Polizei mit Hilfe eines Lockvogels der HJ kann nicht 1932 gewesen sein; das Lager Bergen-Belsen, in das Warner sofort eingeliefert worden ist, gab es nicht vor 1940.
Befremdlich wirkt das Konstrukt eines psychisch kranken Menschen als Werkzeug der Rache für das, was in der NS-Zeit geschehen ist.


XXII.

Der Unfall

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 335-351.



Der nur 16 Seiten umfassende Text "Der Unfall" hat als novellistisches Thema den Opfertod einer Frau, die nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, um ihrem Mann und dessen Geliebten den Weg zu einer erfüllten Liebe freizumachen.

Frau Brenner ist durch einen unverschuldeten Unfall querschnittsgelähmt. Als ihr dies bewußt wird, schlägt sie ihrem Mann vor, sich von ihr zu trennen, doch verläßt er seine Frau nicht.

Eines Tages begegnet er einem jungen Mann, der seiner Frau verblüffend ähnlich sieht, schläft mit ihm, obwohl er sich als rein heterosexuell empfindet, und sieht dieses Ereignis als eine Art Unfall, über den er mit seiner Frau spricht. Wenig später lernt sie diesen jungen Mann kennen - und mag ihn und rät ihrem Mann, zu ihm Kontakt zu halten. Im Text heißt es: "Sie erlebte unentwegt die zärtliche Hingabe der beiden an sie und wurde darüber doch nicht froh. Ich bin euch im Wege! Dachte sie..." (S. 350) und macht ihnen mit ihrem Selbstmord den Weg frei.

Der Schlußsatz der Novelle lautet: "Der Tod kann nicht nur trennen..." (S. 351); hier verbindet der Tod der Frau die beiden Männer.

Der Text, vor allem sein Ende, ist sentimental und wirkt kitschig. Zur Problemlösung ist er kaum geeignet.


XXIII.

Verdammt noch mal, ich liebe dich

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 7-55.



Die Novelle "Verdammt noch mal, ich liebe dich" berichtet von der tiefen Liebe zwischen dem aufgeweckten, begabten, gutaussehenden Lehrling Gert, der gleichzeitig in München als Strichjunge Erfolg hat, und dem etwa dreißigjährigen Wolf.

Diese Liebe wird während eines Frankreichurlaubs zerstört durch den Einfluß von Bekannten, die mit Wolf und Gert Sex haben wollen. Gert ist schließlich bereit, einem jungen Verehrer nachzugeben - gegen Geld, um deutlich zu machen, daß er dies nicht aus Liebe tue und Wolf treu bleibe-, und auch Wolf gibt dem Drängen eines alten Urlaubsbekannten nach. Darüber ist Gert bestürzt und verläßt seinen Freund für immer. Sein Abschiedsbrief ist gleichzeitig ein Liebesbrief.

Wolf trauert lange um den verlorenen Freund.

Nach Jahren sieht Wolf ein Theaterstück, das ihn fesselt und beim Publikum großen Erfolg hat. Es heißt "Judas"; sein Verfasser ist Gert.

Damit endet der Text - ohne Versöhnung und hart, so sehr auch triviale Versatzstücke den Text bestimmen: reiche Gönner, das glitzernde Cannes, die teueren Strände an der französischen Riviera mit bildschönen Männern, edle und weniger edle Stricher, der arme Junge, der Karriere macht.


XXIV.

Verwirrung der Gefühle

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 91-120.



Borells Text "Verwirrung der Gefühle" -den Titel der berühmten Erzählung homosexuellen Inhalts von Stefan Zweig aufnehmend- behandelt die Beziehung des jungen Düsseldorfer Geschäftsinhabers Dorian zu zwei jungen römischen Männern: einem Polizisten und einem Modisten, die beide miteinander verbunden sind, wenn sich ihre Freundschaft auch dem Ende zuneigt, denn allzu sehr unterscheiden sie sich durch Herkunft, Bildung und Lebensart.

Dorian mag beide, wird in seiner Zuneigung hin- und hergerissen, favorisiert einmal den einen, ein anderes Mal den anderen, mit dem er in Düsseldorf zusammenleben möchte. Am Ende ist es der Modist, der für ein Praktikum nach Düsseldorf kommt. Die beiden Schlußsätze lauten: "Spartaco sah ihn und flog ihm mit offenen Armen entgegen. Und er wußte, daß Dorian ihn noch liebte..." (S. 120).


XXV.

Wackelkontakte

In: Doch die Hölle siegt. Ein erotischer Roman und sechs Geschichten aus der Welt der Anderen. München 1981. S. 244-262.



Mit dieser zwanzig Seiten umfassenden Geschichte erlaubt sich Borell/Rhein einen Spaß. Den Text prägen Ironie und Wortspiele.

Die "Wackelkontakte" sind das, was der Elektrikerlehrling Waldemar bei den Kunden reparieren soll, und sexuelle Wackelkontakte ergeben sich mit diesen Kunden -mal mit einem Mann, mal mit einer Frau. Treue und Beständigkeit sind ihm fremd.
Waldemar ist der bisexuelle Wüst- und Lüstling par excellence. "Merke: es gibt eine ganze Menge Homos; aber es gibt sehr viel mehr Bisexuelle! Mit ihnen ist das immer so eine Sache..." (S. 261).

 
XXVI.

Weg in die Vergangenheit

In: Verdammt noch mal - ich liebe dich. Erotische Novellen aus der Welt der anderen. München 1979. S. 289-334.



Den Weg in die Vergangenheit gehen beide Protagonisten des Textes: Udo, alternder Stricher Mitte zwanzig, und Helmut, ein zwanzigjähriger Student und Wochenendtaxifahrer in München. Ihre unterschiedlichen Biographien weisen eine Gemeinsamkeit auf, über die zunächst nur Helmut Bescheid weiß: eine Liebesbeziehung zu dem Chirurgen Christian. Dieser lebt und arbeitet inzwischen in Persien, wohin Helmut nicht hatte mitgehen können und wollen. In Udo findet Helmut den Mann, der ihn an Christian erinnert und mit dem er zusammenleben möchte. Und Udo erwidert diese Zuneigung; auch er liebt in Helmut den Geliebten seines Geliebten.


Der erfolglos gewordene Stricher steht zu Beginn der Erzählung frierend und hungrig an einer Straßenbahnhaltestelle; dort liest ihn der junge Taxifahrer Helmut auf, lädt ihn zu Würstchen und Bier ein und nimmt ihn schließlich mit in seine Wohnung. Helmut weiß über Udo, der ihn nicht kennt, hervorragend Bescheid und bringt das Gespräch auf den Arzt Christian. Udo mag Christian noch immer, obwohl dieser ihn aus Eifersucht vor die Tür gesetzt hatte. Udos Nachfolger als Christians Freund war Helmut geworden, in dem Christian aber stets Udo gesehen hatte.


Udos Lebensbeichte gegenüber Helmut am folgendenTag umfasst 32 der insgesamt 45 Seiten der Novelle. Sie schildert Udos Versuch, in München eine Lehre zu machen, seine Karriere als Prostituierter, seine Freundschaft mit Christian, der zu ihm hält, obwohl Christians Mutter Udo haßerfüllt ablehnt und er wegen kriminalpolizeilicher Ermittlungen zwei Monate in Untersuchungshaft zubringen muß. Udo berichtet von seiner Lehre als Kameramann, während der er zahlreiche ehemalige Freier als Regisseur, Schauspieler, Beleuchter etc. wiedertrifft. Mit einigen von ihnen, die ihn als Kunden eines Prostituierten gut behandelt hatten, schläft er, ohne sich allerdings bezahlen zu lassen. Als dies Christian hinterbracht wird und er dies bestätigt findet, setzt er Udo vor die Tür und ist für seinen ehemaligen Freund nicht mehr zu sprechen. Udo kann an seine alten Erfolge als Stricher nicht mehr anknüpfen und sinkt immer tiefer.


Helmut fügt hinzu, Christian habe seine harte Haltung bitter bereut; Christian habe wohl keinen Menschen so geliebt wie Udo.


Helmut wird Udos Nachfolger bei Christian; er hält es aus, daß Christians Zuneigung zu Udo diese Beziehung prägte oder belastete oder überschattete.


Am Ende der Novelle will Udo Taxifahrer werden; den Abschluß bildet ein Foto, das Helmut und Udo an Christian in Persien schicken, wobei Borell Kitsch und Übertreibung noch weiterführt mit dem Satz: "Auf die Rückseite (des Fotos) malten sie mit vielen Kringeln, Schleifchen und Blümchen ein urkitschiges Herz. Darunter schrieben sie in Druckbuchstaben: >IN LIEBE VEREINT<. Darunter malten sie -wie Filmstars- ihre Autogramme und schickten es nach Teheran" (S. 334).


Die Novelle enthält einige interessante Aspekte:


1. den bisweilen kurzen Weg vom Lehrling zum Stricher bei entwurzelten Jugendlichen,


2. die Zusammensetzung des "Stricher-Korps":

"Das sind doch fast nur entlassene Fürsorgezöglinge, Vorbestrafte, Spitzbuben, Erpresser oder im günstigsten Fall von daheim entlaufene Burschen wie ich, die jeden Halt verloren und sich selber aufgegeben haben..." -S. 308,

3. den bürgerlichen Tod, den ein Mann (und wenn er verheiratet ist, dessen Familie) erlitt, wenn bekannt wurde, daß er homosexuell ist.


Doch enthält der Text auch eine Reihe Unwahrscheinlichkeiten:


1. Die reife Liebe des zwanzigjährigen Studenten und Taxifahrers Helmut zu einem vier oder sechs Jahre (unterschiedliche Angaben im Text -S. 298 bzw. 333) älteren Stricher, der


2. außerdem in diesem Alter als ehemals erfolgreicher Stricher kaum schon "altes Eisen" sein dürfte,


3. der sexuelle Betrug an Christian als Samariterdienst an vormals anständigen Freiern.


4. Auch die gegen Udo gerichtete Intrige von Christians Mutter und die kriminalpolizeilichen Untersuchungen gegen den Jungen erscheinen in ihrem Dilettantismus realitätsfern.

 

© Gottfried Lorenz.