Marek Krajewski

Der Kalenderblattmörder


Deutscher Taschenbuch Verlag. München 2006



Im Jahre 1927 ist Breslau Deutschlands viertgrößte Stadt, die alle Strömungen widerspiegelt, die im Berlin der "Goldenen Zwanziger Jahre" virulent sind. Der abgrundtiefen Armut der unteren Bevölkerungsschichten stehen bürgerliche Wohlhabenheit und Dekadenz gegenüber. Alkoholismus, sexuelle Ausschweifungen, Rauschgiftsucht und Gewalt verbinden alle Bevölkerungsschichten.

So jedenfalls schildert der polnische Altphilologe Krajewski, der an der Universität Wroclaw lehrt und Kriminalromane mit dem deutschen Breslau als Handlungsort schreibt, die schlesische Metropole während der Weimarer Republik.
In dieser Atmosphäre haben Weltuntergangspropheten Konjunktur. Einer von ihnen erhält unerwartet Unterstützung von einem Anhänger, der historische Breslauer Morde nachahmt, auf die er bei Archivstudien gestoßen ist. Einer dieser Morde geschieht an einem homosexuellen Rechtsanwalt in einem Schwulen-Bad.

Diese Morde gilt es aufzuklären und weitere Morde zu verhindern. Wie das dem Breslauer Kriminalrat Eberhard Mock gelingt, schildert der Roman.

Die Kripo geht dabei nicht weniger brutal als die Mörder vor: ein Kindermörder und der Untergangsprophet werden durch Selbstjustiz erledigt, der Polizeiapparat wird für private Zwecke eingespannt, das Rechtssysten ist zerstört schon vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten.


Unangenehm fällt ein penetranter schwulenfeindlicher Ton auf, der den Verdacht nahe legt, daß weniger die deutschen Kriminalbeamten als vielmehr der Verfasser etwas gegen Homosexuelle hat, zumal es zu dem paßt, was aus dem Polen der Kaczynski-Brüder über die Oder schallt.


Zu empfehlen nur für Menschen, die nichts einzuwenden haben gegen homophobe Bemerkungen und die antisemistische Schilderung des Regisseurs von Finck alias Finkelsztejn.

 

© Gottfried Lorenz.