Homosexualität und Homosexuelle
in der literarischen Darstellung deutscher Konzentrationslager
unter besonderer Berücksichtigung des Romans
"Im Frühwind der Freiheit"
von
Heinrich Christian Meier


Typoskript zum Vortrag in der Hamburger Buchhandlung Männerschwarm
am 20. September 2007




Liest man bekannte und verbreitete Romane über deutsche Konzentrationslager, fällt auf, daß Homosexuelle darin kaum vorkommen und ihr Schicksal weitgehend unerwähnt bleibt. Denn Homosexuelle waren Kriminelle und unter ihnen eine zu vernachlässigende Größe. Sie wurden in der Männergesellschaft der Konzentrationslager ebenso abgelehnt wie von der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft außerhalb der Lager.

Ihr Schicksal interessierte auch die in der Memoirenliteratur tonangebenden ehemaligen politischen Häftlinge nicht - selbst wenn diese homosexuell oder wegen homosexueller Handlungen verurteilt worden waren. (1) Allenfalls wurden sexuelle Beziehungen heterosexueller Funktionshäftlinge zu jungen männlichen Gefangenen oder Pupenjungen als Sexualpartner der Häftlingsprominenz (2) erwähnt- mit erhobenem Zeigefinger und moralischer Entrüstung.

Begünstigt wurde dieses Schweigen über homosexuelle KZ-Häftlinge durch die Fortdauer der nationalsozialistischen Gesetzgebung gegen Homosexuelle bis 1969. Ihr Leiden in den Konzentrationslagern zu thematisieren, Verständnis für sie aufzubringen und einzufordern, geschweige denn, sich mit ihnen zu solidarisieren, hätte einen selbst in Verruf bringen können.

Doch gibt es Ausnahmen:
1. den emigrierten Journalisten und Schriftsteller Hans Siemsen mit seinem 1940 in London erschienenen literarischen Dokumentarbericht Hitler Youth, der 1947 in Düsseldorf unter dem Titel Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers herauskam (3);

2. den Buchenwald-Überlebenden Eugen Kogon mit seinem 1946 veröffentlichten wissenschaftlichen Standardwerk Der SS-Staat, der in zwei kurzen Passagen Grundsätzliches über das Schicksal der Homosexuellen in den Konzentrationslagern schreibt (4);

3. den Neuengamme-Überlebenden Heinrich Christian Meier mit seinem Bericht So war es und dem Roman Im Frühwind der Freiheit.


Ich werde im Folgenden v i e r bekannte literarische Werke über deutsche Konzentrationslager vorstellen und im Vergleich damit die eigenständige Position von Heinrich Christian Meier herausarbeiten.

Angehörige der älteren Generation, die in der SBZ und in der DDR aufgewachsen sind, kennen aus ihrer Schulzeit Das siebte Kreuz von Anna Seghers (5), die Jüngeren überdies den 1958 erschienenen Roman Nackt unter Wölfen von Bruno Apitz (6) und den gleichnamigen Film aus dem Jahre 1963. Für die Schüler der thüringischen und sächsischen Bezirke der DDR war im Zusammenhang mit der Lektüre des Buches von Apitz und mit dem Gemeinschaftsbesuch des genannten Filmes eine Fahrt in das ehemalige KZ Buchenwald obligatorischer Teil des Unterrichts oder der Vorbereitung auf die Jugendweihe.

Die beiden Romane und der Film entsprachen den ideologischen Vorgaben und den kulturpolitischen Forderungen der SBZ und DDR: Das KZ ist in diesen Werken Hintergrund eines Handlungskonzeptes, das eine Botschaft im Sinne der regierenden Partei vermitteln will: die Überwindung des Nationalsozialismus durch Sozialismus und Kommunismus.

Thema von Anna Seghers' Roman Das siebte Kreuz ist nicht das Leben und Sterben in einem Konzentrationslager, sondern die Flucht von sieben Häftlingen - deren Schicksal und vor allem der Sieg eines der Geflohenen über seine Verfolger. Die Gefangenen des fiktiven Lagers Westhofen (7) bleiben gesichtslos; und wenn auch die Lagerführung deutlicher hervortritt, so dienen SS und Gefangene nur als Katalysator der Vorgänge außerhalb des Lagers - sie reagieren und kommentieren. Konturen gewinnen - in unterschiedlichem Grade - nur die sieben Entflohenen mit ihrem sehr unterschiedlichen politischen und persönlichen Hintergrund und deren Helfer außerhalb des Lagers. Auf die Häftlinge warten im Konzentrationslager Westhofen sieben "Kreuze", an denen sie zu Tode gebracht werden sollen.
Drei der geflohenen Häftlinge werden von der SS eingefangen, einer in Mainz erschossen, ein anderer stellt sich freiwillig, und Aldinger bricht, bedingt durch Alter und die Strapazen des Lagers und der Flucht, angesichts seines Dorfes tot zusammen und wird dort würdig beerdigt. Einem aber, dem klassenbewußten kommunistischen Arbeiter Georg Heisler, gelingt mit Hilfe zahlreicher Helfer aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten, vor allem aber von Seiten der Kommunisten im Untergrund, die Flucht ins Ausland. Damit bleibt das für ihn bestimmte Kreuz leer (8) und wird für die Häftlinge im Lager Westhofen zum Hoffnungsträger, läßt sie an die Überwindung der nationalsozialistischen Barbarei glauben.

Der interessante, spannend geschriebene Roman ist in sieben Kapitel mit insgesamt 43 Unterkapiteln gegliedert. Handlungszeit ist das Jahr 1937, Handlungsort das Rhein-Main-Gebiet zwischen Worms und Frankfurt am Main. Die episodische Erzählweise erlaubte Anna Seghers, ein breites Spektrum von Verhaltensformen im nationalsozialistischen Staat darzustellen; Sexualität wird nicht ausgeklammert, Homosexualität allerdings nicht thematisiert, im Fall des entflohenen Häftlings Belloni möglicherweise angedeutet.


Steht in Anna Seghers' Roman das Schicksal von sieben aus dem KZ entflohenen Häftlingen im Mittelpunkt der Handlung, so in Nackt unter Wölfen die Rettung eines dreijährigen jüdisch-polnischen Jungen im KZ Buchenwald durch kommunistische Häftlinge.

Anders als Anna Seghers, die 1933 aus Deutschland hatte entkommen können und deren Roman auf Erlebnisberichten von Häftlingen beruht, war Apitz Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald. Dennoch ist sein Roman nicht weniger fiktiv als Das siebte Kreuz; er ist ein "Heldenepos", dessen kollektiver Held - das kommunistische Internationale Lagerkomitee (ILK)- trotz Rückschlägen und Niederlagen das Böse (die SS, den Nationalsozialismus) überwindet. Der Roman schließt mit der Selbstbefreiung des Lagers unter Führung des ILK. In der Apotheose der letzten Szene wird das vor der Mordlunst der SS gerettete Kind als Symbol der Hoffnung und des Lebens im Triumph durch das Lagertor in die Freiheit getragen. Diese Szene verlangte geradezu nach filmischer Umsetzung.

Die Realität des Lagers Buchenwald sah anders aus. Sie bleibt dem Leser des Romans weitgehend verborgen. Apitz interessieren ausschließlich die kommunistischen politischen Häftlinge und ihre handlungsbedingten Gegenspieler, nur die Kommunisten leisten wirksamen Widerstand gegen die SS, nur sie arbeiten effektiv für die Befeiung des Lagers. Andere Häftlingsgruppen erwähnt Apitz pauschal auf der ersten Seite seines Romans, wobei er die Homosexuellen, deren Schicksal in Buchenwald besonders hart war (9), nicht nennt und sie damit den inhaftierten Häftlingen, den "Grünen", zuordnet.
Weder die Rettung des Kindes Stefan Jerzy Zweig noch die Befreiung des Lagers Buchenwald spielten sich ab, wie dies Bruno Apitz, die antifaschistische Traditionspflege der DDR sowie deren Veröffentlichungen über das Lager Buchenwald darstellen (10).


Nackt unter Wölfen stellt den ideologisch korrekten Gegenentwurf zu dem "bürgerlichen" Roman Der Funke Leben von Erich Maria Remarque aus dem Jahre 1952 dar (11).

Remarque nennt das Konzentrationslager seines Buches Mellern; es entspricht topographisch in vielem dem KZ Buchenwald, vor allem aber sind die geschilderten Ereignisse des Frühjahrs 1945 weitgehend identisch mit denen in Buchenwald.
Zentrale Romanfigur ist der Häftling "509" (= Friedrich Koller), ein politischer Gefangener, aber kein Kommunist, sondern ein demokratischer Humanist und somit ein "bürgerlicher" Held. "509" beobachtet das Wirken seiner kommunistischen Mithäftlinge, mit denen er zusammenarbeitet, nicht unkritisch; er fürchtet, daß sie ein neues totalitäres System aufbauen, sobald sie die Macht haben.
Die Vertrauten von "509" sind recht unterschiedlicher Herkunft, bilden keine "Einheitsfront" wie die kommunistische Fraktion der im Untergrund arbeitenden Lagerleitung (12). Sie unterliegen keiner Parteidisziplin, haben keine gemeinsamen politischen Zukunftspläne, setzen ihre Hoffnung auf das Vordringen der amerikanischen Truppen, die das Lager schließlich auch befreien - unterstützt von bewaffneten politischen Lagerhäftlingen. "509" fällt im Kampf. Die Befreiung vollzieht sich nicht als Apotheose, sondern führt zu Erschöpfung, Ernüchterung und Unsicherheit über die Zukunft.
Eindringlich schildert Remarque das Schicksal eines Kindes im Lager, doch vermeidet der Verfasser hierbei Heroismus und Trivialität. Der elfjährige Junge Karel wird nach der Befreiung von dem amerikanischen Regiment adoptiert, das zuerst im Lager eingetroffen war.
Remarque, der weder Häftling eines Konzentrationslagers gewesen war, noch sich seit 1932 in Deutschland aufgehalten hatte, schildert die Lagerverhältnisse wirklichkeitsnäher als der Buchenwaldhäftling Apitz.
Remarque verwendete für seinen Roman zeitgenössische Berichte über deutsche Konzentrationslager. Er erwähnt bisweilen Vorgänge, die unwahrscheinlich klingen, weil sie allzu naive und leichtgläubige SS-Leute voraussetzen. Doch gelingt es ihm, eindringlich das Dahinsiechen und das unaufhörliche leise Sterben vieler Menschen zu schildern und die Korruption von Funktionshäftlingen sowie die Sonderstellung der politischen Häftlinge - ihre Bevorzugung bei Lebensmittelzuteilungen, bei der Freistellung von Transporten und der Einweisung in Funktionsstellen des Konzentrationslagers - darzustellen.

Homosexuelle spielen in Remarques Roman keine Rolle, doch wird ihre Existenz als besondere Gruppe neben politischen Häftlingen, Kriminellen und Bibelforschern (= Zeugen Jehovas) erwähnt (13).

In Berichten über Konzentrationslager werden geradezu toposartig junge männliche Häftlinge genannt, die Funktionshäftlingen als Sexualpartner dienen und sich damit erhebliche Vergünstigungen verschaffen. Auch im Roman Der Funke Leben ist von einer solchen männlichen Hure - Ludwig - die Rede, den zwei Funktionshäftlinge, der Küchenbulle und ein Kapo, mit Geschenken umwerben. Remarque spricht in diesem Zusammenhang von dem "schwulen Bethke", dessen "abnormale Liebe" ein anderer Häftling "für opferbereiter als normale" hält (14).

Daß ein SS-Mann in der dem Lager benachbarten Stadt einen homosexuellen Freund hat, gehört zu den eher unwahrscheinlichen Passagen des Buches (15).


Nur 133 Seiten umfaßt das 1976 erschienene Buch Der siebente Brunnen (16). Es handelt sich dabei um eine Erzählung, gegliedert in 12 Kapitel, die unterschiedliche Episoden eines komplizierten Handlungsgeflechtes gestalten und in den Vordergrund rücken.
Verfasser ist der 1917 in Wien geborene Fred Wander, der französische Internierungslager und die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat.
Wanders inhaltlich äußerst dichter Text ist formal und bisweilen motivisch von Anna Seghers' Roman Das siebte Kreuz abhängig.
Die erzählte Zeit entspricht weitgehend derjenigen der Romane von Remarque und Apitz.
Der Ort der Handlung allerdings wechselt - umfaßt ein kleines Konzentrationslager bei Hirschberg in Niederschlesien, die Evakuierung dieses Lagers während des Winters 1945 in einem Todesmarsch über das Riesengebirge bis Reichenberg (Liberec) im Sudetenland, den Transport der überlebenden Häftlingen in offenen Güterwagen nach Buchenwald und das Lager Buchenwald bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen und bewaffnete politische Häftlinge.

Wanders Text ist ein hohes Lied auf Leiden und Leidensfähigkeit des Menschen, auf Güte, Aufopferung und Hilfsbereitschaft. Er spiegelt aber auch den Überlebenskampf um jeden Preis, menschliche Niedertracht und Gemeinheit, Korruption und Brutalität von Seiten der Lagerleitung und privilegierter Häftlinge wider. Er kommt aus ohne Pathos, ohne Ideologie und Geschichtsklitterung. Die Befreiung des Lagers Buchenwald wird nüchtern berichtet und auch die Unfähigkeit der Kinder, sich darüber zu freuen.

Das 12. Kapitel mit dem Titel Joschko und seine Brüder (17), das den Kindern im Lager gewidmet ist, stellt in seiner Eindringlichkeit und zugleich Schlichtheit und wohl auch seinem Bezug zur Wirklichkeit das Heldenepos von Bruno Apitz in den Schatten.

Die in der Erzählung Der siebente Brunnen agierenden Personen sind sehr verschieden, was ihre Herkunft, Bildung, ihr Verhalten und ihre politischen, religiösen, weltanschaulichen Überzeugungen anbelangt.
Einer der vom Ich-Erzähler häufiger erwähnten Männer - Lubitsch - ist homosexuell und wird ausgesprochen positiv geschildert: als geistig hochstehender Mensch, Kenner der französischen Literatur und der Mathematik. Niemand stößt sich an seiner sexuellen Orientierung (18).


Wenige Monate nach Kriegsende erschien 1946 im Hamburger Phönix-Verlag Christen & Co. ein reichlich einhundert Seiten umfassendes Büchlein mit dem Titel So war es. Das Leben im KZ Neuengamme" .
Sein Verfasser ist Heinrich Christian Meier, dessen Vorwort vom 16. März 1946 mit den fünf Wörtern "ja ich war politischer Gefangener" beginnt. Meier bekräftigt damit die Authentizität der folgenden Ausführungen über das KZ Neuengamme, die eine zusätzliche Bestätigung dadurch erhalten, daß er sie - abgesehen von einem knappen Ausblick auf das Ende des Lagers (19) - mit dem 6. November 1944 abschließt, dem Tag, an dem er in der Uniform der Waffen-SS zur Front "begnadigt", d.h. zur Bewährungsbrigade Dirlewanger eingezogen worden ist (20).

Meiers kurze, aber inhaltsreiche Darstellung enthält überdies "Gebräuchliche Ausdrücke des Lagerlebens" (21), statistische Angaben über deutsche Konzentrationslager, Opferzahlen und eine Auflistung von 53 Außenkommandos des Konzentrationslagers Neuengamme (22).

Meier beschreibt das Lager, wie er es als politischer Gefangener erlebt hat, nüchtern, konstatierend, registrierend, unideologisch.

Der zitierte Einleitungssatz hat eine Fortsetzung: "ja ich war politischer Gefangener, aber nicht für die politischen Gefangenen und nicht als politischer Gefangener schreibe ich dies, sondern als Mensch für alle Menschen, die im KZ waren oder die wissen wollen, wie es dort wahrhaft gewesen ist. Es ist immer der Fehler deutscher politischer Gruppen gewesen, daß sie nur sich sahen, und geringschätzig oder blind die anderen Gruppen nicht mitzählten und vor allem die Einzelnen und Einsamen nicht sehen wollten. Von diesen Einsamen aber ist im KZ gerade ein Strom von Kraft und Menschlichkeit ausgegangen, es waren nicht alles 'politische' Gefangene, obwohl ausnahmslos alle Opfer der Politik waren" (23). Und dieser Satz läßt erkennen, weswegen H.C. Meier weitgehen (24) in Vergessenheit geraten zu sein scheint, denn Meier schildert das KZ Neuengamme nicht als Solidargemeinschaft von Gefangenen, die sich unter der Führung politischer, insbesondere kommunistischer Häftlinge, unter ungeheueren Verlusten gegen die SS behaupten, sondern als komplizierte Klassengesellschaft mit massiven Unterdrückungsmechanismen von oben nach unten, und zwar sowohl unter der Herrschaft einer kriminellen als auch - später - der politischen Häftlingsaristokratie.

Auch Meier sieht die politischen Häftlinge als Avantgarde, begrüßt die Übernahme wichtiger Funktionspositionen durch sie und hält die Bevorzugung politischer Häftlinge durch das von ihnen dominierte Internationale Komitee, das sich seit 1943 gebildet hatte, für richtig (25). Aber er schlußfolgert auch: "Wackere Genossen haben hier und dort gestanden, schweigsame bescheidene Menschen, die mit einem Handschlag, einem guten Wort mehr taten als hundert Lumpen vernichteten. Es waren wenige, die aufrecht im Sumpf des KZ standen - sehr wenige - aber diese wenigen waren Gold wert...Am wenigsten haben sie vielleicht selbst gewußt, wie wertvoll sie an den Arbeitsstätten waren. Diese Aufrichtigen, die nie einen Menschen schlugen, nie einen einzigen bestahlen oder korrumpierten. Ein einziger, Fritz Wagner, der zehn Kameraden das Leben rettete durch milde, gütige Freundschaft, gibt uns das Recht, Hunderten zu verzeihen, die ihre Aufgabe nicht verstanden" (26).

Meier nennt in seiner Schrift alle Gruppen von Häftlingen: Politische und Kriminelle, Bibelforscher (= Zeugen Jehovas) wie Homosexuelle, Juden und Zigeuner, Tschechen, Belgier, Franzosen, Polen, russische Kriegsgefangene und Ukrainer; und er erwähnt die verschiedenfarbigen Winkel mit ihren unterschiedlichen Aufschriften (27).

Ein besonderes Kapitel widmet Meier der "Soziologie des Lagers" (28), in dem er die Schichtung der Häftlingsgesellschaft beschreibt von der "Häftlingsaristokratie" oder "Häftlingsprominenz" als einem hermetisch abgeschlossenen Kreis (29), über deren Nutznießer, Lakaien und Zuträger, von Meier "illegale Prominenz" oder "Halbprominenz" genannt (30), und der Schicht der Häftlings-Handwerker und Spezialarbeiter, die Meier das
"' klassenbewußte Proletariat' des Lagers" nennt (31), bis hin zu den Parias - den "Zugängen" (32) und den Muselmännern - die mit keinerlei Hilfe oder Solidarität von seiten der Mithäftlinge rechnen konnten und die ausgeplündert und bestohlen wurden, wenn sich eine Gelegenheit dazu bot (33).
Meier thematisiert die Brutalität der Häftlingsprominenz, zu der auch politische und ausländische Gefangene gehörten (34), weist aber immer wieder darauf hin, daß auch sie Opfer des nationalsozialistischen Systems seien (35).
Er bewundert die Solidarität unter den Zigeunern und den Zeugen Jehovas (36), die sonst unter den Häftlingen nicht zu finden war, und weist in diesem Zusammenhang auf die offen ausgetragenen nationalen Gegensätze unter den ausländischen Häftlingen hin (37).
Das Buch nennt die Täter mit Namen (38), aber auch vorbildlich auftretende Häftlinge (39).

Meiers Aufzählung der unterschiedlichen Häftlingsgruppen erwähnt an vierter Stelle die Homosexuellen. Er bezeichnet sie ausdrücklich nicht als Kriminelle, sieht den Vorwurf der Homosexualität als Vorwand, um politisch mißliebige Personen, denen anders nicht beizukommen war, ins KZ zu bringen (40).
Ihre Behandlung in Neuengamme war nicht viel anders als in anderen Konzentrationslagern. Ihnen "wurde sofort das Haar geschoren, so daß sie kenntlich waren. Fast ausnahmslos wurden sie sofort nach ihrer Einlieferung in ihrer Zelle verprügelt...Sie waren vollkommen rechtlos" (41).
Meier weicht auch einem anderen Aspekt nicht aus: der im Lager entstehenden Zuneigung zwischen Männern, die nicht homosexuell veranlagt waren, aber während der Haft eine Art Kameradschaftsehe schlossen - mit oder ohne sexueller Komponente (42). Und schließlich kommt Meier auch auf die "Bubis", die männlichen Huren der Häftlingsprominenz (Funktionshäftlinge), zu sprechen - "es konnte so weit kommen, daß 2/3 aller Häftlinge, die in gehobener Stellung waren, sich in irgendeiner Form einen Bubi halten durften, ohne Anstoß zu erregen" (43).

Eine ähnlich umfangreiche und zugleich sachliche Erwähnung der Homosexuellen und homosexuellen Verhaltens ist in der zeitgenössischen Literatur ungewöhnlich.


Meiers Buch über das Leben im Konzentrationslager Neuengamme ist Grundlage seines Entwicklungs-Romans Im Frühwind der Freiheit aus dem Jahre 1949 (44), der in gewisser Weise den Bericht von 1946 illustriert: Alles, was dort zur Sprache gekommen ist, wird in der Romanhandlung aufgenommen, von der zentralen Person des Romans, Joachim, und seinen Kameraden erlebt und erlitten und damit personalisiert und individualisiert und auf einen überschaubaren, wenn auch breiten Personenkreis beschränkt, während die Masse der Häftlinge zusammenschrumpft auf d i e Muselmänner, d i e Polen, Russen oder Franzosen.

Obwohl Meiers Buch der Neuengamme-Roman schlechthin ist, hat es nicht die Bekanntheit der Texte von Anna Seghers, Bruno Apitz, Fred Wander oder Erich Maria Remarque erreicht und ist heute weitgehend vergessen. Auffälliger- oder eigentümlicherweise wird es auch in den Bücherlisten der homosexuellen Zeitschriften Die Insel und Der Weg in den 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht erwähnt (45).

Im Frühwind der Freiheit ist ein fiktives, autobiographisch geprägtes literarisches Werk, das einen Blick auf die Persönlichkeit des Verfassers notwendig macht:

Geboren wurde Heinrich Christian Meier am 5. April 1905 in Altona (46).
Von Seiten seiner Mutter her war er friesischer Abstammung, wie er in seinen autobiographischen Skizzen Die Eselsgeschichten betont (47).
Meier besuchte zunächst im preußischen Altona die Schule, wechselte aber bald in das liberalere Hamburg (48).
Am 1. September 1924 bestand er das Abitur (49) an der Lichtwarkschule, die er seit Ostern 1921 besucht hatte. Diese Schule galt als Reformgymnasium. Meier interessierte sich für Literatur, Geschichte, Philosophie, Religion und hebt in den Eselsgeschichten hervor, auf der Lichtwarkschule das Zeichnen, den Umgang mit Anilinfarben und das Aquarellieren (50) gelernt zu haben, was zu dem Wunsch führte, Maler zu werden (51).

Durch den Schulleiter Dr. Georg Jäger lernte Meier während seiner Zeit an der Lichtwarkschule u.a. den Hamburger Schriftsteller Hans Henny Jahnn kennen. Mit Jahnn verband ihn später Freundschaft, über ihn verfaßte er Aufsätze, ihn besuchte er auf Bornholm. Und so war es folgerichtig, daß sich Meier der von H.H.Jahnn und dessen Freund Gottlieb Friedrich Harms gegründeten Glaubensgemeinschaft UGRINO anschloß - sowohl vor als auch nach der nationalsozialistischen Zeit (52).
Seit 1925 studierte Meier Literatur, Französisch, Philosophie und Psychologie an der Universität Hamburg (53); 1927 wurde er dramaturgischer Assistent am "Reußischen Theater" in Gera; überdies war er als Schriftsteller und Publizist tätig. Seit 1920 fasziniert von den
Gestirnen, veröffentlichte Meier in den 30er Jahren und nach dem 2. Weltkrieg unter dem Namen Meier-Parm oder dem Pseudonym "Erasmus Parm" Bücher zur Astrologie (54).

1938 wurde Meier wegen Widerstands gegen das NS-Regime verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt (55). Seine Strafe verbüßte er u.a. im Emslandlager Neusustrum; 1941 erfolgte seine Einweisung in das KZ Neuengamme, wo er bis zum 7. November 1944 blieb; anschließend wurde er der Bewährungseinheit Brigade Dirlewanger zugeordnet und gelangte mit ihr nach Krakau, in die Slovakei und im Frühjahr 1945 nach Brandenburg. Am 29.4.1945 geriet er bei Halbe in sovetische Kriegsgefangenschaft und wurde im Lager Sagan in Niederschlesien interniert. Am 23. November 1945 wurde Meier nach Hamburg entlassen. Dort erhielt er die "Identification Card" und damit eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln als die übrige Bevölkerung sowie eine finanzielle Entschädigung (56). Ab Ende 1945 war Meier Kulturreferent des "Komitees Politischer Gefangener" und als solcher Mitbegründer und zeitweise Geschäftsführer des "Kulturrates der Hansestadt Hamburg". Außerdem war er stellvertretender Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Neuengamme" ("Amicale Internationale") (57) und Herausgeber der Schriftenreihe "Das Neue". 1948 arbeitete Meier kurze Zeit Dramaturg am Hamburger Schauspielhaus (58). Seit 1950 ist er freier Schriftsteller; auf seinem Briefkopf stand: "Schriftsteller und Dramaturg".
Meier engagierte sich in zahlreichen Gruppierungen links von der SPD - in der Volkskongreßbewegung, im Ausschuß für die Einheit Deutschlands, im Kampf gegen die Wiederbewaffnung, in der VVN, in der Initiative "Kampf dem Atomtod"; Meier publizierte in Zeitschriften der westdeutschen Linken und der DDR und hielt sich darüber hinaus längere Zeit in der DDR auf.

Zu seinem 80. Geburtstag am 9.4.1985 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Artikel unter der Rubrik Menschlich gesehen ; am 1.9.1987 meldete die BILD-Zeitung Hamburg Meiers Tod.
Begraben ist Heinrich Christian Meier auf dem Ohlsdorfer Friedhof in der Nähe des Grabes von Wolfgang Borchert.

Meiers 1931 geborene Tochter bezeichnet ihren Vater als stattlichen und gut aussehenden Mann, als humorvoll, großzügig, humanistisch denkend, als diskussionsfreudig, kultur- und bildungsbeflissen, aber auch als einen Feuerkopf, als aufbrausend und als einen Menschen, der mit seinen Mitmenschen schwer auskam. Überdies sei er ein Gesundheitsfanatiker" gewesen, der weder geraucht noch Alkohol getrunken habe (59).


Meiers Roman Im Frühwind der Freiheit ist literarisch ambitioniert und weist eine komplizierte Struktur auf. Seine Handlung ist eingebettet in einen doppelten Rahmen: Ein Angehöriger eines Bewährungsregiments (als Ich-Erzähler) erhält von einem Kameraden - Martin - ein Manuskript zur Aufbewahrung, in dem dieser als allwissender Erzähler über die Erlebnisse des jungen Flensburger Malers Joachim im Konzentrationslager Neuengamme bis zu seiner Übernahme in ein SS-Bewährungsregiment berichtet (60).
Am Ende des Romans wird dieses Regiment aus der Slovakei nach Brandenburg verlegt; Martin fällt, und dem Ich-Erzähler wird von dessen Regimentskommandeur befohlen, Martin würdig beizusetzen (61). Martins Manuskript scheint der Ich-Erzähler durch die Wirren des Krieges gerettet und für die Nachwelt bewahrt zu haben - im Roman schweigt sich der Autor darüber aus. Möglicherweise wollte er die Fiktion eines während der Haft in einem KZ verfaßten Manuskripts nicht zu weit treiben, da der autobiographische Bezug des Romans offensichtlich ist.

Gewidmet hat Meier den Roman denen, "welche das unsägliche Leid mit mir durchlitten, aber unsere Befreiungsstunde nicht mehr erlebten."
Auf Grund von Meiers Biographie können damit sowohl der Ich-Erzähler als auch Joachim als alter ego des Autors gesehen werden, der Maler hatte werden wollen, jahrelang in Neuengamme inhaftiert und schließlich in einem SS-Bewärungsregiment gelandet war.
Auf den Autor weisen auch Gedankengänge Joachims, die denen des Hamburger Schriftstellers H.H.Jahnn verwandt sind, sowie Joachims astrologischen Interessen und seine Verbundenheit mit dem Sternbild Orion.
Andererseits: Joachim ist nicht identisch mit dem Verfasser (62) - er ist wegen Rassenschande in Haft (62a), stammt aus Flensburg (63), i s t Maler (64).

Der Roman Im Frühwind der Freiheit schildert in der Tradition des deutschen Entwicklungsromans Joachims Weg vom einfachen, gequälten, fast zu Tode schikanierten und dahinvegitierenden Gefangenen zu einem philosophisch-nachdenklichen und politisch bewußt agierenden Häftling. Ein zentraler Begriff des Romans ist "Freiheit", zu der Joachim findet. Er wird ein innerlich freier, unabhängiger, eigenständiger Mensch.
Im Lager wird Joachim Schützling und kritischer Mitstreiter eines einflußreichen belgischen kommunistischen Mitgefangenen. Als Funktionshäftling niedrigen Ranges hat Joachim Macht über die unter ihm stehenden Lagerinsassen - und ist zugleich ohnmächtig gegenüber der Häftlingsprominenz und selbstverständlich der SS. Am Ende wird er zwangsweise zur Waffen-SS eingezogen.


Sechs Aspekte dieses Romans sollen im Folgenden herausgearbeitet werden:

I. Die Klassensgesellschaft der Häftlinge des Konzentrationslagers Neuegamme mit Kämpfen um Einfluß, Macht und Machterhalt, mit Privilegien, Korruption und geradezu institutionalisierter Ungleichheit.

II. Der Mangel an Solidarität unter den Häftlingen im täglichen Kampf um das Überleben.

III. Die Kollaboration von Funktionshäftlingen mit der SS.

IV. Die kritische Sicht auf das Verhalten vieler Funktionshäftlinge mit dem roten Winkel.

V. Die Würdigung des Schicksals homosexueller Gefangener und homosexueller Beziehungen im Konzentrationslager Neuengamme.

VI. Die Zerstörung Hamburgs 1943, gespiegelt im Erleben der Häftlinge des Konzentrationslagers Neuegamme.

VII. Die "Begnadigung" zum Fronteinsatz und das Gefühl, damit "um den Befreiungstag betrogen" worden zu sein.

I.

Joachim erlebt das Konzentrationslager Neuengamme als eine festgefügte Klassengesellschaft mit:

1. einer schmalen Schicht von Privilegierten, die alles tut, um ihre Macht zu erhalten und ihre Privilegien auszubauen;

2. einer etwas größeren Gruppe von Nutznießern (65) der Häftlingsaristokratie und

3. der breiten Masse von Gefangenen ohne Rechte, ohne Hoffnung, ohne Hilfe (66).
Zu dieser letzten Schicht gehört Joachim als "Zugang" aus einem Emslandlager (67). Prügel, Schikanen, Schwerstarbeit, Krankheiten (68) überlebt er nur durch Zufall, bis ihm mit Hilfe anderer der "Aufstieg" in der Häftlingsgesellschaft gelingt.

II.

Der tägliche Überlebenskampf läßt zwischen den meisten Häftlingen keine Solidarität aufkommen. Denunziationen (69), Diebstähle und Unterschlagungen (70) sind an der Tagesordnung, ebenso nationale (71) und politische Gegensätze und Sympathien, die entweder dazu führen, einem Mithäftling zu helfen oder ihn fallen und damit sterben zu lassen.
Und selbstverständlich gibt es keine Solidarität von oben nach unten.
Das Schicksal der "Muselmänner" interessiert niemanden, es ist längst besiegelt.
Als vorbildlich sieht Joachim den Zusammenhalt der Zeugen Jehovas (72) und der belgischen Häftlinge (73).

III.

So schlimm der folgende Satz auch klingen mag, in den Augen der Masse der Häftlinge stehen viele Funktionshäftlinge und Angehörige der Häftlingsprominenz - ob grün oder rot - der SS näher als den Mitgefangenen. Sie prügeln nicht weniger brutal als die meisten Angehörigen der SS, sind nicht weniger korrupt als sie (74), stellen den vielbeschäftigten Lagerhenker.
Wenn auch der allwissende Erzähle keinen Zweifel daran läßt, daß alle Häftlinge des Konzentrationslagers Neuengamme Opfer eines verbrecherischen Systems sind, so verdeutlicht der Roman doch klar und deutlich das Fehlverhalten von Lagerältesten, Kapos, Blockältesten und Vorarbeitern.

IV.

Joachim erlebt im Lager Neuegamme den Machtkampf zwischen kriminellen und politischen Gefangenen, der mit dem fragilen, immer gefährdeten Sieg der Häftlinge mit dem roten Winkel endet (75), die eine "rote Hilfe" aufbauen und den schwierigen Versuch machen, im Lager internationale Solidarität zu schaffen (76).
Doch verschweigt der Erzähler nicht die Anfälligkeit der roten Häftlingsprominenz für Macht und vor allem Machtmißbrauch (77) und beurteilt deshalb die Gefangenen mit dem roten Winkel wenig positiv (78). Er thematisiert weiterhin deren Spaltung zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten mit den zwischen beiden Gruppierungen herrschenden unüberbrückbaren Gegensätzen (79) und berichtet von der oft engen Zusammenarbeit der politischen Häftlinge mit der SS-Lagerführung (80).
So ist der Lagerälteste Nardes, der zugleich als Lagerhenker fungiert, ein politischer Häftling (81), während der einzige Kapo in Meiers Buch, der sich weigert, einer Anordnung Himmlers Folge zu leisten, wonach die Prügelstrafe im KZ Neuengamme von Funktionshäftlingen statt von SS-Angenörigen zu vollziehen sei, ein gefürchteter krimineller Schläger mit dem grünen Winkel ist (82).

Der Erzähler vermeidet Schwarz-Weiß-Malerei, berichtet von unbestechlichen, um das Wohl der Gefangenen bemühten Männern mit dem roten Winkel (83), stellt dem Lagerältesten Nardes den positiv gezeichneten belgischen Kommunisten Marcel gegenüber, mit dem der individualistisch-idealistische Joachim zunehmend eng zusammenarbeitet. Doch ist Marcel in vielem ein ebenso weißer Rabe unter den politischen Häftlingen (84) wie der SS-Mann Sperling (85) in den Reihen der SS.

V.

Das Besondere von Meiers Roman liegt nicht nur darin, daß er vermeidet, die Häftlinge mit dem roten Winkel im Konzentrationslager Neuengamme zu idealisieren und sakrosankt erscheinen zu lassen, sondern auch in der ausführlichen Würdigung des Schicksals homosexueller Häftlinge.

Eine der zentralen Gestalten des Romans ist der homosexuelle Rechtsanwalt Alfred Bingel (86). Als Homosexueller ist er selbstverständlich ein krimineller Häftling (87). Bingel geißelt Arroganz und Korruption politischer Gefangener und bietet den "Roten" Paroli (88). Er bekennt sich ausdrücklich zu seiner Art zu leben und zu lieben (89). Kurzzeitig fällt Bingel der Instrumentalisiertung der Homosexualität im Machtkampf zwischen den Häftlingsgruppen zum Opfer, kann sich aber schließlich doch behaupten (90).

Bingel gehört zur Häftlingsprominenz - im Gegensatz zu den allermeisten homosexuellen Häftlingen und den Männern, die im Lager bei homosexuellen Handlungen ertappt worden waren. Diese werden diskriminiert, schikaniert, mißhandelt, in den Selbstmord getrieben oder ermordet (91). In den Mithäftlingen mit dem roten Winkel haben sie keine Verbündeten (92).

Meier zeigt in seinem Roman, wie die Denunziation als Homosexueller nicht nur Mittel des Machtkampfes unter den Häftlingen ist, sondern welche Funktion die Verfolgung Homosexueller darüber hinaus hat oder haben kann: die Stabilisierung diktatorischer Staaten (93).

Weiterhin thematisiert Meier und mit ihm der allwissende Erzähler des Romans Im Frühwind der Freiheit die sexuelle Not vieler Häftlinge in einer frauenlosen Zwangsgesellschaft, die nicht wenige von ihnen homosexuelle Beziehungen aufnehmen (44) oder - als Funktionshäftlinge - sich sogenannte Bubis als männliche Huren halten läßt (95).

Und nicht zuletzt sind Homosexuelle maßgeblich an den gelegentlichen Musik- und Theateraufführungen der Häftlinge im Lager Neuengamme beteiligt (96).

Meiers Position zur Homosexualität und zu den Homosexuellen geben vermutlich folgende Sätze Joachims wieder: "wer wollte leugnen, daß es Empfindungen dieser Art unter Männern gibt, oder bestreiten, daß dieser Strom der Zuneigung...ein natürlicher ist? Die Kultur verschließt wohl die Möglichkeit dieser Gefühle, aber die Natur öffnet sie in jedem Geschöpf aufs Neue! Und es gibt Kulturen, welche die Liebe zwischen Männern erlaubt" (97).

VI.

Joachim erlebt die Bombardierung Hamburgs gleichsam als "Mauerschau" der griechischen Tragödie und thematisiert die Folgen der Angriffe.
Das Konzentrationslager in den Vierlanden, das keinerlei Vorkehrung für den Schutz der Häftlinge bei Bombenangriffen getroffen hatte (98), bleibt verschont, doch verbreitet sich unter den Gefangenen aus der Region Angst um das Schicksal der Angehörigen (99).
Als Folge der Zerstörung der Stadt müssen dort Gefangene aus Neuengamme Aufräumarbeiten leisten, die mit den Beutezügen der SS, den Alkoholexzessen und dem wenig pietätsvollen Umgang mit den Opfern des Bombenkrieges im Roman ausführlich geschildert werden (100).

So verhaßt Joachim das nationalsozialistische Regime ist, die Zerstörung Hamburgs schmerzt ihn. Und über die sich seit der Schlacht um Stalingrad und der Landung der West-Alliierten in Italien abzeichnende Niederlage Deutschlands, die nach der Invasion in der Normandie nur noch eine Frage der Zeit ist, empfindet Joachim im Unterschied zu den ausländischen Häftlingen keine Freude. Seiner Ansicht nach wird dem Zusammenbruch Deutschlands derjenige Europas folgen (101).

VII.

Je länger der Krieg dauert, je höher die deutschen Verluste sind, desto größer ist der Bedarf an Soldaten. Aus diesem Grunde greift die Reichsführung zunächst auf deutsche kriminelle Häftlinge zurück und zieht sie "auf Bewährung" zur Wehrmacht ein (102).
Später werden deutsche politische Häftlinge in die Waffen-SS eingegliedert. Der allwissende Erzähler schildert diesen Vorgang in Neuengamme - die Aufnahme von Häftlingen mit dem roten Winkel in die SS - als "freiwilligen Zwang", und Meier nennt in seinem Neuengamme-Bericht So war es die Einheit, der man sie zuweist, ein "Bewaffnetes KZ" (103).

Joachim wird mit anderen ehemaligen politischen Häftlingen von Neuengamme über Berlin nach Krakau transportiert (104).

Den allwissenden Erzähler des Romans, Martin, verschlägt es in die Slovakei, wo er dem Ich-Erzähler sein Manuskript über Joachim aushändigt. Kurz vor Kriegsende fällt Martin in der Niederlausitz und wird vom Ich-Erzähler auf Befehl seines Vorgesetzten beigesetzt (105).

Die in Uniformen der Waffen-SS gesteckten politischen Häftlinge fühlen sich um die Befreiung des Lagers Neuengamme betrogen (106), wobei zu fragen ist, ob sie diese erlebt hätten und nicht in der chaotischen Situation in Neuengamme unmittelbar vor Kriegsende oder infolge der Evakuierung des Lagers z.B. auf der "Cap Arcona" oder der "Thielbek" - umgekommen wären.


Die Frage, warum Meiers interessanter und höchst verdienstvoller Roman in Vergessenheit geraten ist, läßt sich nicht leicht beantworten.
Seine Darstellung der Lagerhierarchie, seine Kritik an der "roten" Häftlingsprominenz und an der kommunistischen Ideologie (107), seine positive Beurteilung der Homosexuellen können zwar eine gewisse Distanz dem Roman gegenüber erklären (die es bei seinem Erscheinen nicht gegeben zu haben scheint), aber nicht, daß er heute weitgehend unbekannt ist.
Möglicherweise liegen die Ursachen hierfür in der komplizierten Struktur des Buches mit doppelter Rahmenhandlung und zwei unterschiedlichen Erzählern, die dennoch das Schicksal der Hauptperson Joachim nicht zu Ende berichten.
Den Roman Im Frühwind der Freiheit kennzeichnet episodisches Erzählen, das im großen und ganzen der historischen Entwicklung folgt. Dennoch sind die einzelnen Episoden chronologisch nicht immer korrekt einzuordnen. Vor- und Rückgriffe wirken manchmal verwirrend. Redundanzen und Wiederholungen stören ebenso wie Ideen-Überfrachtung und eine nicht selten ausufernde Spekulationsfreudigkeit. Der Verfasser erzählt zu wenig konsequent und konzis. Die Schreibweise von Namen differiert, und zu ein- und demselben Ereignis werden bisweilen unterschiedliche Angaben gemacht.
Möglicherweise liegen in diesen formalen Unzulänglichkeiten, die ein gutes Lektorat hätte beseitigen können, die Ursachen für den nur kurzzeitigen Erfolg des Romans.
In der vorliegenden Form reicht Meiers Roman weder an die literarische Qualität von Anna Seghers Buch "Das siebte Kreuz" heran, noch zeichnet ihn das konzise Gleichmaß der Erzählung von Fred Wander aus - oder auch die Spannung der Romane von Apitz und Remarque.
Als literarisches Werk ist der Roman "Im Frühwind der Freiheit" schwerlich "wiederzuentdecken", wohl aber als Zeugnis für den vorurteilsfreien schriftstellerischen Umgang mit dem Thema Homosexualität in einer Zeit, in der dies von einem heterosexuellen Intellektuellen kaum zu erwarten war.

ANMERKUNGEN:



Vgl. zu Heinrich Christian Meier, Hans Siemsen, Hans Henny Jahnn: Bernhard Rosenkranz und Gottfried Lorenz: Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. lambda Verlag. 2. überarbeitete Auflage. Hamburg 2006.

1. Vgl. z. B. die Autobiographie von Dr. Otto Peltzer: Umkämpftes Leben. Sportjahre zwischen Nurmi und Zátopek. Verlag der Nation. Berlin (Ost) 1955.
Das Buch erwähnt mit keinem Wort, daß der Autor in der NS-Zeit wegen homosexueller Handlungen verurteilt und in der Bundesrepublik Deutschland wegen seiner homosexuellen Veranlagung diskriminiert worden war.

2. Vgl. z. B. Nico Rost: Goethe in Dachau. Verlag Volk und Welt. Berlin (Ost) 1948, Berlin 1999
Das reichlich 300 Seiten umfassende interessante Tagebuch erwähnt - und dies zurückhaltend- an einer Stelle sexuelle Übergriffe des Lagerältesten (Funktionshäftling) auf zwei junge russische Gefangene: S. 62.

3. Bibliographische Hinweise zu dem Buch "Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers": Komet Verlag. Düsseldorf 1947;
LitPol Verlag. Berlin 1981
Verlag rosa Winkel. Berlin 2000.
Erstausgabe in englischer
Sprache: 1. Auflage: Lindsay Drummond Ltd. London 1940
2. Auflage: Lindsay Drummond Ltd. London 1941.

Hans Siemsen (1891: Dorf Mark bei Hamm - 1969: Essen), Schriftsteller und Journalist, emigrierte 1934 nach Paris, gab 1935 den Nachlaß seines Freundes Joachim Ringelnatz heraus, wurde nach Beginn des 2. Weltkriegs im französischen Lager Colombes interniert, floh 1941 über Portugal in die USA und kehrte 1948 zunächst nach Frankreich und wenig später nach Deutschland zurück.
Entstanden ist Siemsens knapp 200 Seiten umfassendes Buch "Hitler Youth" in Paris. Es handelt sich hierbei um eine frühe zeitgenössische, bisweilen romanhafte Darstellung der Hitlerjugend (HJ) aus der Sicht eines emigrierten Kenners dieses Jugendverbandes. Sie beruht auf dem Bericht eines aus dem Rheinland stammenden Hitlerjungen mit dem fiktiven Namen Adolf Goers. Nach vier Monaten Haft und Mißhandlung im KZ Columbia-Haus in Berlin und unmittelbar vor einer neuen Verhaftung hatte er ins Ausland entkommen können, war nach Spanien gegangen, hatte dort auf Seiten der Internationalen Brigaden gekämpft und war dort am 23. 12. 1937 gefallen.
Siemsen widmet diesem fiktiven jungen Mann sein Buch, das erst 1947 in Deutschland erschien, und zwar unter dem Titel "Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers".
Die zwölf Seiten lange Einleitung "Wie und weshalb dies Buch entstanden ist" und vier zwischen Mai und November 1937 geschriebene fiktive Briefe von Adolf Goers an Hans Siemsen haben die Aufgabe, den authentischen Charakter des Buches hervorzuheben. Dies war notwendig, um den Text glaubwürdig erscheinen zu lassen, damit es von deutscher Seite nicht als bloße Feindpropaganda abgetan werden konnte.
Brisant war Siemsens Buch für die Nationalsozialisten in mehrfacher Hinsicht, denn es informiert über das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit - über die ungeheuere Korruption in der Führungsschicht, über die Willfährigkeit der deutschen Justiz gegenüber den zahlreichen größeren und kleineren Führern aller Parteigliederungen, über Trinkgelage, Alkoholismus, Dummheit und Unfähigkeit, über Brutalität, Denunziationswut und Intrigensucht der Verantwortlichen. Die Idee der Volksgemeinschaft wird mit Füßen getreten; wer aufmuckt oder konstruktiv Kritik äußert, wird verhaftet.
Ein Hauptthema des Buches sind die in der HJ verbreiteten homosexuellen Beziehungen. Siemsen - selbst homosexuell - vermeidet alles, was Homosexuelle oder Homosexualität diskriminiert oder lächerlich macht, schildert aber ausführlich, wie sehr HJ-Führer bis hin zum Reichsjugendführer ihre Untergebenen auch sexuell an sich binden, wie wenig diese Führer in der Regel Verurteilungen fürchten müssen und wie schwer andererseits ihre Untergebenen bestraft werden mit Gefängnis, Zuchthaus und Einweisung in Konzentrationslager.
Siemsen erwähnt in diesem Zusammenhang, daß im KZ Columbia-Haus in Berlin Gefangene, die wegen Verstoßes gegen den § 175 StGB verhaftet worden waren, eine gelbe Armbinde hätten tragen müssen.
Eine gelbe Binde mit einem schwarzen A - für "Arschficker" - an Arm und Bein kennzeichneten homosexuelle Gefangene im KZ Lichtenburg, in das seit 1934 zunehmend homosexuelle Gefangene eingewiesen wurden. (Die Lichtenburg liegt in Prettin, 17 km nördlich von Torgau.)

Vorlage für die Berichte des fiktiven A. Goers sind die Erfahrungen von Siemsens Freund Walter Dickhaut, der Anfang 1936 nach brutalen Verhören durch die Gestapo aus Deutschland hatte entkommen können. Anders als Goers geht er nicht nach Spanien. Dickhaut flieht 1941 zusammen mit Siemsen in die USA, wo er allerdings als ehemaliges HJ-Mitglied nicht bleiben durfte und deshalb nach Kuba emigrierte. Vgl. Nylands Kleine Westfälische Bibliothek. 3. Köln 2003. Nachwort S. 145f.

4. Vgl. Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der Deutschen Konzentrationslager. 1. Auflage in verschiedenen Verlagen, z.B. Verlag Karl Alber. München 1946,; Verlag der Frankfurter Hefte. Frankfurt am Main 1946; Verlag des Druckhauses Tempelhof. Berlin 1947.
Zitiert wird nach der 22. Auflage im Wilhelm Heyne Verlag. München 1974. S. 71f., 284f.
Eugen Kogon (1903: München - 1987: Königstein im Taunus), Soziologe, Politologe, Publizist, Häftling im KZ Buchenwald von 1939 bis 1945.

Wenn Kogon auch zu den den wenigen zeitgenössischen Autoren gehört, die die homosexuellen Opfer der Konzentrationslager erwähnen, so ist er doch alles andere als homosexuellenfreundlich. So schreibt er (S. 284): "Bei Transporten in Vernichtungslager wie Nordhausen, Natzweiler oder Groß-Rosen stellten sie (die Homosexuellen) im Verhältnis zu ihrer Anzahl den höchsten Prozentsatz, da das Lager immer die verständliche Tendenz hatte, weniger wichtige und wertvolle oder als nicht wertvoll angesehene Teile abzuschieben."
Weiterhin fügt Kogon bei sich verbrecherisch verhaltenden Kapos expressis verbis hinzu, wenn sie homosexuell waren, während er dies bei heterosexuellen Kapo-Tätern nicht tut (vgl. S. 120f., 179).

Kogons Unterscheidung von "wertvollen Menschen" und solchen, die eben weniger wertvoll sind (vgl. z.B. S. 87, 339, 398), entspricht nationalsozialistischem Denken.

Zum homosexuellen Buchenwalder Lagerältesten Wolff und der Intrige der kommunistisch geprägten illegalen Lagerleitung gegen ihn vgl. S. 332f.
Um Wolff zu diskriminieren, erwähnt Kogon dessen Pupenjungen (bei Kogon "Puppenjungen").
Kogon schreibt im Zusammenhang mit Wolff weiterhin: "Da gerade einige anrüchige Häftlinge aus Auschwitz nach Buchenwald gekommen waren, die starke Machtansprüche an den Tag legten, begannen die deutschen Kommunisten einen internen Herrschaftsumsturz zu befürchten". Kogon erläutert den Begriff "anrüchige Häftlinge" nicht. Handelte es sich bei ihnen um Homosexuelle? Auf jeden Fall zeigt die Passage über Wolff, daß Kogon Homosexuellen gegenüber nicht freundlich eingestellt ist.

Zur Ermordung von Hans Himmler, des homosexuellen Neffen des SS-Führers, vgl. S. 375.

Zu medizinischen Versuchen an Homosexuellen vgl. S. 190; zu Homosexuellen in Strafkompanien vgl. S. 216f.

Den Selbstmord eines wegen Päderastie angeklagten SS-Mannes erwähnt Kogon in der ersten Auflage seines Buches (Karl Alber Verlag. München 1946. S. 29), nicht aber in der 22. Auflage (vgl. S. 82f.).

5. Anna Seghers, eigentlich Nelly Radványi, geb. Reiling (1900: Mainz - 1983: Berlin), 1952-1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. Ihr Roman "Das siebte Kreut" hatte internationalen Erfolg: nach einem Teilabdruck in der Moskauer Zeitschrift "Internationale Literatur" (1939) erschien er 1942 in englischer Übersetzung unter dem Titel "The Seventh Cross" im Verlag Little, Brown & Co. in Boston noch vor der deutschen Originalversion, die im selben Jahr im Verlag El Libro Libre in Mexico City herauskam. Nach dem 2. Weltkrieg wurde "Das siebte Kreuz" im Verlag Querido in Amsterdam (1946), im Aufbau-Verlag in Berlin (1946), im Kurt Desch Verlag in München (1947), bei der Büchergilde Gutenberg in Zürich (1949) und im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau (1949) publiziert.
Im Jahre 1944 wurde Anna Seghers' Roman in Hollywood von Fred Zinnemann verfilmt.
Vgl. KLL S. 8706f., Wikipedia unter "Anna Seghers", "Das siebte Kreuz", "Fred Zinnemann".

6. Bruno Apitz (1900: Leipzig-1979:Berlin). Vgl. zu diesem Schriftsteller und seinem Buch "Nackt unter Wölfen", das 1958 im Mitteldeutschen Verlag in Halle erschien und 1963 unter der Regie von Frank Beyer verfilmt wurde: KLL S. 6573f.;
Wikipedia unter "Bruno Apitz" und "Nackt unter Wölfen";
Volker Müller:Das willkommene Heldenlied. Gedenkartikel zum 100. Geburtstag. Berliner Zeitung online vom 28.4.2000;
Wilfried Schoeller: Zum 100. von Bruno Apitz. Gedenkartikel unter Tagesspiegel online.

7. Anna Seghers' Roman beruht auf Berichten von Menschen, die im KZ Dachau inhaftiert gewesen waren.
Der Name Westhofen spielt auf das KZ Osthofen bei Worms an.

8. Die Kreuze und die Zahl "sieben" haben einen hohen Symbolgehalt.
Tatsächlich bleibt nicht nur ein Kreuz - das siebte - leer, sondern durch Aldingers Tod angesichts seines Dorfes und der Erschießung von Belloni in Mainz auch das fünfte und sechste.

9. Vgl. Wolfgang Röll: Homosexuelle Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald. Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald 1991;
Eugen Kogon: Der SS-Staat. das System der Deutschen Konzentrationslager (s. Anm.4) S. 71f., 284f., auch 216f., 332f.

10. Vgl. Zacharias Zweig und Stefan Jerzy Zweig: Tränen allein genügen nicht. Selbstverlag. Wien 2005;
Stefan Jerzy Zweig: Das Kind von Buchenwald. Homepage Dieter Wunderlich 20W05;
Wikipedia unter "Stefan Jerzy Zweig";
B. Niven: The Buchenwald Child. Rezension unter H-Soz-u-Kult/Rezension; Artikel über Willi Bleicher unter www.wirtemberg.de/willi-bleicher.htm; Marcus Jauer: 60 Jahre KZ-Befreiung.Sueddeutsche.de vom 10.4.2005;
Hans Joachim Schädlich: Anders. Rowohlt Verlag. Reinbek 2003. S. 38-46, 53-93;
Helmut Böttiger: Die Tragik der Metereologen. In: Die Zeit online vom 9.10.2003;
Harry Stein: 'Nackt unter Wölfen' - Literarische Fiktion und Realität einer KZ-Gesellschaft. In: "Sehen, Verstehen und Verarbeiten. KZ Buchenwald 1937-1945. KZ Mittelbau-Dora 1943-1945". Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien. Heft 43. Bad Berka 2000. S. 25-63.

Vgl. zum KZ Buchenwald allgemein:
Eugen Kogon (s. Anm. 4);
Harry Stein: Konzentrationslager Buchenwald 1937 - 1945. Begleitband zur ständigen historischen Ausstellung. Wallstein Verlag. Göttingen 1999.

11. Erich Maria Remarque, eigentlich Erich Paul Remark (1898:Osnabrück-1970:Locarno), Volksschullehrer, Journalist, Schriftsteller. Remarque ging 1932 in die Schweiz und nach seiner Ausbürgerung aus Deutschland (1938) im Jahre 1939 in die USA.
Sein Roman "Der Funke Leben" erschien im Januar 1952 unter dem Titel "Spark of Life" im Verlag Appleton-Century-Crofts, Inc., New York und im selben Jahr im Kölner Verlag Kiepenheuer Witsch.
Die hier benutzte Taschenbuchausgabe ist 1988 ebenfalls im Verlag Kiepenheuer & Witsch publiziert worden.
Vgl. zu Remarque: Wikipedia unter "Erich Maria Remarque";
Alexandra Seba: Erich Maria Remarque "Der Funke Leben", Internetausgabe;
ohne Verfasser: Der Funke Leben unter http://www.remarque.nos.de/Schriften/dfl-roma.htm

12. "509 wußte, was Lewinsky meinte. Die Kommunisten bildeten in der unterirdischen Lagerleitung eine besonders zähe, verschlossene und energische Gruppe.. Sie arbeitete zwar mit den anderen zusammen,traute ihnen aber nie ganz und verfolgte ihre besonderen Ziele. Sie schützte und förderte immer zuerst ihre eigenen Leute...509 erwiderte nichts. Er wußte, daß eine Diskussion mit einem Kommunisten ebenso zwecklos war wie mit einem Nazi". (s. Anm. 11 S. 283).

13. s. Anm. 11 S. 143.

14. s. Anm. 11 S. 113-117; Zitat S. 115.

15. s. Anm. 11 S. 351.

16. Fred Wander: Der siebente Brunnen. Taschenbuchreihe des Aufbau-Verlages. Bd. 344. Berlin und Weimar 1976.
Vgl. Rezension von Erika Deiss: Das Handwerk des Überlebens. Frankfurter Rundschau vom 21. 9. 2005;
Klaus Ther: Fred Wander, 11.7.2005 unter http://www.literaturhaus.at/buch/buchfrez.wander;
Robert Schopflocher: Flaschenpost aus der Hölle. Die Zeit Nr. 25 vom 16.6.2005.

17. S. 128-139.

18. Vgl. S. 35: "Lubitsch stammte aus einer alten jüdischen Patrizierfamilie, die in der Slowakei mehrere Zuckerfabriken und große Ländereien besaß. Er konnte besser Französisch als irgendeine andere Sprache, bevor er nach Frankreich emigrierte, und hatte dort sehr bald eine gute Stellung gefunde....Lubitsch war Päderast, aber wen kümmerte das. Er nahm die größten Strapazen und Leiden mit einem Stoizismus auf sich, den niemand begreifen konnte. Seine Welt war die Poesie und die höhere Mathematik. Er fand auch selten ebenbürtige Gesprächspartner"; vgl. auch S. 72.

19. Vgl. S. 117f.

20. Vgl. das Kapitel "Bewaffnetes KZ" S. 119-122; vgl. auch Nico Rost
(s. Anm. 2) S. 170-173.
Während Nico Rost von (einer für ihn unverständlichen) freiwilligen Entscheidung spricht (S. 171), betont Meier den auf die Gefangenen ausgeübten Druck (S. 119f.).

Zur Kommandierung zur Dirlewanger-Truppe vgl. Kogon S. 342f., dessen Darstellung sich in manchem von derjenigen Meiers bzw. Rosts unterscheidet:
Nach Kogon sind in Dachau und Sachsenhausen die politischen Häftlinge "einfach zwangsweise zur Dirlewanger-Aktion abkommandiert" worden. Anders in Buchenwald, wo es bei "der Aufforderung zur freiwilligen Meldung" blieb.
Über Neuengamme sagt Kogon nichts.
Kogon fügt hinzu: "Der letzte Versuch galt 1945 den Homosexuellen, die aber der ihnen zugedachten Ehre nicht mehr teilhaftig wurden." Meier schildert dagegen die Übernahme eines homosexuellen Häftlings (des Freundes von Bingel) in die Wehrmacht für 1943.

21. Vgl. S. 63-67, wobei Meier bei der Erklärung des Wortes "Tunte" (S. 66) einem Irrtum unterlegen ist.

22. Vgl. S. 123-126.

23. Vgl. S. 7.

24. Mehrfach zitiert wird er in: Ulrich Bauche/ Heinz Brüdigam/ Ludwig Eiber/ Wolfgang Wiedey: Arbeit und Vernichtung. Das Konzentrationslager Neuengamme 1938-1945. Katalog zur Ausstellung im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. 2. überarbeitete Auflage. VSA-Verlag. Hamburg 1991.

25. Vgl. S. 111-117.

26. Vgl. S. 69f., auch S. 108, 110, 112f.

27. Vgl. S. 17-20.

28. Vgl. S. 21-36.

29. Vgl. S. 24f.
"Die Abgeschlossenheit dieser Prominenz...war so stark, daß es anderen Häftlingen fast unmöglich war, in diesen exklusiven Kreis einzudringen... Die Kluft zwischen einem Angehörigen der Prominenz und den übrigen Häftlingen war unübersteigbar...und diese Aristokratenschicht, die zum großen Teil aus Lumpen bestand, durfte sich noch das Mäntelchen umhängen, das Selbstverwaltung hieß" (S. 24f.).


30. Vgl. S. 26f.

31. Vgl. S. 27.

32. Vgl. S. 28f.

33. Vgl. S. 29f., 57.

34. Vgl. S. 24, 73-80.

35. Vgl. S. 115.

36. Vgl. S. 31f.

37. Vgl. S. 32-35.
Meier beurteilt die belgischen Häftlinge sehr positiv, die polnischen dagegen ausgesprochen negativ und trifft sich in dieser Beurteilung mit Nico Rost (s. Anm.2) S. 29f., 43, 63, 71, 76, 85, 97f., 171, 174, 176, 197, 213.

38. Vgl. das Kapitel "Wir sind die Elite der Nation" S. 37-47.

39. Vgl. S. 42f. und 80f. (betr. Rechtsanwalt Dr. André Mandryxck) und S. 69f. (betr. Fritz Wagner).

40. Vgl. S. 18: "Nach der Röhmaffäre im Jahre 1934 wurde der Nationalsozialismus in die peinliche Lage versetzt, eine große Anzahl seiner eigenen Anhänger, die nicht kriminell waren, ebenfalls festzusetzen. Er erfand deswegen eine neue Kategorie, die Homosexuellen. Von jetzt ab versuchte die Gestapo mit allen Mitteln, deutsche Staatsangehörige, die man aus den früheren Gründen nicht ins KZ bringen konnte, als Homosexuelle zu entlarven. Darunter viele Vertreter des Hochadels. In einigen Konzentrationslägern mußten die Homosexuellen den rosaroten Winkel tragen. Da aber die Gestapo ihre Fälle behandelte, erhielten manche von ihnen einfach einen roten Winkel."

41. Vgl. S. 46.

42. Vgl. S. 49f.: Nicht jeder habe mit seinen sexuellen Nöten fertig werden können. "Nur wenige sind so rein und natürlich, daß sie die Regelung ihres Drüsensystems der Natur allein überlassen können. Viele halfen ein wenig nach, um sich das Minimum an Lust zu verschaffen, welches der Mensch zum Leben braucht. Aber noch wichtiger ist ein gewisses Anlehnungsbedürfnis...Und so entsteht...die 'Paukerschaft', die beste, die moralisch einwandfreieste seelische Errungenschaft des Lagerlebens.
Ein Pauker ist mehr als ein Freund. Man führt mit ihm eine Kameradschaftsehe, die in der Mehrzahl der Fälle ganz frei von sexuellen Handgreiflichkeiten ist...
Die größte Verlockung sind die jungen Männer zwischen sechzehn und einundzwanzig Jahren, die bei aller Schönheit und Männlichkeit doch noch etwas von jungen Frauen im Wesen haben...Im Lager verwirren sich sehr schnell die Begriffe über das Erlaubte und Unerlaubte, und, da es Hunderte von jungen Männern gibt, die mit älteren Kameraden in einem leise erotischen Verhältnis leben, so liegt die gleichgeschlechtliche Liebe gerade für jeden gesunden Mann überall greifbar auf der Lagerstraße."

43. Vgl. S. 26, 51, 53, 111. Zitat: S. 51.
Ein anderes Wort für "männliche Hure" war "Medium": vgl. S. 111, 64.

44. Heinrich Christian Meier: Im Frühwind der Freiheit. Phoenix Verlag. Hamburg 1949 sowie Progess Verlag - Johann Fladung -. Düsseldorf. München. Hamburg 1954.
Alle Nachweise in den folgenden Anmerkungen beziehen sich auf die Ausgabe von 1954.

Vgl. zu Meiers Roman: Staatsarchiv Hamburg 622-01: Meier Heinrich Christian -218- "Im Frühwind der Freiheit, Roman, Manuskript Teil III, Briefwechsel. Buchausgabe, Hamburg, 1994. Buchbesprechungen 1947-1961."
Die zeitgenössischen, in Zeitungen erschienenen Rezensionen sind durchweg positiv. Zu erwähnen sind:
dpa Kulturredaktion. Hamburg, ohne Datum;
H.M.Petersen in Frankfurter Rundschau vom 7.10.1950;
Literarische Nachrichten, 5. Jg. Dezember 1950, Heft 13/14;
August Kruhm in Bersträßer Anzeigeblatt vom 9.12.1950;
Senator a.D. Franz Heitgres in der VVN-Zeitung "Die Tat", Frankfurt am Main 13.1.1951;
Nürnberger Nachrichten vom 19.5.1951.

Von den ungedruckten Kritiken sind diejenige von Thomas Mann in einem handschriftlichen Brief vom 20.3.1951 und diejenige von Arnold Krieger vom 19.6.1951 positiv.
Die ausführliche Auseinandersetzung von E.K. mit Meiers Roman ist dagegen ausgesprochen kritisch.

Auf der anderen Seite lehnen es sowohl die Büchergilde Gutenberg (Zürich) am 3.10.1950 als auch die Fischerbücherei (Hans Rauschning am 15.9.1961) ab, Meiers Roman in ihr Programm aufzunehmen.


Das Buch kostete 1950 6,80 DM und war für Kameraden der VVN für 4,50 DM zu haben.

Das Angebot einer Übersetzerin vom 7.2.1951, den Roman für monatlich 100,-DM unter dem Titel "Au lever du vent de la liberté" zu übersetzen, scheint Meier nicht angenommen zu haben.

45. August Kruhm aus Frankfurt am Main erbat am 12.10.1950 von Meier ein Rezensionsexemplar für das Bergsträßer Anzeigeblatt, die Lohrer Zeitung und die Zürcher Zeitschrift "Der Kreis".
Auf einer Postkarte aufgeklebt, übersendet Kruhm am 20.12.1950 eine nur elf Zeilen umfassende, aber freundliche Rezension, die am 9.12.1950 im Bergsträßer Anzeigeblatt erschienen war.
Ob Kruhm eine Rezension für die Homosexuellenzeitschrift "Der Kreis" geschrieben hat, habe ich bisher nicht feststellen können.

46. Vgl. zum folgenden biographischen Überblick Maike Bruhns: Russlandbilder. Künstler zeichnen im Zweiten Weltkrieg. Altonaer Museum. Hamburg 1995. S. 41 sowie S. 39-41.

47. Vgl. "Die Eselsgeschichten. Abenteuer einer Jugend". Hansa-Verlag. Hamburg S. 31, 49, 65f.,71f., 128.
Einen Niederschlag findet diese zum Teil friesische Herkunft Meiers im Kapitel "Der Schmöker" seines Romans "Im Frühwind der Freiheit" (S. 39-55).

48. Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 38, 51f.,56.

49. Meiers Abiturzeugnis befindet sich im Staatsarchiv Hamburg unter der Signatur 622-1: Meier Heinrich Christian -11-.
Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 195-199.

In der Charakteristik seines Klassenlehrers Dr. Karl Wiessner kurz vor dem Abitur heißt es: "Von starkem Selbstbewusstsein und zugleich starkem Verantwortungsgefühl der Gemeinschaft gegenüber, hat er sich in der Schulzeit selbständig zu entwickeln versucht. Seine Begabung ist nicht gering; sein Streben und sein Fleiss auf den ihm liegenden Gebieten höchst anerkennenswert. Mehr als in all seinen Klassengenossen fühlt man in ihm den ringenden und werdenden Menschen. Philosophische, ethische, religiöse und politische Fragen standen im Vordergrund seines Interesses."

50. Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 143, 186f.

51. Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 220f.

Für den Abituraufsatz wählte Meier das Thema "Hamburgs moderne Bauten: Ballinhaus und Chilehaus". Das Urteil seines Deutschlehrers Dr. Wiessner vom 25.8.1924 lautet: "Der Aufsatz zeigt die Fähigkeit, ein Kunstwerk zu erfassen und ein Erlebnis zum Ausdruck zu bringen. In der Form erkennt man Beherrschung der Sprache und der Gedanken. So verdient die Arbeit trotz ihrer Kürze und Beschränkung das Zeugnis sehr gut". Und Schulleiter Dr. Jäger fügte hinzu "Mit einigen Bedenken einverstanden."

Im Roman "Im Frühwind der Freiheit" ist Meiers alter ego - Joachim - Maler.
Der Katalog "Russlandbilder" von Maike Bruhns (s. Anm. 46) enthält sechs Porträtskizzen Meiers von deutschen Kriegsgefangenen im sovetischen Kriegsgefangenenlager Sagan aus dem Jahre 1945 sowie ein Selbstporträt des Künstlers und Schriftstellers aus demselben Jahr (vgl. S. 22f. und 39).

52. Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 175f., 184, 193; vgl. weiterhin "Der Dichter auf der Insel" in "Hamburger Freie Presse vom 17.8.1946; "Hans Henny Jahnn" in "Sinn und Form" Nr. 1 und 2. Verlag Rütten & Loening. Berlin (Ost) 1965.
Vgl. weiterhin Anhang II.

Zur Glaubensgemeinschaft UGRINO vgl. Staatsarchiv Hamburg: 622-1 Meier Heinrich Christian - 107 - "Bund zur Erneuerung UGRINO e.V. 1946-1951."

Meier tritt dem "Bund zur Erneuerung UGRINO e.V. Hauptsitz Hamburg" am 26.1.1946 bei. Sein Mitgliedausweis hat die Nummer 007. Auf ihm ist vermerkt "Die Aufnahme ist durch Beschluß des Vorstandes satzungsmäßig erfolgt" und trägt zwei Daten - den 26.1.1946 und den 1.3.1948. Unterschrieben ist der Ausweis vom Vorsitzenden K.Tuschwitz.
Am 31.5.1946 wurde Meier von Geschäftsführer Hans Richters zu Veranstaltungen und zu einer Besprechung am 6. Juni 1946 eingeladen.
Die 1. Mitglieder-Vollversammlung fand am 18.12.1946 im Winterhuder Fährhaus statt, bei der Hans Henny Jahnn über UGRINO sprechen sollte. Die Einladung hierzu weist auf der Rückseite auf eine Lesung aus H.H. Jahnns Werk "Fluß ohne Ufer" durch Wolf Benneckendorff am 14. Dezember 1946 im Museum für Hamburgische Geschichte hin; Meier sollte den "Einleitungsvortrag" halten (ist im Hamburger Staatsarchiv vorhanden) und H.H. Jahnn das Schlußwort sprechen.
Überdies war am 17.12.1946 ein Kammermusikabend mit Musik von Frescobaldi, V. Lübeck und Willaert vorgesehen, bei dem H.H. Jahnn einen Kurzvortrag "über den 12-jährigen, lebenden Komponisten Jann Yngve Trede" halten wollte.
Für ein Orgelkonzert mit Walter Kraft in der Lukaskirche Fuhlsbüttel am 25.6.1947 erhielt Meier vom Bund UGRINO zwei Eintrittskarten.

Wenige Tage später, am 9.7.1947 trat Meier erstaunlicherweise aus dem "Bund zur Erneuerung von UGRINO" wieder aus: "Es gibt eine grosze Anzahl Einsichten, Standpunkte und Befürchtungen aller Art, die mir den keineswegs leichten Entschluss abringen, mich, zum zweiten Male im Leben, der Gemeinschaft Ugrino zu entziehen. Es geschieht hiermit. Ich kündige meine Mitgliedschaft zum 1. Januar 1948."
Doch scheint Meier diesen Entschluß rückgängig gemacht zu haben, da sein Mitgliedsausweis neben dem Eintrittsdatum 26.1.1946 auch - wie oben erwähnt - das Datum 1.3.1948 trägt und er zu den Mitgliederversammlungen am 14. Januar 1948 im Gewerbehaus Hamburg am Holstenwall und am 29.12.1951 bei Alex Hentschel auf der Veddel eingeladen wurde. Auf letzterer Zusammenkunft ist die "Gesellschaft Ugrino e.V." vermutlich liquidiert worden, denn Richters schreibt: "Da wegen dauernder Abwesenheit des Vorsitzenden Hans Richters bisher in diesem Jahr die statutenmäßig vorgeschriebene Jahresversammlung nicht stattfinden konnte, vom Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg uns aber für das laufende Jahr auferlegt wird, ist die Anwesenheit der sich noch verpflichtet fühlenden Mitglieder zwecks Beschlußfassung (erforderlich): Antrag des Vorsitzenden über die Auflösung der Vereinigung als Körperschaft des öffentlichen Rechtes. Wenn diesem Antrag seitens der anwesenden Mitglieder nicht zugestimmt wird, muß erneut eine Vorstandwahl für 1951/52 erfolgen.
Wer aus irgend einem Grunde an der Teilnahme verhindert ist, wird gebeten, sich telefonisch unter Hamburg 386442 zu erklären. Gesellschaft Ugrino e.V. Vorstand. gez. Hans Richters."
Und Meier vermerkt auf der Einladung "zugestimmt 29.12.51" sowie "siehe Eintrag vom 29. Dezember 1951 ähnlich wie im Dezember 1932!"

In der Satzung der kulturellen Vereinigung "Bund zur Erneuerung UGRINO e.V." heißt es:
"Der Verein hat die Aufgabe, die von der früheren 'Vereinigung zur Wahrung der Interessen der UGRINO-Gemeinde E.V.' (gegründet am 5. Februar 1923; Rechtsfähigkeit durch die nationalsozialistische Regierung am 8. Juli 1935 aberkannt) vertretenen Ziele zu verwirklichen.
Er strebt die Sammlung jener Kräfte, denen es um die Erhaltung und Pflege der Werte einer sakralen Kultur zu tun ist. Im Mittelpunkt dieser Bestrebungen stehen die kultischen Werke der Kunst, soweit diese in meisterlichen Schöpfungen verwirklicht sind.
Mittel hierzu:
Herausgabe von Dichtungen und Musikwerken. Konzerte. Vorträge. Aufführungen. Bau von Orgeln und Musikinstrumenten. Glockenguß. Werkstätten zur Wiederherstellung von Kunstwerken. Bildhauerei. Malerei. Glasmosaik".
Mitgliedschaft § 4:
"...Aktive Nationalsozialisten dürfen weder Mitglieder werden noch einen Sitz im Vorstand erlangen."
Organisation § 7:
"... außerdem gehört laut Beschluß der Generalversammlung vom 18.Dezember 1946 der Begründer der UGRINO-Gemeinschaft, der Dichter, Baumeister und Orgelbauer Hans Henny Jahnn auf Lebenszeit dem Vorstand des Vereins an. Er hat das Recht, Beschlüsse des Vorstandes und der Generalversammlung der Mitglieder durch sein Veto unwirksam zu machen, falls diese Beschlüsse künstlerische und weltanschauliche Angelegenheiten betreffen."

53. Vgl. Maike Bruhns (s. anm.46) S. 41.

54. Vgl. "Die Eselsgeschichten" (s. Anm. 47) S. 116 und Anhang I und II.

55. Vgl. Staatsarchiv Hamburg: 622-1: Meier Heinrich Christian -13- "Bescheinigungen und Entlassungsscheine betr. Haftzeit im KZ Neuengamme und russische Kriegsgefangenschaft 1940-1947".
Vgl. aus diesem Konvolut:
Bescheinigung des
"Komitees ehemaliger politischer Gefangener.
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.
Hamburg 39. Maria-Louise-Str. 132" vom 15.8.1947:
"Herr Heinrich Christian Meier, geb. 5.4.05 zu Hamburg-Altona, Beruf Schriftsteller, wohnhaft Hamburg, Breitenfelderstr. 48 war wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom 8.9.1938 bis 3.5.45 im Konzentrationslager Neuengamme in Haft.
Der Ausweis Nr. 2912 des Komitees ehemaliger politischer Gefangener Hamburg ist Herrn Chr.M. laut polizeilicher Verlustanzeige abhanden gekommen."

Die genannten Daten sind nicht korrekt.

56. Vgl. Maike Bruhns (s. Anm.46) S. 41.
Vgl. Staatsarchiv Hamburg: 622-1: Meier Heinrich Christian -13- (s. Anm.55).
Das städtische Gesundheitsamt Breslau stellte Meier am 15. November 1945 einen Entlassungsschein aus dem Lazarett für deutsche Kriegsgefangene und zugleich Passierschein für seine Rückkehr nach Hamburg in polnischer und russischer Sprache aus.
Das 75 Disbandment. Control Unit bestätigte am 19.11.1945 Meiers medizinische Untersuchung und Entlausung am 18.11.1945 und die "Marschrichtung Hamburg".
Am 26. November 1945 stellt der Erkennungsdienst der Hamburger Kriminalpolizei folgenden Entlassungsschein aus:
"Der Heinrich Christian Meier, Hamburg. Blumenstr.53 b./Böttch(er), geb.am 5.4.1905 in Hamburg-Altona, befand sich nach seinen Angaben bis 3.5.45 in Haft und Gemeinschaftsverpflegung und hat von hier einen vorläufigen Personalausweis erhalten. Diese Bescheinigung berechtigt zur Vorlage beim Landesernährungsamt zur Erlangung von Lebensmittelkarten. Herr Meier war politischer Insasse des KL Neuengamme."
Vermerk auf der Rückseite: "In die Versorgung aufgenommen 26.11.45."

57. Vgl. Staatsarchiv Hamburg: 622-1: Meier Heinrich Christian -13- (s. Anm.55), 7. Aktenstück, sowie Staatsarchiv Hamburg: 622-1 -218-: Hans Henny Jahnns Essay "Heinrich Christian Meier zur Einleitung".

58. Vgl. Maike Bruhns (. Anm.46) S. 41 sowie Staatsarchiv Hamburg: 622-1 -32-:
Meiers Verpflichtung als Dramaturg hatte eine lange Kontroverse zur Folge:
Meier hatte am 5.1.1948 vom Intendanten des Hamburger Schauspielhauses einen Vertrag als Dramaturg für die Zeit vom 15. Januar bis 30. Juni 1948 erhalten. Sein monatliches Einkommen sollte 700,-Mark betragen.
Aber schon am 10. Februar 1948 wurde er als Dramaturg wieder beurlaubt. Während Bürgermeister Max Brauer formale Fehler bei Vertragsschluß hiefür verantwortlich machte, sah Heinrich Christian Meier politische Ursachen für diese Maßnahme, da er Vorsitzender des "Ausschusses für die Einheit Deutschlands" in Hamburg sei. Dieser Ausschuß wurde von der SPD der Hansestadt als kommunistisch gesteuert betrachtet.
Angriffe in der SPD-Zeitung "Hamburger Echo" ließen Meier in der Beurlaubung als Dramaturg eine Intrige der SPD sehen, und er trat aus dieser Partei aus. Am 29.3.1948 reichte Meier eine Beleidigungs- und Verleumdungsklage gegen das "Hamburger Echo" ein; und am 4.4.1948 erhob die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger Klage zugunsten von Heinrich Christian Meier. Der Schiedsspruch des Bühnenschiedgerichts Hamburg vom 3.5.1948 gab der Klage auf Vertragserfüllung Recht.
Damit hätte die Angelegenheit abgeschlossen sein können.
Doch fühlte sich Meier in der Öffentlichkeit nicht ausreichend rehabilitiert. So hatte sich der NWDR am 1.6.1948 geweigert, eine Richtigstellung einer Meldung vom 12.2.1948 zu bringen.
Enttäuscht über die Haltung von "Hamburger Echo", SPD und insbesondere Senatsdirektor Lüth, stellte Meier am 15.7.1948 seine Mitarbeit im Kulturrat ein. Unterstützung erfuhr Meier von Eggebrecht, Prof. Rathjen, Jud, Koppel. Am 17.7.1948 forderte Meier die VVN, von der er sich nicht ausreichend unterstützt sah, auf, ebenfalls den Kulturrat zu verlassen.

Eine Beschwerde Meiers gegen Senatsdirektor Erich Lüth bei Max Brauer vom 3.8.1948 wurde nur drei Tage später zurückgewiesen. Ähnliches ereignete sich mit der Schadensersatzklage Meiers vom 14.2.1955 gegen Bürgermeister a.D. Max Brauer, die das Amtsgericht Hamburg am 9.5.1955 ablehnte.

59. Vgl. Gespräch mit Frau Maren Kaiser am 8.6.2006.

60. Vgl. Meier S. 7-12, 465f.

61. Vgl. Meier S. 465-469.

62. Und dasselbe gilt für zahlreiche Personen, die im Roman genannt werden: sie haben ein historisches Vorbild, sind mit diesem aber nicht identisch.
Vgl. für Ahrens (im Roman: Bingel) und Kitta (im Roman: Spitta): Joachim Müller und Andreas Sternweiler: Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen. Schwules Museum. Verlag rosa Winkel. Berlin 2000. S. 154-160.
Der belgische Rechtsanwalt Dr. André Mandryxck (im Roman: Marcel) wird in Meiers Roman in das KZ Ladelund verlegt, nach dem Bericht "So war es. Das Leben im KZ Neuengamme (S. 81) kam er beim Untergang der "Cap Arcona" ums Leben.

62. Vgl. Meier S. 22f., 285.

63. Vgl. Meier S. 15, 113f., 400-403, 407.

64. Vgl. Meier S. 202.
Joachim zeichnet im Roman Häftlingskameraden.
Der Katalog "Russlandbilder" (s. Anm. 46) bildet auf S. 22f. sechs Porträts ab, die Meier 1945 im sovetischen Kriegsgefangenenlager Sagan von Kameraden gemacht hatte.

65. Vgl. Meier S. 169f., 175.

66. Vgl. zum Gegensatz zwischen Häftlingsprominenz und "einfachen" Gefangenen Meier S. 160-166, 217-219, 230.

67. Vgl. zu Joachims Aufenthalt in Neusustrum Meier S. 15, 18, 20, 22f.

68. Vgl. Meier S. 65-69, 96, 217f. Vgl. zur Ruhr- und Typhusepidemie Meier S. 72-78, 85-90, 92-105.

69. Vgl. Meier S. 320, 354, 361, 393, 432f.
Zum Verrat der "Roten Hilfe" durch einen politischen Häftling und "roten" Kapo, um dem "roten" Lagerältesten und Lagerhenker eins auszuwischen, vgl. S. 421f., 425, 429, 432, 437.

70. Vgl. Meier S. 96, 100, 105-107, 172, 183, 229; betr. Unterschlagungen und Diebstähle durch Vorarbeiter und Kapos S. 216f., 282, 294, 319f.

71. Vgl. Meier S. 284 (polnische Nationaldemokraten), 323 (Kroaten wollen keine Jugoslaven sein), 341 (flämisch-wallonischer Gegensatz), 405f. (polnisch-französischer Gegensatz), 402-406 (unsolidarische Haltung polnischer Häftlinge).

72. Vgl. Meier S. 172, 183, 391f.

73. Vgl. Meier S. 173f.

74. Vgl. Meier S. 36f., 126-128, 130-133, 138-142, 151f., 157, 216f., 283, 294, 319, 337, 354, 359, 386.

75. Vgl. zum Machtkampf zwischen politischen und kriminellen Häftlingen: Meier S. 138f., 157f., 165, 184, 187, 191, 197, 221, 229, 258-260; zum Sturz der "Grünen" durch die "Roten" S. 310, 320; zu einer Gegenbewegung S. 364, 366.

76. Vgl. Meier S. 407-409, 412f., 415, 422, 428, 432.

77. Vgl. Meier S. 36f., 130-133, 138-142, 151f., 170, 337, 420, 434.

78. Vgl. Meier S. 26, 59, 162, 165-168, 185f., 259.

79. Vgl. S. 378-380, 383-385, 388-394, 403f.

80. Vgl. Meier S. 25, 166-168, 185f., 190, 205, 246-248.
Vgl. weiterhin folgende Passagen aus einem Gespräch zwischen Joachim und einem Mithäftling, dem "Photographen", wobei dieser sagt:
"Koyken ist zwar gewesener Nationalsozialist und verträgt sich eben deshalb mit den Roten ganz vorzüglich" (S. 165);
"Rot, das ist Drill, Klassenkampf von oben" (S. 165);
"Die in Deutschland regierende Partei hat erkannt, daß die Roten hier im Lager das bestgeeignete Werkzeug sind! Das ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, wo die Herrschaft der Hitlerpartei und die Geltungssucht der Roten in reibungsloser Collaboration zusammenwirken" (S. 166);
über einen kommunistischen Kapo: "Vor diesem roten Scheusal zittern die Häftlinge mehr, als vor Himmler!" (S. 166);
über die Häftlingsaristokratie und die roten Kapos: "Ich weiß, sie werden später nach Hitlers Zusammenbruch ihre Anklage gegen das Nazisystem erheben, im Namen der Opfer, obwohl die Prominenten in ihrer Rolle gerade eine Art Nutznießer dieses Systems gewesen sind!" (S. 168);
vgl. auch S. 26: "Die Kommunisten...sind ordentliche Leute, wenn sie in der Opposition sind, aber sobald sie das Ruder in der Hand haben, offenbart auch ihre Moral einen doppelten Boden."

81. Vgl. Meier S. 118, 139f., 151, 164, 166, 185f., 245f., 295, 309f.

82. Vgl. Meier S. 196-198.

83. Zum Beispiel der Kapo des Lazaretts und ein Arzt- vgl. Meier S. 77, 195.

84. Joachim schildert den belgischen Rechtsanwalt Marcel als rastlos hilfsbereit, fingerkauend, auf sein Äußeres wenig achtend und als Menschen, der sich seines moralischen Dilemmas bewußt ist: Er hilft,Gefangene aus "Todeskarteien" zu entfernen - und muß sie durch andere ersetzen (vgl. hierzu Meier S. 319f., 324f., 341, 344f., 347-349, 356, 382, 385-388).
Vgl. weiterhin die folgende Äußerung eines Kapos: "Ich weiß, daß ich zum Lumpen geworden bin! ...das ist unvermeidlich. Wir alle werden es hier...Glaubt ihr, daß man jeden Tag um Menschenleben feilschen, jeden Tag zehn Menschen über die Kette gehen lassen kann, um einen retten zu können, und das ohne schlecht zu werden? Ich bin ein Lump!" (vgl. S. 336).

85. Vgl. Meier S. 406f., 420, 433.

86. Historisches Vorbild für Alfred Bingel ist der Berliner Rechtsanwalt Theodor (Teddy/Teddi) Ahrens. 1889 in Wismar geboren, studierte er in Berlin und Kiel und ließ sich nach dem 1. Weltkrieg als Rechtsanwalt in Berlin nieder. Ahrens war ein selbstbewußter Homosexueller, übernahm die Verteidigung von Männern, die "wegen Vergehens nach § 175 angeklagt waren", engagierte sich in der Homosexuellenbewegung der Weimarer Republik.
In der NS-Zeit gab es mehrere Verfahren gegen Ahrens wegen homosexueller Handlungen, die eingestellt wurden, vermutlich 1938 aber zu einer Verurteilung und zur Einweisung in das KZ Sachsenhausen führten.
Am 30.9.1940 wurde Ahrens nach Neuengamme verlegt, war dort Leiter der Kartoffelschälküche und somit Funktionshäftling.
Ahrens ist bei der Evakuierung des Lagers Neuengamme am 3. Mai 1945 auf der "Cap Arcona" umgekommen.
Vgl. hierzu: Joachim Müller und Andreas Sternweiler: Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen. Schwules Museum Berlin und Verlag rosa Winkel. Berlin 2000. S. 154-161, 170f., 300.
Ahrens ist Verfasser mehrerer Liedtexte und wirkte an Theateraufführungen im Konzentrationslager mit (vgl. Müller/Sternweiler -s.o.- S. 157-160 sowie Bauche/Brüdigam/Eiber/Widey: Arbeit und Vernichtung. Das Konzentrationslager Neuengamme 1938-1945. VSA.Verlag. Hamburg 1991. S. 188).

Vgl. zu Bingels Tätigkeit als Rechtsanwalt: Meier S. 184, 191; zu Bingels gleichgeschlechtlicher Beziehung im Lager S. 188, 190-193, 272f., 298f., 432,434, 450; zu seiner Tätigkeit als Kapo der Kartoffelschälküche: S. 190f.; zu der Travestienummer zusammen mit seinem Freund im Jahre 1943: S. 231f.

87. Müller/Sternweiler (s. Anm. 86) weisen darauf hin, daß Ahrens in Neuengamme einen roten Winkel getragen habe, allerdings mit der Aufschrift "175" (S. 155).

88. Vgl. Meier S. 184f., 188f., 191, 426f., 429f., 432-437.

89. Vgl. Meier S. 191f.

90. Vgl. Meier S. 272-274, 287f., 296, 419, 424f.

91. Vgl. Meier S. 260, 289f., 296f.

92. Der Roman erwähnt die Ansicht eines kommunistischen Gefangenen, wonach Homosexualität bedingt sei durch die kapitalistische Produktionsweise: "Die Einführung der sozialistischen Produktionsweise...löst die meisten Probleme von selbst, mit denen wir hier im Westen uns herumquälen. So hat in Rußland die Prostitution von selbst aufgehört...Darum gibt es in Rußland keine Homosexualität; denn wo wirtschaftliche Notwendigkeiten dazu nicht vorliegen, kann sie nicht entstehen" (S. 270).

93. Vgl. Meier S. 260, 289f., 296f.

94. Vgl. Meier S. 20-22, 329f.

95. Vgl. Meier S. 37, 159, 402f.

96. Vgl. S. 224, 229-233, 260, 294f., 307-309; zu Bingels Travestienummer bei einer Theateraufführung im Lager im Jahre 1943 vgl. Meier S. 231f. und hierzu Müller/Sternweiler (s. Anm. 86) S. 157.

97. Vgl. Meier S. 271.
Joachim selbst zeigt Zuneigung zu dem jungen polnischen Häftling Grisha, die zwar keine sexuelle Erfüllung findet, aber belegt, daß Joachim möglicherweise eine gleichgeschlechtliche Beziehung eingehen würde (vgl. Meier S. 263-265, 267, 272, 274, 277-286, 295, 297-299, 306f., 322, 329f.).

Das alter ego Joachims - der Autor - scheint keine homosexuellen Neigungen gehabt zu haben, doch belegt seine langjährige Freundschaft mit Hans Henny Jahnn die Toleranz Meiers gegenüber sexuellen Abweichungen.

98. Vgl. Meier S. 233f.

99. Vgl. Meier S. 233f.

100. Vgl. Meier S. 234-244, 246, 248, 363.

101. Vgl. Meier S. 228, 265-270, 360,363, 375-380.

102. Vgl. Meier S. 397f.

103. Vgl. Meier, "So war es. Das Leben im KZ Neuengamme" Phönix-Verlag Christen & Co. Hamburg 1. 1946, S. 119-122.

104. Vgl. Meier S. 464.

105. Vgl. Meier S. 468.

106. Die Überschrift des kurzen Kapitels, das die Rekrutierung zur Waffen-SS und den Transport nach Krakau beinhaltet, lautet "Um den Befreiungstag betrogen" (S. 454-464).

107. Die zweite Ausgabe des Romans "Im Frühwind der Freiheit" erschien 1954 im Progress-Verlag des Kommunisten Johann Fladung.
Meier verfügte über gute Kontakte in die DDR und lebte dort längere Zeit.

Anhang I

Auswahl aus den Schriften von Heinrich Christian Meier



1. Amrie Delmar. Dramatische Historie, uraufgeführt in Gera am
18.2.1929.
Neubearbeitung als Buch "Der Fall Doberan". Robert Mölich Verlag.
Hamburg 1947

2. Aus wachsender Stille. Gedichte. Verlag Robert Mölich. Hamburg 1948

3. Der Dichter auf der Insel (betr. H.H. Jahnn). In: Hamburger Freie
Presse vom 17.8.1946

4. Cenci wie Cenci. Tragödie. 1925 (so in Hamburger Abendblatt:
"Menschlich gesehen" vom 9.4.1985)

5. Elsa Quast. Roman. Verlag der Nation. Berlin (Ost) 1957

6. Die Eselsgeschichten. Abenteuer einer Jugend (autobiographische
Texte). Hansa-Verlag. Hamburg 1970 und Husum 1985

7. Der Fall Doberan. Siehe unter "Amrie Delmar"

8. Fünfzig Jahre Literatur in Hamburg. Hans Christians Verlag. Hamburg
1969

9. Geschenk und Wunder war dein Anruf. Gedichte. 1985.(So in Hamburger
Abendblatt: "Menschlich gesehen", 9.4.1985)

10. Die Götter Roms, dramatische Legende (Manuskript)

11. Goldene Perspektiven. Gedichte. Selbstverlag Delling. Hamburg 1960

12. Die große Änderung. Erzählung. Verlag Robert Mölich. Hamburg 1948

13. Die grüne Insel. Drama, aufgeführt während einer Matinee am 8.4. 1951
in den Hamburger Kammerspielen

14. Hamburg. Kontra. Blätter aus unserer literarischen Opposition =
Literarische Blätter für Zeitgenossen. Hrsg. Heinrich Christian Meier.
Selbstverlag des Herausgebers. Hamburg 1953

15. Das Hamburger Manifest. In: Die Weltbühne. Wochenzeitschrift für
Politik, Kunst , Wissenschaft. Verlag der Weltbühne. Berlin 1948

16. Hans Henny Jahnn. In: Sinn und Form. Nr. 1 und 2 (1965). Hrsg. von
der Akademie der Künste der DDR. Rütten und Loening Verlag.Berlin 1965

17. Im Frühwind der Freiheit. Roman. Phoenix Verlag. Hamburg 1949 und
Progress Verlag - Johann Fladung. Düsseldorf. München. Hamburg 1954

18. In wachsender Stille. Gedichte. Robert Mölich Verlag. Hamburg 1948

19. Macht und Wahnsinn der Begriffe. Der Ketzer Roscellinus. Ebertin
Verlag. Aalen 1974

20. Melodien.
Auswahl aus den Gedichtzyklen:
Dionys im Rebenschiff (Op. 29)
Einhorn im Glanze (Op. 30)
Exkurse (Op. 31) 1961-1968
Verlag des Wassermann. Hamburg 1974

21. Das Neue. Auswahl zeitgemäßer Stimmen. Bd. 1-5. Verlag Robert Mölich.
Hamburg 1946; Bd. 6 ,s.o. 1947

22. Onghers und Oels. Jugenddrama (Manuskript)

23. Sisyphos. Dramatische Legende. Max Kristeller Verlag. Hamburg 1960

24. So war es. Das Leben im KZ Neuengamme. Phoenix Verlag. Hamburg 1946

25. Struensees Sturz. Drama. (Manuskript)

26. Der Sturz in Alhama. Drama. Musik von Robert Pomfrett. Robert Mölich
Verlag. Hamburg 1947

27. Der Tod Heinrichs des Vierten von Frankreich. Drama. Robert Mölich
Verlag. Hamburg 1948

28. Verschüttete Klänge. Gedichte. Verlag Robert Möhlich. Hamburg 1948

29. Wanderer im Wandel. Gedichte. Ellermann Verlag 1935

30. Der Weg ins Sein. Gedichte. Robert Mölich Verlag. Hamburg 1947

31. Das Weib des Soldaten. Groteske Tragödie. Werkkreis Verlag 1929.
Robert Mölich Verlag. Hamburg 1947

32. Zwei neue Handtücher. Zeitstück, uraufgeführt in Hamburg am 5. Mai
1949

Auswahl aus den Schriften von
Heinrich-Christian Meier-Parm = Heinrich Christian Parm = Erasmus Parm



1. Bedeutende Konstellationen der Zukunft. In: 48. Ebertin
Kosmobiologisches Jahrbuch 1977. Ebertin-Verlag. Aalen 1976

2. Die Bedeutung des Planetoiden Vesta im Kosmogramm. In: 47. Ebertin
Kosmobiologisches Jahrbuch 1976. Ebertin-Verlag. Aalen 1975

3. Ein Blick ins Wassermann-Zeitalter. Versuch eines
geschichtlich-astronomischen Rückblicks und Vorausblicks. 1. Auflage:
Uranus-Verlag Memmingen 1937; 2. Auflage: Baumgartner Verlag.
Warpke-Billerbeck 1958

4. Mit dem Horoskop durch die Politik. Die neue Methode der politischen
Astrologie. Ebertin-Verlag. Erfurt 1933

5. Der Planetoid 4 Vesta oder das Prinzip des gastlichen Hauses.
Ebertin-Verlag. Aalen 1974

6. Pluto im Planetenbild verglichen mit Neptun. Uranus-Verlag. Memmingen
1937 und 1939

7. Ratschläge für praktische Astrologen. Baumgartner Verlag.
Warpke-Billerbeck 1955

8. Spannung und Spannungsherrscher. In: 48. Ebertin Kosmobiologisches
Jahrbuch 1977. Ebertin-Verlag. Aalen 1976

9. Der Weise regiert seine Sterne. Leben mit dem Kosmos. Von der
Denkweise der Astrologie, ihre Problematik und ihre Grenzen.
Baumgartner Verlag. Warpke- Billerbeck 1958

Anhang II

Typoskripte
von Arbeiten von Heinrich Christian Meier
über Hans Henny Jahnn



I. Staatsarchiv Hamburg: 622-1: Meier Heinrich Christian -284-

Der Emigrant und Wir (ohne Datum)

II. Staatsarchiv Hamburg: 622-1: Meier Heinrich Christian -293-

unter dem Namen PARM: Wissen Sie etwas von Ugrino? Moderne Religionsstifter. Der Baumeister, Orgelbauer, Dichter und Glaubensgründer Hans Henny Jahnn (1933/34)

Zu 'Über den Anlass' von H.H.Jahnn (nach Jahnns Tod 1959)- endgültige Fassung und Fassung mit zahlreichen Korrekturen
(Meier bezieht sich auf den Vortrag gleichen Titels, den H.H.Jahnn 1952 in Mainz gehalten hatte)

Einleitende Worte... zu einem literarischen Abend mit Wolf Benneckendorff und Jahnn am 14. Dez.1946, Hamburg, im Museum für Hamburgische Geschichte (14.12.1946)

Uraufführung: Neuer Lübecker Totentanz von Hans Henny Jahnn (18.11.1954)

Hans Henny Jahnn gestorben (etwa 4.12.1959 verfaßt)

Hans Henny Jahnn, Dichter und Orgelbauer, Dramatiker und Landwirt, Präsident und Ketzer (zu seinem 70. Geburtstag) (zum 17.12.1964)

Hans Henny Jahnn als Bauer auf Bornholm (zu seinem 70. Geburtstag am 17. Dez. 1964)

Formulieren führt nicht zur Kunst. Einige ketzerische Bemerkungen zum 70. Geburtstag von Hans Henny Jahnn (zum 17.12.1964)

Dr. h.c. Johann Fladung bittet H.Chr. Meier um einen Beitrag über H.H. Jahnn für die Zeitschrift "Kultur und Gesellschaft" (5.9.1974)

Meier schickt einen Nachtrag zu dem am 5.9.1974 erbetenen Text, der in der Zwischenzeit an Fladung geschickt worden sein muß (4.10.1974)

Dem achtzigjährigen Hans Henny Jahnn (zum 17.12.1974)
sowie gedruckte Fassung des Essays "Dem achtzigjährigen Hans Henny Jahnn" mit einem "Kurzen Nachwort" in "Kultur und Gesellschaft" Nr. 12 (Dezember 1974) S. 9f.

Orgelbauer, Pferdezüchter, Dramatiker und Kulturphilosoph - 20 Jahre nach dem Tode von Hans Henny Jahnn (zum 29.11.1979)

Prof. Dr. Girnus erbittet am 19.10.1964 auf Empfehlung der Schriftstellerin Anna Seghers von H. Chr. Meier einen Essay über H.H.Jahnn für die Zeitschrift "Sinn und Form" (19.10.1964)

H. Chr. Meier sagt Prof. Dr. Girnus am 30.10.1964 den erbetenen Essay zu
-------------------------------------------------------------------------

Hans Henny Jahnn: Erste Ansprache
(betr. eine Rede Jahnns in Hamburg "nach 10 Jahren"; vermutlich 1945)

III. Staatsarchiv Hamburg:622-1 Meier Heinrich Christian -218-
enthält den Essay "Heinrich Christian Meier zur Einleitung" (ohne Datum)

© Gottfried Lorenz, 20. 9. 2007; ergänzt 2.10.2007.