Arne Pahlke

Sonne, Blut und Sterne


Himmelstürmer Verlag. Hamburg 2000




Hamburg und Berlin - genauer die Stricherszene und der weibliche Straßenstrich in diesen Städten - sind die Handlungsorte dieses Psychoromans.
Fast alle Menschen, deren Schicksal erzählt wird, sind "auf Droge". Die meisten Personen des Romans leiden unter schweren psychischen Störungen, deren Ursachen vielfältig , ausnahmslos aber in familiären Verhältnissen zu suchen sind, gleichgültig, aus welcher sozialen Schicht der Einzelne stammt.

Die Aufklärung eines Verbrechens an der Hamburger Prostituierten Vivien steht zwar im Vordergrund der Handlung, nicht aber des Buches. In ihm geht es um die kurze Freundschaft zwischen dem Drogendealer Julian und dem sterbenskranken Strichjungen Timo und die längere Freundschaft zwischen diesem und dem aus der Bahn geworfenen ehemaligen Journalisten Sven.
Beide, Sven und Timo, sind am Ende des Romans tot. Julian und seine Freundin Vivien leben - unwahrscheinlich, daß sie eine Chance haben zu überleben.

Für mich ist Timo die überzeugendste Gestalt des Romans. Dem Verfasser gelingt es, ihn und die gesamte Stricherszene kenntnisreich und einfühlsam zu zeichnen, während er den weiblichen Strich eher schablonenhaft schildert.

Der Person des Dealers Julian vermag ich nichts abzugewinnen. Seine Liebe zu Vivien und die kurze Freundschaft zu Timo wiegen sein kriminelles Potential und seine Arroganz nicht auf. Timo, der gläubige, menschliche Stricher, hilft ihm auf Grund eines logisch nicht nachvollziehbaren inneren Rufes, die Freundin Vivien zu retten, und kommt dabei ums Leben. Er stirbt einen Opfertod.

© Dr. Gottfried Lorenz, 5.2.2008