Max Baureis




Auf dem Foto der Kriminalbiologischen Sammelstelle Hamburg (aufbewahrt im Staatsarchiv Hamburg unter 242-4:48) macht er einen ausgesprochen sympathischen Eindruck: Max Baureis.

Geboren wurde er am 2. Dezember 1913 in Hamburg. 1925 starb seine Mutter, zwei Jahre später der Vater. Max Baureis wuchs anschließend im Nienstedter Waisenhaus auf. Er setzte sich durch, absolvierte eine Klempnerlehre, wurde Installateur.
1937 wurde er zum ersten Mal nach § 175 StGB verurteilt und erhielt 5 Monate Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Seine Partner stammten aus der gehobenen Mittelschicht, waren Diplomlandwirt und Katasteramtdirektor.
Am 13. Februar 1939 erhielt Baureis in einem weiteren Prozess wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft.
Die dritte Verurteilung nach § 175 erfolgte am 2.6.1942. Baureis wurde vom Landgericht Hamburg als "gefährlicher Gewohnheitsverbrecher" eingestuft und erhielt 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Sowohl das gerichtsmedizinische Gutachten vom 11.3.1942 als auch das Urteil vom 2.6. desselben Jahres äußern sich widersprüchlich über Baureis: einerseits wird er als "schlaffer, durch exzessives Masturbieren geschwächter" Mensch und als "Gewohnheitsverbrecher auf Grund seiner ausgesprochen homosexuellen Veranlagung" bezeichnet; andererseits wird ein positiver Gesamteindruck hervorgehoben und ausgeführt, dass Baureis ein Mensch sei, "der sich, abgesehen von seiner krankhaften Veranlagung bisher gut geführt habe, der sich sonst nichts zuschulden hat kommen lassen und über den nur günstig berichtet worden ist."
Das Urteil empfiehlt Baureis die "freiwillige Entmannung". Erfolge diese während der Haft, wäre "die Frage der Aufhebung der Sicherungsverwahrung zu erörtern, da mit seiner Entmannung die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht mehr hinreichend bejaht werden kann."
Baureis entschließt sich zur Kastration; Senator Ofterdinger genehmigt seinen Antrag am 14.10.1942. Am 12. Januar 1943 erfolgt der operative Eingriff; die Hoden erhält Dr. Koopmann zur histologischen Untersuchung am selben Tag, wie das Operationsprotokoll ausdrücklich vermerkt.

Nach dem 2. Weltkrieg ist Max Baureis vom 13. Oktober 1955 bis zum 6. Februar 1959 Inhaber des Lokals "Max und Moritz" in der Simon-von-Utrecht-Straße 19. Obwohl von einem Mann geführt, handelte es sich hierbei um ein Lokal, das ausschließlich von lesbischen Frauen besucht worden ist. Später führte Baureis die "Sansi-Bar" in St. Georg, und zwar in der Brennerstraße 15.
© Gottfried Lorenz 10.5.2008