Heinz Sobota

Der Minus - Mann

Ein Romanbericht


Verlag Kiepenheuer Witsch. Köln 1978




Erzählt wird der Romanbericht "Der Minus-Mann" von einem verantwortungslosen, menschenverachtenden Schwerstkriminellen mit anarchistisch-antisozialer Grundeinstellung, aus der Bindungsunfähigkeit und Beziehungsunwille resultieren.
Das Buch ist gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und homophob. Menschen sind für den Ich-Erzähler Heinz, der mit dem Verfasser weitestgehend identisch zu sein scheint, ausschließlich dazu da, abgeschöpft, mißbraucht und anschließend beseitigt zu werden.
Das Buch spiegelt faschistoide Allmachtphantasien des Erzählers, der zum Maßstab aller (bösen) Dinge sich selbst setzt.

"Wenn einer nicht den Mut hat, seine Mutter zu ficken, sollte er wenigstens seinen Vater erschlagen", lautet das Motto des Buches, das der Autor expressiv verbis sich selbst widmet.

Gefickt hat er seine Mutter nicht; sie ist der einzige Mensch, zu dem Heinz eine innere Beziehung hat und um den er nach dessen Tod zu trauern scheint.
Und erschlagen hat er seinen Vater auch nicht, sondern "nur" schwer verletzt. Zu verantworten aber hat er den Tod eines Zuhälterkollegen in München, den Selbstmord eines Jungen im Gefängnis, den er für zwei Flaschen Alkohol seinen Mitgefangenen zur brutalen Vergewaltigung auslieferte; zu verantworten hat er Dutzende Vergewaltigungen, schwere Körperverletzungen, erpresserische Bedrohungen, Prügeleien.

Mitleid empfindet der Erzähler nur mit sich selbst und äußert diese mit Larmoyanz. Schuld an allem sind immer nur andere.
Interessant ist, daß ein Selbstmordversuch nicht gelingt - weil er nicht gelingen soll.

Sobotas Buch ist unmoralisch nicht wegen zahlreicher drastischer, höchst obszöner Szenen, sondern wegen seiner Verachtung aller Regeln menschlichen Zusammenlebens. Gewalt ist erlaubt gegen jeden, der dem Erzähler des Romanberichtes nicht paßt oder im Wege steht. Jeder pornographische Roman atmet mehr Moral als dieses Gewalt gegen Frauen und Männer verherrlichende Buch aus einem sich seriös gebenden Verlag.

Der Berichterstatter stammt aus einer "gutbürgerlichen Familie". Seine Entwicklung ist durch die Milieutheorie kaum gedeckt - es sei denn, man sieht die nationalsozialistische Vergangenheit des Vaters sich im Sohn als pure Gewaltbejahung ohne ideologischen Überbau fortsetzen.

Der homosexuelle Leser kann dem Buch entnehmen, wie in Strafanstalten Männer von Männern sexuell mißbraucht werden, daß es in Gefängnissen nicht nur eine blühende männliche Prostitution gibt, sondern daß dort auch Zuhälter Jungen gefügig machen und sie "vermieten". Gewußt hat man das alles schon lange.

© Dr. Gottfried Lorenz, 2008