Steve Ross Anna Maria Gluth
Callboy Steve.
Die Autobiographie einer männlichen Hure

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Berlin 2008




Dieses Buch ist weder eine Autobiographie, noch hat den Text allem Anschein nach ein Callboy verfaßt.
Was die "Autobiographie" an biographischen Daten enthält, ist mager und widersprüchlich: Ein Italiener namens Steve Ross, der nahezu alles, was er schildert, in Deutschland erlebt, der einen mittleren Schulabschluß mit Ach und Krach schafft, dann aber von einem Studium fabuliert, der mit 30 Jahren ohne ersichtlichen Grund seinen einträglichen Callboyjob aufgibt und erfolgreicher Unternehmer wird.
Werden die Angaben konkreter, stimmen sie nicht: so gibt es am Berliner Hauptbahnhof (anders als Steve Ross auf S. 47 behauptet) keine Drogen-Stricher-Szene. Wahrscheinlich verwechselt er Berlin Hbf. mit dem Bahnhof Zoologischer Garten, wo allerdings auch schon seit Jahren kaum noch von einer solchen Szene gesprochen werden kann.
Ähnlich verhält es sich mit der großen rheinischen Stadt und deren Bahnhofstoilette (S. 48). Die einst "berühmten" beiden Kölner Bahnhofs-WC's sind seit längerer Zeit nicht mehr der Erwähnugn wert. Und dies gilt für unzählige andere deutsche Bahnhofs-"Klappen".

Die von Steve genannten horrenden drei- oder vierstelligen Honorare (mal in "DM", mal in "€" angegeben) werden durch einen einzigen Blick auf die Escort-Seiten von GayRomeo korrigiert.

Und wenn doch das Buch wenigstens ein guter Porno wäre! Ist es aber nicht!
Statt dessen macht sich Steve lustig über das zickige Getue alternder Schwuler und ekelt sich vor deren Altmänner-Geruch und - Geschmack (S. 63f.). Er zieht her über die Häßlichkeit seiner Kunden und Kundinnen und wird nicht müde, seine Freier und ganze Berufsstände (Stewards, Pfarrer, Juristen, Ärzte usw.) mit Häme zu überziehen.
Daß ein Callboy, wenn er gut ist, Dienstleister ist und daß diese Dienstleistungen in der Regel nicht von den Jungen und Schönen wahrgenommen werden, müßte einem professionell arbeitenden Prostituierten klar sein. Steve hat seinen Beruf verfehlt.

Statt auf Probleme, die mit der Prostitution zusammenhängen, und auf die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, einzugehen, enthält die "Autobiographie" Gewäsch, Unwahrscheinlichkeiten und "Verarschung" der Leser. Ärgerlich.
© Dr. Gottfried Lorenz, 15.2.2009